Neuerwerbungen: Irmtraut Ahlemeier will diese Bücher von Ken Follett, Harper Lee und Lenz in nächster Zeit lesen. - © Foto: Wolfgang Rudolf
Neuerwerbungen: Irmtraut Ahlemeier will diese Bücher von Ken Follett, Harper Lee und Lenz in nächster Zeit lesen. | © Foto: Wolfgang Rudolf

Kultur „Ein Buch muss mich packen“

Mein Bücherregal (10): Irmtraut Ahlemeier, Inhaberin einer Textilagentur, wünscht sich, dass die Jugend wieder mehr liest. Bei ihrer Buchauswahl verlässt sie sich gerne auf Bestenlisten

Stefan Brams

Fünf dicke Bücher liegen auf einem kleinen Tisch rechts neben Irmtraut Ahlemeiers Sofa. Neben Ken Folletts drei Romanen „Kinder der Freiheit", „Winter der Welt" und „Sturz der Titanen" sind es Harper Lees „Gehe hin, stelle einen Wächter" und Siegfried Lenz’ „Die Deutschstunde". „Die fünf Werke möchte ich in nächster Zeit lesen", sagt die Inhaberin einer Textilagentur und zeigt auf die Bände. „Deshalb liegen sie hier auch schon mal bereit", betont die weit gereiste Ahlemeier, die in Italien ihre Stoffe einkauft und einst als Industriekaufrau bei Seidensticker ihre Karriere begonnen hat. Doch bevor es um die Bücher in ihrem Regal geht, möchte die gebürtige Bielefelderin einen Appell loswerden: „Ich mache bei der Serie mit, weil ich junge Menschen zum Lesen ermuntern möchte." Das mache so viel Freude und sei so wichtig für die Entwicklung, „dass ich hier eindringlich für das Lesen werben möchte". "Alle Bücher, die hier stehen, habe ich auch gelesen" Sie selber sei seit ihrer Grundschulzeit eine leidenschaftliche Leserin, betont die 72-Jährige, die bis auf Australien alle Kontinente bereist hat und allein 20 Mal in Afrika war. Mit ihrer Schwester habe sie sich immer Bücher aus der Schulbücherei ausgeliehen. „Dann haben erst wir sie gelesen, anschließend unser Vater und dann haben wir zusammen über das Gelesene gesprochen. Das hat uns alle geprägt", erzählt die resolute Bielefelderin, die in Schildesche zur Schule gegangen ist. Geprägt habe sie und ihre zwei Jahre ältere Schwester aber auch der Bertelsmann Lesering. „Wir hatten dort eine Mitgliedschaft und haben immer abwechselnd Bücher bestellt und uns manchmal auch gekabbelt, wer was bestellen und zuerst lesen darf." Und die ersten Bücher? „Karl May", sagt Ahlemeier sofort. „Dessen Bände haben wir beide verschlungen. Die waren so unglaublich spannend – vor allem Winnetou." In ihrem wohl geordneten Regal sind die Romane des Leipzigers auch heute noch zu finden. Wie auch all die Reader’s-Digest-Bände, „die wir uns damals angeschafft haben und die uns in die Welt der Bücher hineingezogen haben", sagt Ahlemeier und weist nach ganz oben in ihr Bücheregal, wo die Digest-Bände doppelreihig stehen. „Aber ich lese heute nicht mehr darin, sie sind nur noch Erinnerung." Als Erinnerung an ihren Vater hat sie auch eine Reihe Bücher aus dessen Besitz aufbewahrt. Sie stehen in einem gesonderten Regal in ihrem Büro. Werke von Fontane sind darunter und auch „Ben Hur" von Lew Wallace. Bei der Auswahl ihrer Bücher orientiere sie sich durchaus an Bestenlisten wie auch an Buchempfehlungen aus NW,Spiegel, Focus und National Geographic. Zudem vertraue sie den Buchempfehlungen der Buchhandlung Welsche in Schildesche. Bücher von Willi Heinrich, Johannes Simmel, Mario Puzos „Der letzte Pate" und Noah Gordons „Medicus" („ein tolles Buch") stehen in ihrem Regal. Am meisten haben sie bisher allerdings Robert Ruarks Bücher über Afrika und insbesondere sein Buch „Uhuru. Roman des heutigen Afrika" begeistert. Was fasziniert sie an dessen Werken? „Sie sind so authentisch geschrieben, und ich lerne viel über Land und Leute." Grisham habe sie auch gelesen. „Aber den fand ich eher so lala." Auch Werke von Flaubert, Goethe, Dostojewski, Pasternak, Jack London, Umberto Ecos „Name der Rose", Jostein Gaarders „Sophies Welt" und Hans Falladas „Jeder stirbt für sich allein" finden sich in ihrem Regal, das mehr als 500 Bücher beherbergt. „Alle Bücher, die hier stehen, habe ich auch gelesen", betont Ahlemeier. Bücher werfe sie nicht weg. „Wird das Regal zu voll, kommen sie in Kisten in den Keller." Lediglich Taschenbücher, „die ich immer in Massen für meine Urlaube angeschafft habe", sortiere sie aus und gebe sie dann auch weg. „Bücher müssen mich packen am besten auf den ersten zehn Seiten, dann bleibe ich auch dran", sagt Ahlemeier, die nie im Bett liest und „ganz bestimmt keine Krimis", wie sie nachdrücklich betont. „Ich mag sie einfach ganz im Gegensatz zu meiner Schwester nicht", wie sie sagt. „Was unseren Buchgeschmack angeht, haben wir uns auseinander entwickelt", sagt die Sammlerin von Druckgrafiken Horst Janssens, die ihr Wohnzimmer schmücken. Am Ende des Gesprächs über ihr Buchregal spricht Irmtraut Ahlemeier eine Hoffnung aus: „Ich hoffe sehr, dass ich meine Buchsammlung eines Tages jemandem vererben kann. Es wäre doch schade, wenn das alles kein Zuhause mehr hätte und niemand mehr in diesen wunderbaren Büchern lesen würde."

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