Ehrung: Rudolf Fischer wurde im Kreis seiner ehemaligen Chorgeschwister von Thorsten von Knebel fröhlich zum K2-Ehrenvorsitzenden ernannt. - © Foto: Antje Doßmann
Ehrung: Rudolf Fischer wurde im Kreis seiner ehemaligen Chorgeschwister von Thorsten von Knebel fröhlich zum K2-Ehrenvorsitzenden ernannt. | © Foto: Antje Doßmann

Kultur Vom Glück, im Chor zu singen

Knebelchor K2: Mit einer Hälfte von „Schobert & Black“ und Philipp Roemer als Ehrengästen boten Thorsten von Knebel und seine Sängerschar hintergründige Unterhaltung in der Neuen Schmiede

Antje Doßmann

Wo immer der Knebelchor K2 auftritt, wird nicht nur viel gesungen, sondern auch viel gelacht. So war es auch beim gut besuchten Auftritt der buntgemischten Sängerschar in der Neuen Schmiede. Die heitere Stimmung verdankte sich nicht zuletzt Thorsten von Knebel, der weder von Maulkörben, noch von einer sich nach allen Seiten absichernden Vorsicht bei Humorfragen viel zu halten schien. Statt dessen nahm der stark in seinem Sehvermögen eingeschränkte Chorleiter mit großem und robustem Witz sein Vorrecht in Anspruch, politisch unkorrekt zu sein. Etwa indem er seine eigene Fast-Blindheit zum Gegenstand selbstironischer Kommentare machte oder vor besonders diffizilen Liedern Bemerkungen machte wie diese: „Der Abend ist unter das Motto Glück gestellt, und das werden wir und Sie jetzt auch brauchen.“ Von launigen Bemerkungen wie diesen gelockert, gelangen dem K2-Chor sämtliche Stücke, die er sich für den Abend vorgenommen hatte, wenn auch nicht immer perfekt, so doch stets mit liebenswertem Charme. Das zeigte sich nicht nur bei der mit perlender Leichtigkeit gesungenen mittelalterlichen Ehegatten-Hymne „Il est bel et bon“, sondern auch bei den erwähnten, eher schwierigen Liedern.Die Ballade von der Wäscheklammer zündete Besonders die mit Beethovens 5. Sinfonie unterlegte Ballade von der Wäscheklammer zündete. Zum Kichern komisch, wie da erst die Bässe der Männer, dann die Soprane der Frauen ein „Die Wä, die Wä“ anstimmten, das Beethovens Bombast auf Normalmaß stutzte. Selten wurde dem profanen Vorgang des Wäscheaufhängens eine größere Ehre erwiesen. Kein Wunder, dass es seit langem Thorsten von Knebels Wunsch war, die Komponisten des „Wäscheklammer“-Liedes als Ehrengäste auf der Bühne präsentieren zu dürfen. Mit Black, der Teil des legendären kabarettistischen Liedermacherduos „Schobert & Black“ war, war nun zumindest einer der Urheber des kuriosen Songs zu Gast. Zusammen mit seinem neuen Mitstreiter, dem fabelhaften Gitarristen Philipp Roemer, erheiterte und berührte der auch mit Ingo Insterburg auftretende Sänger in einer Reihe hintergründiger, kritischer, kein Blatt vor den Mund nehmender Lieder sowie wunderbar skurriler Limericks. Von Altersmilde keine Spur bei dem 75-Jährigen. Aber auch nicht von Verbitterung. Der bald 88-jährige Rudolf Fischer, der im zweiten Programmteil zum Ehrenvorsitzenden des Chors gekürt wurde, weil er, wie Thorsten von Knebel scherzte, mit 80 Jahren nicht nur das höchste Eintrittsalter gehabt hatte, sondern mit 86 Jahren auch das höchste Austrittsalter, war ein weiterer lebendiger Beweis für die Jungerhaltungskräfte der Musik. Mit dem zur Melodie des Coldplay-Hits „Viva La Vida“ gesungenen Chorsatz „Schlürschluck“ verabschiedeten sich die K2-ler beschwingt. Nicht unwahrscheinlich, dass die meisten von ihnen weitersingen werden bis ins hohe Alter. Weil das offensichtlich besser wirkt gegen Zipperlein und Blues als jede Pille.

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