Ärger am Teuto: Thusnelda und Hermann (Lucie Mackert, Fabian Baumgarten) haben Beziehungsstress. - © Foto: Kai Uwe Oesterhelweg
Ärger am Teuto: Thusnelda und Hermann (Lucie Mackert, Fabian Baumgarten) haben Beziehungsstress. | © Foto: Kai Uwe Oesterhelweg

Kultur Hermann hadert mit seiner Heldenlast

Premiere in Gütersloh: In „Raushauen“, seinem ersten Theaterstück, rückt der aus Bielefeld stammende Autor Tilmann Rammstedt das traute Heim ins grelle Fernsehlicht und stellt Beziehungen infrage nicht nur zu dem berühmten Cherusker

Rolf Birkholz

Schön grün. Die Waldanmutung auf dem Streifenvorhang kann nur den Teutoburger Wald bedeuten. Da fühlt sich der Besucher im Studio des Theaters Gütersloh heimisch. Heimelig wird es vor diesem Hintergrund allerdings nicht. In „Raushauen“, seinem ersten Theaterstück, rückt der aus Bielefeld stammende Autor Tilmann Rammstedt das traute Heim ins grelle Fernsehlicht und stellt Beziehungen infrage, nicht nur zum ostwestfälisch-lippischen Regionalhelden mit einst nationaler Ausstrahlung, zu Hermann dem Cherusker. Bei der 90 Minuten durchgespielten, ausverkauften Uraufführung des von Theaterleiter Christian Schäfer aufmerksam, mit Blick für sprechende Gegensätze inszenierten Auftragsstücks, lässt das Publikum immer wieder spüren, sich recht gut unterhalten zu fühlen. Dazu tragen Fabian Baumgarten und Lucie Mackert als Gegensatzpaar Hermann und Thusnelda entscheidend bei. Sie wissen Rammstedts Alltagsheldenpaarkomik wirksam rüberzubringen: Hermann, leicht desinteressiert, in grauer Jogging-Uniform und mit Kalorienverbrauchsmesser ausgestattet, die Gattin in einem dünnen hellen Hosenkleid-Etwas, mit Hochfrisur und höchst konzentriert. (Kostüme: Schäfer, Ann Sun Barthold-Torpai).Sein Schwert aus der Varus-Schlacht bieten sie für 999 Euro an So gar nicht über die Resterampe des TV-Verkaufskanals bringt das einmal prominente Pleite-Paar indes die Erinnerungsstücke aus Hermanns Heroenphase. Sein Schwert aus der Varus-Schlacht bieten die beiden für 999 Euro an, geschenkt, denn: „Es gibt nur drei Exemplare von diesem Original-Schwert“. Raus aus dem längst der Bank gehörenden Haus müssen auch zig Dosen „Cherusker-Schmaus“ von Dr. Oe., dazu „Hermann-Bier“ („Für den Helden in dir“) und Ebenholz-Thusneldas. Als sie auf die getrockneten Legionärsfinger hinweist, versucht er gerade ihre ekelig alte Siegesliebeslocke von der Hand zu schütteln. Dabei ist es nur eine von vielen nachgewachsenen. Und niemand ruft an. Der passend zur Waldumgebung auf einem Prominentenhochsitz (Bühne: Schäfer) platzierte Gitarrist Kim Efert muss Leerlauf untermalen, der bald, nachdem „Denkmalpflege“-Creme zur Kriegsbemalung geworden ist, zu Streit und Rauferei führt, zum Ehe-Ausverkauf. Hermann hadert mit seiner zweitausendjährigen Heldenlast, sinniert über Menschentat und Heldensein. Während er zumindest eine Umbenennung etwa in „Hans-Dieter-Denkmal“ fordert, wandelt sich Thusnelda zur Tussi und macht mit einem Hermann aus Pappe auf dem Sofa herum. Der Typ ist eben für vieles noch gut, auch für ein ansehnliches Stück Theater. Termine: 13. ,22. und 23. September sowie 6. und 7. Oktober, jeweils 19.30 Uhr. Karten: www.theater-gt.de

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