Die Kleinen vor: Für die letzten Lieder stellten sich die jüngsten Sänger des Knabenchors Gütersloh in der ersten Reihe auf. Dahinter der Konzertchor. - © Foto: Heike Sommerkamp
Die Kleinen vor: Für die letzten Lieder stellten sich die jüngsten Sänger des Knabenchors Gütersloh in der ersten Reihe auf. Dahinter der Konzertchor. | © Foto: Heike Sommerkamp

Kultur Bayerischer Weihnachtsgruß

Klangvoll: Der Gütersloher Knabenchor gastierte im Kleinen Saal der Oetkerhalle und begeisterte 150 Zuhörer

Bielefeld. In den Höhen klare, kräftige Knabenstimmen. Darunter die deutlich lyrischer gehaltenen, ausgebildeten Erwachsenenstimmen junger Männer. Und all das im absolut tonsauberen, dynamisch bestens tarierten Ensembleklang, punktgenau ausgestaltet von den Chorleitern Sigmund Bothmann und Ernst Leopold Schmid. Wenn der Knabenchor Gütersloh singt, ist es eine Freude zuzuhören. Zum Weihnachtskonzert hatten die Jungs aus der Dalkestadt hauptsächlich Bayerisches im Liedgepäck, dazu zwei Motetten von Johann Sebastian Bach und Heinrich Schütz. Etwa 150 Hörer, darunter viele Familienmitglieder der jungen ostwestfälischen Künstler im Grundschul- bis Sekundarstufenalter, genossen den 100-minütigen Ohrenschmaus. Wobei gerade die kleinen Soprane und Altstimmen deutlich lieber die bayerischen Lieder sangen als die Motetten: Während sie besonders in einigen Fugenphasen der hörenswert intonierten Barockwerke spürbar angestrengt ihrer Stimmführung übers Notenblatt folgten, klemmten sie danach erleichtert die Liedmappen unter den Arm und sangen den Rest des Programms erfrischend freudig-frei. Karl Krafts schwungvolles „Und ko ma koa Bettstatt“, zum Beispiel. Oder, ähnlich rührig, „Heissa Buama stehts geschwind auf“. Die letzten Lieder konnte jeder im Saal mitsingen Ein ruhigeres, hell erstrahlendes Highlight der Mürztaler Engelruf, aber auch das strahlend-klare „Schlafe, schlafe, Kindelein“. Als Ernst Leopold Schmid zwischendurch immer wieder in bestem Bayerisch Auszüge aus Ludwig Thomas „Weihnachtslegende“ vorlas, hörten sich die überwiegend ostwestfälischen Hörer in die hierzulande eher selten gehörte süddeutsche Mundart ein, schmunzelten zunehmend über Thomas Einfälle zur Weihnachtsgeschichte – und bekamen so auch von den Liedtexten noch mehr mit: Die Aussprache dieses Knabenchores ist ja ohnehin angenehm deutlich. Beim Andachtsjodler konnten die Hörer noch mal erst die klangvoll-weichen Stimmen der jungen Männer, dann die klar-strahlenden der Knaben und dann beide zusammen genießen. Danach zogen die jüngsten Sänger in den Kleinen Saal ein, um die letzten Lieder singkundig-tatkräftig mitzugestalten, zum Beispiel „in dulci jubilo“. Kurz vor Ende kam der Abschied von Bayern: Die letzten Lieder, „Stille Nacht“ und „O du fröhliche“, konnte wieder jeder im Saal mitsingen. Durfte man auch: Sigmund Bothmann lud mit ausladender Gestik das Publikum zum Mitmachen ein. Erst nach zwei Zugaben durfte der Besuch aus Gütersloh den Saal verlassen.

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