Zurück in Bielefeld: Autor Helge Timmerberg vor seiner Lesung in der Buchhandlung Thalia. - © Andreas Frücht
Zurück in Bielefeld: Autor Helge Timmerberg vor seiner Lesung in der Buchhandlung Thalia. | © Andreas Frücht

Kultur Autor Helge Timmerberg zu Besuch in Bielefeld

Lesung: Der Weltenbummler und Autor erzählte Anekdoten über seine Jugend in Bielefeld und Drogentrips in Indien

Lasse Lassen

Bielefeld. „Eigentlich weiß ich gar nicht, wieso Leute zu Lesungen gehen. Ich würde sowas nicht machen, ich kann ja selber lesen", sagt Helge Timmerberg, Reisebuchautor, Gonzo-Journalist und Bielefelder Original am Mittwochabend bei der Vorstellung seines neuen Buches „Die rote Olivetti. Mein ziemlich wildes Leben zwischen Bielefeld, Havanna und dem Himalaja" in der Buchhandlung Thalia. Er selbst erzähle eigentlich viel besser als er schreibe, attestiert sich der Weltenbummler mit den langen Haaren und dem grünen Seidenschal. So ist es kein Wunder, dass das neue Buch, quasi Timmerbergs Autobiographie, erst nach einer guten halben Stunde zum ersten Mal aufgeschlagen wird. Davor erzählt er über seine Sturm-und-Drang-Jahre in Bielefeld, seinen ersten Joint auf der Klassenfahrt nach Amsterdam und seinen trostlosen Stempeluhren-Job Ende der 60er-Jahre. „Die wollten da immer, dass ich mir die Haare schneide. Aber bei den alten Germanen, da hatten freie Männer immer lange Haare", erzählt Timmerberg, um dann verschmitzt anzufügen, dass er sich nach mehrmaliger Aufforderung dann schließlich eine Glatze rasiert hätte und gefeuert wurde. LSD-Trip in London Danach folgen Geschichten über Timmerbergs erste Reise nach Indien, wo ihm eine innere Stimme davon überzeugt hätte Journalist zu werden, von einem LSD-Trip in London in der selben Nacht als Jimi Hendrix dort starb und der Überzeugung, dass der „Beethoven der E-Gitarre" in ihm weiterlebe. Schließlich entschließt sich Timmerberg das Buch doch einmal aufzuschlagen („Nicht, dass hier wer sein Geld zurückmöchte") und erzählt von dem Versuch, im Bielefeld der 70er-Jahre, ein vegetarisches Restaurant aufzumachen und dabei zugleich seinen Vermieter, einen stattbekannten Zuhälter, und das Ordnungsamt, den „Todfeind des Bruttosozialprodukts" auszutricksen. „Wir wollen Havanna", ruft eine Dame in der ersten Reihe, deren Wunsch Timmerberg wenig später erfüllt. Nun springt er 20 Jahre und einige Kapitel vorwärts ins Havanna der 90er, berichtet von seinem Aufenthalt im Hotel Riviera, jener „Mixtur aus Miami und Cote d’Azur, erbaut vom jüdisch-amerikanischen Mafiapaten Meyer Lansky" und der Bar „Floridita", wo Hemingway seinerzeit 18 Daiquiris am Tag runterspülte. Mit Reisebüchern auf Erfolgskurs „Ich nehme da lieber das Fruchtsaftgetränk auf Rum-Basis, den Mojito" scherzt Timmerberg, der seinen Havanna-Aufenthalt damals vor allem mit Artikeln für die Bunte finanzierte, um dann „mit Klatschblatthonoraren den Kommunismus zu unterstützen". Heute würde er nicht mehr nach Kuba reisen, erzählt er am Rande der Veranstaltung. „Da verändert sich im Moment zu viel und ich will es lieber in guter Erinnerung behalten." Mit seinen Reisebüchern bleibt der Bielefelder Weltenbummler auf Erfolgskurs, sein jüngstes Werk landete gleich auf Platz 10 der Spiegel-Bestsellerliste. „Wenn man mein Leben verfilmen würde, dann sollte Jeff Bridges mich spielen, der sieht mir immer ähnlicher", sagt der 64-Jährige, „oder Klaus Kinski, aber den gibt’s ja leider nicht mehr."

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