„Von der langsamen Zeit“: Das österreichische Bläser-Septett „Federleicht“ lässt sich weder von Erwartungen noch von Traditionen einengen. Im Kleinen Saal der Oetkerhalle verband das Ensemble hochvirtuos die unterschiedlichsten Genres miteinander. Foto: Christian Weische - © Christian Weische
„Von der langsamen Zeit“: Das österreichische Bläser-Septett „Federleicht“ lässt sich weder von Erwartungen noch von Traditionen einengen. Im Kleinen Saal der Oetkerhalle verband das Ensemble hochvirtuos die unterschiedlichsten Genres miteinander. Foto: Christian Weische | © Christian Weische

Kultur Wenn Virtuosität auf Inspiration trifft

Die federleichte Blasmusik eines österreichischen Spitzenensemble sorgte in der Bielefelder Oetkerhalle für weihnachtliche Entschleunigung

Der Kleine Saal der Oetkerhalle platzt aus allen Nähten. War da eben noch ein aufgeregtes Stimmengewirr, wird es plötzlich still und dunkel. Sphärische Töne erklingen, zwei Posaunen röhren langsam und gelassen, ehe nach und nach die anderen Bläser einsetzen. Es wird heller auf der Bühne, ein mehrstimmiger Bläserreigen entfaltet sich. Nach dieser eindrucksvollen Inszenierung ist klar, dieser Abend hält kein gewöhnliches Adventskonzert bereit. Zu dem „Tempus fugit“-Gefühl, das besonders die ursprünglich besinnliche Adventszeit zu einer eher hektischen Periode macht, will das Bläserseptett „Federleicht“ mit dem Motto „Von der langsamen Zeit“ einen Kontrapunkt setzen. Bläser und Besinnlichkeit? Das ist nicht unbedingt ein naheliegendes Assoziationspaar. Aber das österreichische Spitzenensemble „Federleicht“ ist auch ein ganz und gar ungewöhnliches Orchester. Ayac Iuan Jimenez-Salvador (Trompete, Flügelhorn und Gesang), Frédéric Alvarado-Dupuy (Gesang und Klarinette), Matthias Werner (Posaune und Gesang), Philip Haas (Trompete, Flügelhorn und Gesang), Roland Fitzinger (Tuba und Gesang), Simon Zöchbauer (Trompete, Zither und Gesang), sowie Thomas Winalek (Posaune, Basstrompete und Gesang) lassen sich weder von Erwartungen noch von Traditionen einengen. Vielmehr nutzen sie die große Könnerschaft an ihren Instrumenten, um hochvirtuos Grenzen zu überschreiten.Bestechend Traditionelle Muster dienen als Vorlage für eine bestechend innovative Spielfreude. „Federleicht“ steht für eine neue vorurteilsfreie Generation, die sich die Freiheit nimmt, traditionelles Liedgut auf eigensinnige Weise zu interpretieren. Was dabei herauskommt, klingt als träfe Barock auf Marschmusik, christliche Lieder bekommen den Blues. Französische und spanische Weihnachtslieder gesellen sich zu oberösterreichischen Volkstänzen, Jodeln folgt auf meditativ experimentelle Kompositionen und eine opernreife Vertonung des Märchens vom standhaften Zinnsoldaten. Alles harmoniert derart miteinander, dass es klingt wie aus einem Guss. Der häufig strapazierte Begriff „Weltmusik“ bekommt bei diesem Ensemble seine ursprüngliche Bedeutung zurück, als Sprache der Musik, die nicht nur Völker und Nationen vereint, sondern auch Stile und Epochen. Bei den Ausnahmemusikern dieses österreichischen Spitzenensembles passt jeder Einsatz, jeder Übergang. Die Musiker selbst entwickeln eine Spielfreude, der sich die Zuhörer nicht entziehen können. Neunzig Minuten Feuerwerk an humorvoll und leidenschaftlich präsentierten Ideen machen dieses Konzert zu einer Feier von Freiheit, Leichtigkeit und Miteinander. Nach tosendem Applaus wird das Bielefelder Publikum mit einem siebenstimmigen Jodler beseelt in die verbleibende Adventszeit entlassen.

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