feierliche Eröffnung der Theater- und Konzertsaison in der Oetkerhalle, Preisverleihung, Foto: Christian Weische - © Christian Weische
feierliche Eröffnung der Theater- und Konzertsaison in der Oetkerhalle, Preisverleihung, Foto: Christian Weische | © Christian Weische

Kultur Appetithäppchen aufs Feinste serviert

Festlicher Auftakt: Mehr als 1.200 Gäste feiern in der ausverkauften Oetkerhalle den Start in die neue Theatersaison. Die Theater- und Konzertfreunde zeichnen Katja Starke mit dem Opern- und Schauspielerin Doreen Nixdorf mit dem Schauspieltaler aus

Stefan Brams

Es waren die beiden Geehrten, die zugleich auch für zwei Glanzlichter beim festlichen Auftakt in die neue Theatersaison sorgten. Doreen Nixdorf, die von den Theater- und Konzertfreunden mit dem Schauspieltaler für „ihr farbiges und vielschichtiges Spiel“ (Laudator Michael Dickob) ausgezeichnet wurde, sagte in ihrer aufrüttelnden Dankesrede: „Ich möchte die Dominanz der Effizienz aushebeln. Kunst darf nicht effizient sein, sie muss gewohnte Sehweisen durchbrechen, experimentieren und zum freien Denken anregen können.“ Zudem betonte die aus Wolfen stammende Schauspielerin, die seit 2014/15 dem Bielefelder Ensemble angehört: „Ich habe weiter den Anspruch, Sie ein bisschen durcheinander zu bringen.“ Bekenntnisse, die die 1.200 Gäste des 32. festlichen Auftakts mit lang anhaltendem Applaus bedachten, der sich noch steigerte, als die Schauspielerin, die unter anderem als Nebenklägerin im Erfolgsstück „Terror“ glänzte, fragte: „Wie sollen wir aus dem Vollen schöpfen, wenn wir aus dem letzten Loch pfeifen?“ Eine deutliche Anspielung auf den Sparkurs der Stadt beim Theater, der dem Haus 800.000 Euro nahm. Oberbürgermeister Pit Clausen dürfte es gehört haben, weilte er doch unter den Festgästen."Wir haben dann mit 3.000 Plätzen das größte Theater in NRW" Den zweiten Akzent des insgesamt anregenden Abends setzte dann die Mezzosopranistin Katja Starke, die die Thekos mit dem Operntaler auszeichneten, der in diesem Jahr wie der Schauspieltaler erstmals mit 4.000 statt bisher 3.000 Euro dotiert war. Laudator Werner Dressler würdigte „den funkelnden Mezzo, den die 38-Jährige als Prinzessin Eboli in ,Don Carlos’ auf die Bühne brachte“. Starke, die seit 2015 dem Ensemble angehört, bedankte sich mit der Arie „O Don Fatale“ und sorgte mit ihrer wunderbaren Stimme für das künstlerische Glanzlicht des Abends. Eröffnet wurde der festliche Auftakt in diesem Jahr mit Wagner. Die wunderbar aufspielenden Bielefelder Philharmoniker unter der Leitung des prächtig aufgelegten Generalmusikdirektors Alexander Kalajdzic sowie die Solisten Nohad Becker, Yoshiaki Kimura, Hasti Molavian und Nienke Otten machten Lust auf „Das Rheingold“, das am 3. März 2018 Premiere hat. Wie in den vergangenen Jahren dominierte auch in diesem Jahr das Musiktheater den festlichen Auftakt. Daniel Pataky sang die Arie des Werther aus Massenets gleichnamiger Oper mit großer Ausdrucksstärke und Cornelie Isenbürger machte mit der Arie der Angelica aus Haydns „Orlando Paladino“ Lust auf „diese selten gespielte Oper, die wir wegen ihrer Lebendigkeit und musikalischen Vielfalt ins Programm genommen haben“, wie Operndirektorin Sabine Schweitzer betonte, die erneut charmant durch den Abend führte. Seinen Einstand als neuer erster Kapellmeister gab der aus Wien stammende Gregor Rot mit einem Septett und dem Vorspiel aus Emil Nikolaus von Rezniceks Oper „Benzin“ – „ein Kommentar zur Dieselkrise“, wie Intendant Michael Heicks zu scherzen beliebte. Eine ungewöhnliche Oper, die für sich einzunehmen wusste. Augenzwinkernd merkte Kalajdzic, dessen Mutter aus Wien stammte, zu dem Dirigat von Rot an: „Ich freue mich, dass die musikalischen Geschicke dieser Stadt nun in K.u.K.-Hand sind“. Schmunzeln in der Oetkerhalle, die ab 2018 vom Theater Bielefeld übernommen werden wird, wie Christiane Pfitzner, Vorsitzende der Thekos, in ihrer Rede betonte. „Eine sinnvolle Maßnahme.“ Sie warb ebenso wie Michael Heicks dafür, das Theater dabei zu unterstützen, aus der Oetkerhalle ein Konzerthaus für Bielefeld zu formen. „Mit insgesamt 3.000 Plätzen haben wir dann das größte Theater in NRW“, betonte Heicks, der auf ausreichende Unterstützung der Stadt hofft. Der Intendant wies zudem auf die Aktualität des Mottos der neuen Spielzeit – „Freiheit“ – hin. „Wir erleben doch gerade wieder, wie sehr die Freiheit in der Türkei, in Russland, in China und vielen anderen Ländern mit Füßen getreten wird und gerade auch Künstler drangsaliert werden. Dagegen setzen wir bewusst ein Zeichen.“ Das Ensemble Tanz Bielefeld, das fünf neue Mitglieder hat, setzte einen ersten Akzent für die neue Saison mit einer Szene aus Prokofjews „Romeo und Julia“, hinreißend getanzt von Inês Carijó und Tiemen Stemerding. Das Musiktheater warb mit einer Szene aus dem frechen Musical „Avenue Q“, das gestern Premiere feierte. Und das Schauspiel zeigte eine erste, beklemmende Szene aus Orwells „1984“. Mit dem Finale aus dem 3. Akt von Verdis „Otello“ ging der festliche Auftakt kraftvoll zu Ende. Starke Appetithäppchen aufs Feinste serviert. Wie sagte es Doreen Nixdorf so schön: „Durchbrechen wir die Mühlen der Effizienz und entdecken wir den Reichtum unserer Welt.“ Das Bielefelder Theater macht’s möglich.

realisiert durch evolver group