Liest jeden Tag in ihren Büchern: Bettina Werning liebt es spannend und freut sich auf den neuen Dan Brown. - © Foto: Andreas Frücht
Liest jeden Tag in ihren Büchern: Bettina Werning liebt es spannend und freut sich auf den neuen Dan Brown. | © Foto: Andreas Frücht

Kultur „Ich mag die Sinnlichkeit des Buches“

Mein Bücherregal (8): Bettina Werning liebt Krimis seit sie Agatha Christies Werke für sich entdeckt und alles von ihr gelesen hat. 80 Prozent ihrer Bücher sind Kriminalromane

Stefan Brams

Auf dem Wohnzimmertisch liegt der neue Krimi von Jussi Adler-Olsen „Selfies“. Noch ungelesen. Aufgeschlagen daneben findet sich Paula Hawkins’ „Into the Water“. „Wenn Sie in mein Bücherregal schauen, dann werden Sie 80 Prozent Krimis entdecken“, sagt Bettina Werning. „Ich liebe Krimis“, betont die Werbekauffrau. „Aber sie müssen immer überraschende Wendungen haben, sehr gut geschrieben sein und dürfen nicht zu durchschauen sein, sonst packen sie mich nicht“, sagt die 54-Jährige und schmunzelt. In ihren weißen und grauen Regalen geht es geordnet zu. „Ich gruppiere immer die Bücher eines Autors, so dass ich einen guten Überblick über seine Werke behalte“, sagt die Mutter zweier erwachsener Söhne. Eine alphabetische Ordnung habe ihr Regal aber nicht. "Meine Bücher schleppe ich überall mit hin" Tritt man an die Regale heran, dann fällt sofort die große Reihe mit Werken Agatha Christies über zwei Regalbretter hinweg auf. „Ich liebe ihre Bücher, sie hat mich zum Krimi gebracht, und ich besitze nicht nur all ihre Bücher, sondern habe sie auch alle gelesen“, sagt sie. Sie möge den feinen Humor der Autorin, ihren Hang zum Skurrilen, die britische Atmosphäre und natürlich die Spannung. Auch alle Krimis von Donna Leon finden sich in ihrem Regal unweit von Agatha Christie. „Commissario Brunetti, seine Familie, seine feine Art zu ermitteln, das Essen und natürlich Venedig selbst, wie die Autorin es schildert, begeistern mich einfach.“ Doch Bettina Werning mag es bei den Krimis auch gerne eine Spur härter. Im Vitrinenschrank gleich um die Ecke stehen alle Werke von Stephen King. „Der begleitet mich bereits mein ganzes Erwachsenenleben. Er ist ein großer Autor, ich liebe den Sog, den er mit seinen Büchern erzeugt, und ich mag es, dass sich hinter all dem Horror ganz normale Menschen mit ihren Schicksalen verbergen.“ Mankells Wallander lese sie gerne und viele Grishams finden sich in der Nachbarschaft des schwedischen Autors in ihrem Regal. Die Bücher von Kathy Reichs stehen gleich in der Nähe. Der absolute Krimi sei für sie aber „Wolf“ von Mo Hayder. „Hier stimmt von Anfang bis Ende einfach alles“, betont sie. Ihr „absolutes Lieblingsbuch“ sei aber gar kein Krimi, sondern der Roman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson. „Was für ein Buch, was für ein sympathischer Held, ich habe es in zwei Tagen durchgelesen.“ Begeistert habe sie auch Oscar Wildes „Dorian Gray“. Einen Lieblingsleseplatz hat Werning nicht. „Ich schleppe meine Bücher überall mit hin, um sie zu lesen.“ Eselsohren sind ihr nicht suspekt. „Sie sind meine Lesezeichen.“ Aber verleihen würde sie ihre Bücher nicht. „Nachher kriege ich sie nicht wieder zurück.“ Den digitalen Lesegeräten kann Werning nichts abgewinnen. „Ich spüre das Papier gerne in meinen Händen, es hat so etwas Sinnliches“, sagt sie. Auch Bücher aus ihrer Jugendzeit wie „Insel der blauen Delfine“ („ich habe es geliebt und gleich mehrmals gelesen“) und „Der kleine Nick“ („völlig zerfleddert“) und Werke Karl Mays („nicht wirklich mein Ding“) finden sich noch heute in ihrem Bücherregal. Aber auch Werke von Rosamunde Pilcher stehen dort. „Die habe ich gerne gelesen, als meine Kinder klein waren, und ich mich beim Lesen einfach nur noch entspannen wollte.“ Die Harry-Potter-Bände ein paar Regalbretter weiter unten habe sie geradezu verschlungen. „Erst habe ich noch auf die deutschen Übersetzungen gewartet, dann konnte ich es nicht mehr abwarten und habe mir die englischsprachigen Ausgaben bestellt.“ Bücher bestellen ist ein gutes Stichwort. „Ich setze ganz auf die Buchhandlung Heepen“, sagt Werning. „Dort werde ich richtig gut beraten.“ Sie erinnert sich, dass ihr die beiden Buchhändlerinnen abgeraten hätten, mit dem neuesten Band von Fred Vargas’ Krimis zu beginnen. „Den verkaufe ich ihnen erst, wenn sie mit den ersten Bänden durch sind, weil sie sehr aufeinander aufbauen“, habe ihr die Buchhändlerin gesagt. „Sie hatte einfach Recht.“ Mittlerweile habe sie alle Bände der französischen Autorin gelesen – auch den neusten, wie sie lachend betont. In diesem Bücherherbst freut sich Werning auf den neuen Dan Brown mit dem Titel „Origin“. Die Vorgänger-Bände „Illuminati“, „Sakrileg“ und „Inferno“ stehen ausgelesen im Regal. Auch Umberto Ecos „Der Name der Rose“ findet sich dort. „Das Buch hat mich total begeistert.“ Aber sein Roman „Das Foucaultsche Pendel“ habe sie „enttäuscht“. „Ich habe mich im Krankenhaus zwar bis zum Ende durchgequält, aber keinen Zugang zu dieser Welt gefunden“, sagt sie. Bücher lese sie grundsätzlich bis zum Ende – auch wenn sie ihr nicht zusagen würden. „Wenn ich merke, ein Buch kommt überhaupt nicht in Fahrt, dann lese ich quer weiter, steige aber weiter hinten wieder ein, weil ich doch wissen will, ob es besser wird und wie das Buch ausgeht.“ Zudem sei es nur fair gegenüber dem Autor, der sich ja so viel Mühe mit seinem Buch gemacht habe, es nicht einfach unbeendet wegzulegen, sagt die Bücherliebhaberin.

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