In Fahrt: „Greyhound‘s Washboard Band“ mit Andy Grünert (v. l.), Wolfgang Voss und Jürgen Schildmann auf der Bühne des Orpheum Theatre in Memphis. FOTO: THOMAS KLINGEBIEL - © Thomas Klingebiel
In Fahrt: „Greyhound‘s Washboard Band“ mit Andy Grünert (v. l.), Wolfgang Voss und Jürgen Schildmann auf der Bühne des Orpheum Theatre in Memphis. FOTO: THOMAS KLINGEBIEL | © Thomas Klingebiel

Kultur OWL-Trio unter den weltbesten acht Bluesbands

24. International Blues Challenge: „Greyhound‘s Washboard Band“ spielte sich in Memphis bis ins Finale. Die Band bekam viel Lob von altgedienten Bluesern

Thomas Klingebiel

Memphis. Aufs Treppchen schafften sie es nicht. Aber das selbstgesetzte Ziel, ins Finale und damit auf die Bühne des berühmten Orpheum Theatre in Memphis zu kommen, erreichte „Greyhound‘s Washboard Band“ bei der 34. International Blues Challenge souverän. Das Bielefelder Blues-Trio mobilisierte bei dem Wettbewerb in den USA die Qualitäten einer guten Turniermannschaft und wurde nach etwas unbefriedigendem Start von Auftritt zu Auftritt besser. „Wir sind total glücklich. Wenn man zu den besten acht von 110 internationalen Bands gehört, darf man zu Recht stolz sein“, bilanzierte Jürgen „Greyhound George“ Schildmann nach der Siegerehrung am Samstagabend (Ortszeit) im Orpheum Theatre. Die drei lieferten hochklassige Performances ab Auch Helge Nickel, Vorsitzender von Blues Baltica, des deutschen Kooperationspartners der Blues Foundation in den USA, war überaus zufrieden mit dem Abschneiden der Band aus Bielefeld. „Greyhound‘s Washboard Band“ ist erst der dritte deutsche Act, der seit Beginn der deutschen Beteiligung an der International Blues Challenge ins Finale gekommen ist. Die beiden anderen Bands, Michael van Merwyk und „Bluesoul“ aus Rheda-Wiedenbrück sowie das Duo Schroeter/Breitfelder, erreichten überdies einen 2. und 1. Platz. „Um hier weit zu kommen, muss man nicht nur besser, sondern deutlich besser sein als die US-Teilnehmer“, weiß Helge Nickel. Jürgen Schildmann (56, Gesang, Gitarre), Andy Grünert (54, Mundharmonika) und Wolfgang Voss (55, Schlagzeug) lieferten in Memphis bei den entscheidenden Punktspielen vor den Jurys jeweils hochklassige Performances ab. Anspielungen auf Trump amüsierten Publikum Auch Greyhound Georges Songs mit kleinen Anspielungen auf Trump wie in „Fake News Blues“ oder „Let the Money Work for You“ amüsierten Publikum und Jurys gleichermaßen. Das entscheidende Plus der Bielefelder Band dürften aber das originelle Schlagzeug und die subtilen Grooves von Wolfgang Voss gewesen sein. Dessen mit Waschbrett, Becken, Klingeln, Hupen und einer mächtigen, 100 Jahre alten Basstrommel bestücktes Drumset war ein absoluter Hingucker und wurde schon während des Aufbaus in den Clubs an der Beale Street von vielen Zuhörern bestaunt. Voss‘ Drum-Soli lösten regelmäßig tosenden Zwischenapplaus aus. Bei den Jury-Kriterien „Originalität“ und „Bluesgehalt“ dürfte die Band tüchtig Punkte gesammelt haben. Ihre Besetzung – Drums und Gitarre lieferten nebenbei auch das Bass-Fundament – war im Vergleich mit den elektrifizierten Bluesrock-Bands ein absolutes Unikum. "Ich kriege hier gleich vor lauter Freude einen Herzinfarkt" Der Gewinn für „Greyhound‘s Washboard Band“ ist aber nicht nur die Finalteilnahme. Die ganze Woche über wurde die Band in den USA praktisch von einer Welle internationalen Wohlwollens getragen. Zuhörer und auch konkurrierende Bands sprachen die OWL-Musiker in den Clubs und auf der Straße immer wieder an („Good luck, Germans!“). Einem Ritterschlag kam es gleich, wenn Schildmann und Grünert nach Auftritten großes Lob von altgedienten Bluesern wie dem Muddy-Waters-Gitarristen Bob Margolin oder der Harp-Größe Bob Corritore zu hören bekamen. „Ich kriege hier gleich vor lauter Freude einen Herzinfarkt“, meinte Jürgen Schildmann am Freitagabend nach dem Gespräch mit Margolin.

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