Warnung vor Nebenwirkungen: Die Bradmans (Hermann Konnemann und Anne Maibaum, v.l.) wohnen Madamane Arcatis (Käthe Bergander) bei der Séance bei, Charles (Philipp Rommelmann) und Ruth (Alexandra Brugs) ahnen noch nichts Böses. - © Foto: Antje Doßmann
Warnung vor Nebenwirkungen: Die Bradmans (Hermann Konnemann und Anne Maibaum, v.l.) wohnen Madamane Arcatis (Käthe Bergander) bei der Séance bei, Charles (Philipp Rommelmann) und Ruth (Alexandra Brugs) ahnen noch nichts Böses. | © Foto: Antje Doßmann

Kultur Übersinnlicher Überraschungsbesuch

Premiere: Mit der schwarzen „Geisterkomödie“ sorgt das Kleine Theater für bissige Unterhaltung

Das Phänomen der angeblich direkten Kontaktaufnahme mit den Geistern Verstorbener, wie es im 19. Jahrhundert ein beliebtes Salonereignis war, inspiriert Theaterautoren und Regisseure immer wieder zu ebenso turbulenten wie respektlosen Stücken. Zu erleben zum Beispiel in der 1941 zunächst im Londoner West End und wenig später mit großem Erfolg am Broadway gespielten „Geisterkomödie“ von Noël Coward. Eine schwarze Ehe- und Gesellschaftssatire, die mehr über das Diesseits aussagt als über das Jenseits, auch wenn es sich in dem unterhaltsamen Stück tatsächlich manifestiert. Das Kleine Theater Bielefeld unter der Leitung von Wolfgang von Heygendorff hat sich den heiteren, leicht makabren Stoff nun vorgenommen, um ihn mit viel Charme und Schwung auf die Bühne zu bringen. Zum ersten Mal übrigens in den Räumen des Tanztheaters DansArt, da die gewohnte Spielstätte in der Ravensberger Spinnerei bis auf weiteres umbaubedingt ausfällt, und es sollte sich zeigen, dass diese Bühne ein ausgezeichneter Rahmen war für die aufwändig und schön ausgestaltete Inszenierung.Leichter, aber nicht anspruchsloser Theaterspaß mit tollen Effekten Es geht in der Geisterkomödie“ um den erfolgreichen Autor Charles Condomine (wunderbar selbstzufrieden, bis sein Ego Risse bekommt: Philipp Rommelmann), der einen neuen Roman plant, der sich um das Thema Spiritismus drehen soll. In der festen Überzeugung, dass ein jeglicher Geisterbeschwörer ein Taschenspieler sein muss, dessen Tricks es nur zu durchschauen gilt, lädt er zusammen mit seiner zweiten Frau Ruth (Alexandra Brungs, so britisch beherrscht, dass die Queen sie mit Kusshand für ihren Charles genommen hätte) die so schillerende wie schrullige Madame Arcati ein, ein über die Dorfgrenzen hinaus bekanntes Medium. In den 40er Jahren auf der Bühne wie auch in dem später gedrehten und mit einem Oscar für seine Spezialeffekte prämierten gleichnamigen Film war diese Rolle mit Margaret Rutherford prominent besetzt, beim Kleinen Theater verkörperte sie Käthe Bergander herrlich verhuscht und verzückt vom eigenen seltsamen Treiben. Des weiteren traten Anne Maibaum und Hermann Konnemann als im ehelichen Dauerclinch liegendes Freundespaar Violet und Dr. George Bradman auf, Milena Spaniol als hektisches, überaus komisch agierendes Dienstmädchen und schließlich Zeljka Tadic als Charles’ verblichene, auf Geisterbesuch vorbeischwebende und mit bösem Vergnügen für heillose Verwirrung sorgende Ex Elvira. Chaos, brich aus, Schicksal, nimm Lauf. Die Inszenierung bestach durch die guten, überzeugenden Akteure, ihr fließendes Spiel, die trotz Premierenfieber professionelle Souveränität, ihre ansteckende temperamentvolle Theaterleidenschaft. Das Stück selbst durch pointierte Dialoge, originelle Wendungen, trockenen Humor: „Dem Kind müssen dringend die Mandeln herausgenommen werden“, so Bradman, als Madame Arcatis Jenseits-Connection, eine 1910 dahingeraffte Siebenjährige, zum ersten Mal spricht. Leichter, aber nicht anspruchsloser Theaterspaß mit tollen Effekten. Eher zum heimlichen Grinsen als zum lauten Loslachen. Typisch britisch eben. Termine: 16.9., 23.9., 7.10., 13.10., 21.10., Karten unter: kleines-theater-bielefeld.net

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