Schwarz-weiß: Ricarda Treppner fotografiert für ihre Abschlussarbeiten Steinkohlehalden im Ruhrgebiet. - © Dennis Bleck
Schwarz-weiß: Ricarda Treppner fotografiert für ihre Abschlussarbeiten Steinkohlehalden im Ruhrgebiet. | © Dennis Bleck

Bielefeld FH-Studenten präsentieren Abschlussarbeiten

Kunst: Freitagabend beginnt die „Werkschau". Dabei zeigen die Absolventen ihre Abschlussarbeiten. Einige sind bei der Umsetzung ihrer Ideen sehr weit gegangen

Dennis Bleck

Bielefeld. Für 26 Bachelor- und acht Masterstudenten der Fachhochschule Bielefeld hat das Lernen vorerst ein Ende. Höhepunkt ihres Studiums ist die „Werkschau", in der die Absolventen des Fachbereichs Gestaltung ihre Abschlussarbeiten ab Freitagabend präsentieren. Von Fotografie über Grafik bis hin zur Mode: In ihren Arbeiten setzten die Studenten mal auf die Digitalisierung, mal auf die analoge Technik – immer äußerst kreativ. Eine Themenvorgabe gab es dabei nicht. Jeder Student war gefordert, sich selbst Gedanken zu machen. Eine Idee zu entwickeln, die gesellschaftliche und gestalterische Relevanz hat.   Einen extremen Zugriff wählte dabei Florian Waadt. Die fotografische Arbeit „Körperpsyche" beschäftigt sich mit dem Prozess der Maskierung und Demaskierung. Für ausdrucksstarke Fotos fügte sich Waadt auch körperliche Schmerzen zu: Er fesselte sich, hielt unter Wasser möglichst lange den Atem an und behandelte seinen Körper mit starker Hitzecreme. „Ich habe versucht, das Innerste eines Menschen fotografisch hervorzubringen – dafür musste ich diesen extremen Weg gehen", sagte Waadt. „Im Mittelpunkt meines Interesses stehen jene verborgene innere Zustände, die sich nicht selten als seelische Abgründe offenbaren", so der Masterabsolvent. Deutschlands längste Autobahn Weniger extravagant dafür genauso ausgefallen erscheint das Projekt von Johannes Eslage. Für seine Abschlussarbeit befuhr er die längste zusammenhängende Autobahn Deutschlands. Die 962 Kilometer lange A 7 führt von der dänischen bis an die österreichische Grenze und quert sechs Bundesländer. „Auf meiner Reise habe ich mich auch abseits der bekannte Routen begeben", erläutert Eslage. Er traf sich mit Menschen, deren Berufe, Ziele oder Überzeugungen mit der A 7 verbunden sind. Entstanden ist eine sehenswerte fotografische Reportage. Marianna Fotiadou richtet sich mit ihrer Abschlussarbeit gegen den Konsumterror. „Gekauft.konsumiert.ersetzt" thematisiert den Wertverlust von Kleidung. „Jedes halbe Jahr kommt eine neue Kollektion raus", sagt Fotiadou. Sie habe sich daher gefragt, was mit den alten Klamotten passiere. „Meistens bleiben sie für immer Schrank", sagt sie. Ihr Ziel sei es daher, auch alten Kleidungsstücken ein neues Leben einzuhauchen: „Wie bei Lebensmitteln hat auch Mode ein Mindesthaltbarkeitsdatum – Ich versuche dieses zu verlängern." Ein ganzes Buch voll Suchanfragen Mehrere Wochen hat sich Kommilitonin Ricarda Treppner im Ruhrgebiet umgesehen. „ÜberSicht" heißt die fotografische Arbeit, die sich mit Steinkohlehalden auseinandersetzt. „Für mich üben diese Orte einen besonderen Reiz aus", sagt Treppner. Dort herrsche eine besondere Atmosphäre, die fast schon überirdisch sei. Peter Reimer hat für seine Abschlussarbeit gleich ein ganzes Buch geschrieben. „Encyclopedia of search suggestions" fasst die Ergebnisse der Internetsuchmaschine Google zusammen. „Noch bevor wir unsere Suchanfragen vervollständigen, bekommen wir Vorschläge serviert", sagt Reimer. In seinem Buch hat er diese zusammengefasst – auf 470 Seiten simultan für 70 verschiedene Länder. Grafikstudent Samuel Stark hat zwar kein Buch geschrieben, dafür eine Zeitung gedruckt. Das Magazin „Tellerrand" setzt sich mit dem Weihnachtsfrieden 1914 auseinander. Die Geschichte ist illustriert mit plakativen Bildern, die auf einer zweiten Ebene mit dem Text interagieren.

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