Viel Platz: Sylke Pilk und Frank Binnewitt haben noch ein weiteres, großes Regal im gemeinsamen Arbeitszimmer. Geordnet seien die Bände „eher intuitiv“, sagt sie. „Aber jedes Buch hat seinen Platz“, ergänzt er. In die Tonne kommt ein Buch „auf keinen Fall“, eher in die Brockensammlung. - © Foto: Andreas Frücht
Viel Platz: Sylke Pilk und Frank Binnewitt haben noch ein weiteres, großes Regal im gemeinsamen Arbeitszimmer. Geordnet seien die Bände „eher intuitiv“, sagt sie. „Aber jedes Buch hat seinen Platz“, ergänzt er. In die Tonne kommt ein Buch „auf keinen Fall“, eher in die Brockensammlung. | © Foto: Andreas Frücht

Kultur Lesewut und Kochleidenschaft

Mein Bücherregal (13): Sylke Pilk und Frank Binnewitt teilen sich mehrere Regale. Die Liebe zu den Büchernwar ein Grund, warum das Paar in ein größeres Haus gezogen ist

Bielefeld. Ihre literarischen Vorlieben unterscheiden sich. Sylke Pilk mag Jane Austen und Fantasy, Frank Binnewitt den Franzosen Philippe Djian, Jakob Arjouni und Krimis. Aber in einem Punkt ist sich das Paar einig: „Autoren, die durchgeknallt schreiben, lieben wir beide." Joey Goebel zum Beispiel. Vor einem Jahr sind sie aus Senne in die Innenstadt gezogen, wo sie sich sehr wohl fühlen. Zumal sie endlich genug Platz haben und ihre Schätze nicht mehr ins Regal stopfen müssen. Die Steinfurterin Sylke Pilt ist Restaurantfachfrau, kam im Jahr 2000 zum Soziologie-Studium an die hiesige Universität und machte sich nach ihrem Diplom und Jobs in Wirtschaft und Forschung selbstständig. Nach ihren Top-Titeln befragt, nennt die 46-Jährige ohne zu zögern „alle Bücher von Jane Austen". Weil sie Austens Stil und Sprache liebt, liest sie die am liebsten im englischen Original. Sylke Pilk schätzt Klassiker aber auch in modernem Gewand. „,Pride and Prejudice’ als Graphic Novel ist wirklich toll", schwärmt sie. »Die Charaktere in ›Sturmhöhe‹ sind mir zu verdorben« Zu ihren Favoriten gehört „Hard-Boiled Wonderland", immer noch Haruki Murakamis größter Roman, wie sie findet. Aber Pilk liest jedes neue Buch des Japaners: „Er schafft es gut, verschiedene Ebenen miteinander zu verweben", sagt die Unternehmerin. Sie mag Fantasy, darunter die „Twilight"-Saga, in der sie Parallelen zu „Jane Eyre" sieht. Sylke Pilk ist sicher, dass ihre Begeisterung für den Film „Tanz der Vampire" in jungen Jahren auch ihren literarischen Geschmack geprägt hat.Zu ihren persönlichen Highlights gehört auch „Jane Eyre" von Charlotte Brontë, „Sturmhöhe" dagegen weniger. „Die Charaktere sind mir zu verdorben", sagt sie. Sylke Pilk hat ein Faible für gut geschriebene und gut gestaltete Bücher. Das zeigt die auffällige Ausgabe eines ihrer deutschen Lieblingsautoren: Theodor Fontane. „Effi Briest" mit Goldschnitt „liegt einfach da und darf schön sein", sagt Pilk lächelnd, fürs alltägliche Schmökern hat sie ein anderes Exemplar. Pilk und Binnewitt haben ihre absoluten Lieblinge auch noch auf E-Reader, Handy oder Tablet gespeichert, um sie immer bei sich zu haben. Sie sind Leser, die noch die gute, alte Buchhandlung schätzen. Ihrer alten Senner Bücherquelle, Olaf Bärenwaldts Exlibris, halten sie auch nach ihrem Umzug ins Bielefelder Zentrum die Treue. Eine kleine dekorative Extravaganz gönnt sich auch Frank Binnewitt: eine schwergewichtige, blau gebundene Ausgabe von James Joyce’s „Finnegan’s Wake". Sieht imposant aus, „aber lesen kann man das nicht", räumt Binnewitt ein. Nicht, dass er literarische Herausforderungen scheuen würde: Den „Ulysses" hat er bis zum Ende gelesen, was nicht viele Menschen von sich behaupten können. Der aus Rödinghausen stammende Binnewitt hat in Bielefeld Deutsch und Geschichte auf Lehramt studiert, schlug aber einen anderen Weg ein. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", sagt er. Binnewitt ist Projektleiter in einem Softwareunternehmen und in der EDV-Beratung tätig. Er mag Krimis, besonders die von Volker Kutscher, die im Berlin der 1930er Jahre spielen. Er besitzt den vollständigen Edgar Wallace, den er zum Teil auf Flohmärkten erjagte. Die Buchreihe ist sein Entspannungs-Programm: „Die lese ich, wenn ich krank bin, aber lesen kann". Sein großer literarischer Held ist der Franzose Philippe Djian. Der Funke sprang im Kino bei dem Kultfilm „Betty Blue" über, der auf Djians gleichnamigem Roman basierte. „Ich mag seinen Stil sehr." Für das Lesen haben ihn seine Eltern begeistert, sein Vater las ihm Lindgren und Kästner vor. Später verschlang er die Abenteuerromane von Alexandre Dumas. „Die drei ???" hat er heute noch digital immer bei sich. Auch Sylke Pilk hütet einen frühen Schatz: die Mecki-Bücher ihrer Mutter. „Die habe ich geliebt", sagt sie und blättert in einem der schön illustrierten Bücher. Zu Binnewitts Favoriten gehört Pablo Tussets „Das Bete, was einem Croissant passieren kann", eine tragikomische Familiengeschichte, dessen schräge Überdrehtheit auch Sylke Pilk schätzt, sowie Joey Goebels „Heartland" und der Autor Castle Freeman. Pilk und Binnewitt sind Genussmenschen, die auch gemeinsam kochen. „Aber einer muss immer das Heft in der Hand haben", sind sie sich einig. Sylke Pilk hat ihre kulinarische Leidenschaft zum Beruf gemacht und ist selbstständige Feinkostproduzentin. In ihrem Laden „werkhand" am Ehlentruper Weg unweit ihres Zuhauses verkauft sie selbst gemachte Chutneys, Saucen, Senf und mehr und freut sich darüber, dass sich ihr Geschäft zu einem Treffpunkt im Viertel entwickelt hat. Kein Wunder, dass das Paar auch eine stattliche Zahl an Kochbüchern besitzt, die irgendwann ihren eigenen Platz bekommen sollen. Urlaub macht das Paar am liebsten in Frankreich. Ein Ort, wo sie regelmäßig entspannen, wandern und gut essen, ist ein Biohof im Elsass.

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