Enttäuscht: Marius Schröder (v.l.), Marvin Krühler, Marlena Dorniak, Janette Georgi, Stephan Berkowitz, Reiner Tintel und Bernd Jungkulturhaus. Dem Team gehören zudem Christian Stiesch, Albrun Seiert, Jasmina Vrajolli und Hicran Conker an. Foto: Martin Kuschel - © Martin Kuschel
Enttäuscht: Marius Schröder (v.l.), Marvin Krühler, Marlena Dorniak, Janette Georgi, Stephan Berkowitz, Reiner Tintel und Bernd Jungkulturhaus. Dem Team gehören zudem Christian Stiesch, Albrun Seiert, Jasmina Vrajolli und Hicran Conker an. Foto: Martin Kuschel | © Martin Kuschel

KulturKulturhaus-Initiative steht im Regen

Gescheitert: Initiatoren wollten ab Januar Teile der leer stehenden FH an der Wilhelm-Bertelsmann-Straße für ihr Projekt nutzen. Die befristete Umnutzung sei zu aufwendig, sagen Stadt und BLB

Stefan Brams

Seit mehr als drei Jahren setzt sich die Initiative Kulturhaus Bielefeld dafür ein, ein ebensolches in der Stadt, möglichst in der Nähe der Innenstadt, aufzubauen. Zwölf Aktive zählt die Gruppe, die ein Kulturhaus schaffen möchte, das nicht nur bildenden Künstlern, Musikern und Autoren, sondern auch Kreativen und Start-ups aus der IT-Szene ein Quartier bietet und dieses als offenes Haus für jedermann und -frau zu einem Zentrum der Kultur und der Begegnung in Bielefeld macht. In zahlreichen Veranstaltungen und Gesprächen hat die Initiative rund um Stephan Berkowitz, Marius Schröder sowie Marvin Krühler für ihre Idee geworben. „Zuletzt hatten wir rund 60 Interessenten, die in ein solches Haus als Mieter eingezogen wären“, betont Berkowitz im Gespräch mit der NW. „Und wir hatten auch schon ein geeignetes Haus in Aussicht – die leerstehende Fachhochschule an der Wilhelm-Bertelsmann-Straße, die für Flüchtlinge hergerichtet wurde, jetzt aber leersteht.“ »Dank der Mieter hätte die Stadt doch auch Kosten gespart« In Gesprächen mit dem Kulturdezernat, das Berkowitz und seine Mitstreiter für deren Offenheit und Aufgeschlossenheit gegenüber dem Projekt loben, habe es auch „sehr gut ausgesehen für das Vorhaben“. Berkowitz: „Wir hatten die Hoffnung, tatsächlich ab 1. Januar 2018 den Bereich, der für die Flüchtlinge umgebaut worden war, nutzen zu können.“ Auf rund 2.500 Quadratmetern Fläche hätten ohne viel Aufwand Büros für die rund 60 Mietinteressenten aus der Kreativ- und Kulturszene entstehen können, ist sich Berkowitz sicher. Doch nun gab es in den vergangenen Wochen schlechte Nachrichten für die Kulturhaus-Initiative. „Kulturdezernent Udo Witthaus hat uns mitgeteilt, dass aus dem Vorhaben nichts wird, weil der Umbauaufwand für eine Zwischennutzung über ein Jahr hinweg als Kulturhaus nicht vertretbar sei“, so der sichtlich enttäuschte Berkowitz. Witthaus bestätigte auf Nachfrage die Gespräche zwischen seinem Dezernat und der Initiative Kulturhaus. „Ich halte viel von der Idee der Initiative und von einem Kulturhaus an sich, aber es war an diesem Ort nicht zu realisieren, weil der Aufwand zu groß gewesen wäre und das Gebäude nur befristet zur Verfügung steht“, betont Witthaus. Hintergrund: Die alte Fachhochschule gehört dem landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB). Der Immobilienservice Bielefeld (ISB), eine Tochter der Stadt, ist Mieter des Gebäudes bis Ende 2018. Was danach passiert, ist offen. Genutzt werden sollte es für die Unterbringung von Flüchtlingen, steht nun aber leer. Für dieses Jahr wollte es nun die Initiative nutzen, um das Kulturhaus-Projekt starten zu können. Berkowitz: „Das hätte bei rund 60 Mietern der Stadt ja auch Miete eingebracht. So hätte sie Kosten gespart.“ „Wir hätten das Projekt wirklich gerne umgesetzt“, sagt Witthaus. „Aber Gespräche zwischen BLB und ISB haben ergeben, dass der Aufwand, die Räume für eine neue, zwischenzeitliche Nutzung herzurichten, umzubauen und eine Nutzungsänderung zu erwirken, zu aufwendig gewesen wäre.“ Daher sei eine Absage erfolgt. „Aber wir unterstützen die Initiative weiter.“ Die will auch nicht aufgeben, wie Berkowitz, Schröder und Krühler unisono gegenüber der NW betonen. „Wir sind zwar enttäuscht, weil wir uns kurz vor dem Ziel wähnten, aber wir bleiben dran“, kündigen die drei stellvertretend für die zwölf Aktiven an. Ein neues Objekt hätten sie auch bereits im Blick, „aber es ist nicht so ideal gelegen wie die FH, denn wir wollen das Kulturhaus zu einem offenen Haus, einem Ort der Begegnung und des Austauschs der Kreativen und der Bürger in dieser Stadt machen. Da ist ein zentrumsnahes Gebäude natürlich deutlich besser“. Das sieht auch Witthaus so. „Es ist einfach ein Problem, dass es in Bielefelds Innenstadt kaum Flächen und Leerstände für solche Projekte gibt.“

realisiert durch evolver group