Mann mit Ideen: Michael Schulte, hier in seinem mittlerweile geschlossenen „c.ult“-Wohnzimmer, versteht sich als „Mediator“. - © Foto: Wolfgang Rudolf
Mann mit Ideen: Michael Schulte, hier in seinem mittlerweile geschlossenen „c.ult“-Wohnzimmer, versteht sich als „Mediator“. | © Foto: Wolfgang Rudolf

Kultur Wohnzimmer in Bewegung

Musikszene Bielefeld: Michael Schulte hat das „c.ult“ geschlossen, verfolgt seine Ideen aber an anderen Stellen in der Stadt weiter

Thomas Klingebiel

Dieser etwas andere Kulturraum fand schnell viele Freunde. Unter dem Namen „Chamber Unlimited“ oder kurz „c.ult“ bot Michael Schule in seiner Wohnung in Schildesche Live-Musik regionaler und internationaler Künstler. Seit das „c.ult“ geschlossen ist, verfolgt Schulte seine Idee, außergewöhnliche Konzerte an besonderen Orten zu bieten, an anderen Stellen in der Stadt weiter. Das spezielle Flair des „c.ult“ dürfte schwer wieder zu erreichen sein. Als Bühne diente Schulte sein eigenes Wohnzimmer: ein denkmalgeschützter ehemaliger Tanzsaal über der Gaststätte „De Deele“. Besonders waren auch die mannigfachen rechtlichen Herausforderungen dieses Veranstaltungsorts. Schulte begegnete ihnen unter anderem damit, dass jeder Besucher für den Abend des Konzerts gegen Entrichtung einer Gebühr eine „Teilmitgliedschaft“ im gemeinnützigen Trägerverein abschließen musste. Der wachsenden Beliebtheit des „c.ult“ bei Besuchern und Bands aus Bielefeld und aller Welt tat diese etwas umständliche Konstruktion keinen Abbruch. Das Aus kam daher etwas überraschend. Nach fast genau drei Jahren Jahren endete die c.ult-Ära im Juni, wie sie begonnen hatte: mit einer „One Bourbon, One Scotch, One Beer“-Band-Session. „Aus privaten Gründen“, sagt Michael Schulte, habe er das c.ult aufgegeben. Er habe seine schwerkranke Mutter in Bad Oeynhausen gepflegt und in jener Zeit die Zahl der Konzerte drastisch reduzieren müssen. „Da kam ich vom kulturellen Anspruch her und auch finanziell nicht mehr ins Ziel“, so der 66-Jährige. Die Wohnung in Schildesche wurde inzwischen anderweitig vermietet. Der gemeinnützige Trägerverein soll bis Ende des Jahres aufgelöst werden. Schulte, ideenreicher Hans-Dampf-in-allen-Gassen, ist längst an anderen Orten in der Stadt aktiv. „An der Idee, die ich mit dem c.ult verfolgt habe, nämlich auch lokale und regionale Talente zu fördern, halte ich weiter fest“, betont er. Der „Abendmarkt“ donnerstags auf dem Klosterplatz hatte sich schon früh als c.ult-Zweigstelle etabliert. Seit 2016 bestückt Schulte auf dem Klosterplatz auch zum Leinewebermarkt eine Bühne („c.ult Stage“). Im Februar dieses Jahres kam die Lounge-Bar des Hotels Légère am Neumarkt als weitere Plattform hinzu. Neuerdings betätigt sich Schulte auch für die „Wolkenschiebar“, früher „Westside Lounge“, an der Arndtstraße im Bielefelder Westen als „Mediator“ (Schulte). „Künstler und Location müssen mir gefallen“, betont der frühere Verkaufsleiter eines französischen CD-Herstellers. „Dann versuche ich, einen guten Fit hinzukriegen.“ Auch zu den internationalen Acts, die im c.ult auftraten, halte er noch Kontakt und suche für sie gegebenenfalls Auftrittsmöglichkeiten. Der Künstlerstammtisch und der Abendmarkt sind die Veranstaltungsformate, die aus der Zeit des Trägervereins geblieben sind. „Da verdiene ich nichts dran, nur die Künstler bekommen etwas“, sagt Schulte. „Das sieht bei der Zusammenarbeit mit dem Légère etwas anders aus.“ Im nächsten Jahr werde er seine unterschiedlichen Aktivitäten als Mediator „kreativ unter einem Dach“ bündeln. Konkretes könne er dazu noch nicht sagen. Der Künstlerstammtisch geht zurzeit in der „verdichteten Wohnzimmeratmosphäre“ der Wolkenschiebar über die Bühne. „Die erinnert mich an das c.ult“, sagt Schulte. Bei freiem Eintritt stellen sich Musiktalente mit Teaser-Gigs vor, Gäste kommen mit den Musikern ins Gespräch, zum Schluss gibt es eine Open-Stage-Session (16. November, 19 Uhr). Nachdem ein Teil der Gastronomieszene des einstmals „wilden Westens“ in Richtung Karl-Eilers-Straße abgewandert sei, verstehe er den Künstlerstammtisch auch als Beitrag zur Wiederbelebung des Viertels, so Schulte. Im Sommer wollte er mit einer Indoor/Outdoor-Variante des Stammtischs zunächst ins Johnson’s in der Kunsthalle gehen. Das fiel wegen Umbauarbeiten und Wetterproblemen aus. „2018 werden wir dort auf jeden Fall etwas machen“, sagt Schulte. Mit den Betreibern sei er weiter im Gespräch.

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