Solo und akustisch: Ron Diva
Foto: Ariana Kanonenberg/PR - © Ariana Kanonenberg Photodesign
Solo und akustisch: Ron Diva
Foto: Ariana Kanonenberg/PR | © Ariana Kanonenberg Photodesign

Kultur Wo das Herz schlägt

Der Bielefelder Singer-Songwriter Ron Diva singt auf „Fünf Songs“ über Tourblues und den schweren eigenen Weg. Eine Rückkehr zu den Anfängen

Thomas Klingebiel

Ron Diva hat lange keine neuen Lieder rausgebracht. Schaut man genau zurück, ist der Abstand aber nicht länger als zwischen seinen Alben Nummer eins und zwei. Nach erneut vier Jahren Pause hat der Bielefelder Singer-Songwriter nun seine dritte Platte veröffentlicht. Auf der EP „Fünf Songs" besinnt sich Ron Diva nach dem rockigeren Band-Album „Im Westen der Stadt" auf seine aufs Wesentliche reduzierten Anfänge: sehr persönliche Lieder, auf Deutsch, solo und akustisch geboten. Noch immer horcht der 40-Jährige beim Liederschreiben tief in sich hinein, kehrt sein Innerstes nach außen, ist emotional und intensiv. Doch nach wie vor gelingt es ihm auch, mit seiner unter anderem an Udo Lindenberg geschulten Songsprache, Anflüge von Gefühlskitsch zu umschiffen. Ron Diva, dem ein Fernsehauftritt in „Inas Nacht" 2009 viel Aufmerksamkeit brachte, kommt viel in der Republik herum. Er tritt in Clubs auf, gibt sogenannte Wohnzimmerkonzerte. Die Schattenseite dieses Lebens bringt er im Eröffnungslied „Stunde für Stunde" zu einer verführerisch schönen Melodie zur Sprache: Einsamkeit in Hotelzimmern, Sehnsucht nach zu Hause, der notorische Tour-Blues. Der Sänger spielt mit „dem Gedanken, die Minibar abzuräumen", stellt das Klischee dann aber originell auf den Kopf: „Vielleicht ’n bisschen viel Rock’n’Roll für mich allein." Typisch Ron. „Die Sache mit dem Geld" bringt eindringlich („Wir gehen nicht auf Sicherheit, wir gehen da, wo das Herz schlägt"), aber auch mit einer Portion Schnoddrigkeit Existenzängste zur Sprache: „Wenn bloß irgendwann die Lage mal entspannter wär . . . käm’ ich wieder besser in den verdammten scheiß Schlaf." Zu erhabenen Klavier-Akkorden hellt die Stimmung in „Lass es scheinen" auf („Ich weiß, es wird gut irgendwann.") Ein Grund dürfte das im Lied erwähnte Kind sein, „das dich fragt, wo kommen all die Farben her". Seit gut zwei Jahren ist Ron Diva stolzer Vater eines Sohnes. Schon einige Jahre in der Schublade lag „O. G.", ein im Fingerstyle gezupfter, von Kindheitserinnerungen durchwehter Nachruf auf einen Freund. Der wieder mit Gitarre gespielte „Song für Klavier (Weit mehr)" beschwört noch einmal das prekäre Künstlerleben. Ein herzzerreißend, vielleicht etwas exaltiert gesungenes Bekenntnis, sich von anderen nicht beirren zu lassen, an den eigenen Träumen festzuhalten. „Es gibt mehr als einen Weg", heißt es am Ende versöhnlich, „zu deinem wirst du finden, wie die Erde sich auch dreht." Als Bonus gibt es den Opener „Stunde für Stunde" als Track Nummer sechs noch in einer „langen Klavierversion" zu hören. Eine ruhiges, sympathisch ehrliches Lebenszeichen eines bemerkenswerten Songwriters. Die nächsten Auftritte: Sa., 18.11., 20 Uhr, bei „ShOWL" im Trotz-Alledem-Theater, Feilenstraße 4; Fr., 12. 1. 2018, 21 Uhr Bunker Ulmenwall, zusammen mit dem Singer-Songwriter Oliver Damaschek-Hahn alias Eudel.

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