Hollywood-Legende Dustin Hoffman - hier ein Bild ohne Vollbart. - © picture alliance / dpa
Hollywood-Legende Dustin Hoffman - hier ein Bild ohne Vollbart. | © picture alliance / dpa

Kultur Interview mit Dustin Hoffman zu "Kung Fu Panda 3"

"Die Lust am Leben wird stärker"

Ulrich Lössl

Bielefeld. Dustin Hoffman (78) ist etwas erkältet und lutscht während des Interviews Hustenbonbons. Dennoch sprüht er vor Energie. „Die Lust am Leben wird bei mir im Alter noch stärker", sagt der Hollywoodstar, der im Original des Animationsfilms „Kung Fu Panda 3" wieder den Zen-Meister Shifu spricht. Mister Hoffman, Shifu, dem Sie im Original der "Kung Fu Panda"-Filme Ihre Stimme leihen, ist ein Meister des Wissens. Interessieren Sie sich auch privat für fernöstliche Philosophie? Praktizieren Sie Yoga oder gar Kung Fu? Dustin Hoffman: (lacht) Für Kung Fu bin ich wohl schon etwas zu alt, und leider mache ich auch kein Yoga. Meine Frau hat vor einiger Zeit mit dem Meditieren begonnen und will es mir jetzt auch beibringen. Ich bin sehr gespannt, ob das etwas für mich ist. Sie haben in den letzten 50 Jahren viele unterschiedliche Charaktere dargestellt. Hat Ihnen die Schauspielerei dabei geholfen, Ihr eigenes Leben besser zu verstehen? Hoffman: Das ist eine gute Frage. Und meine Antwort ist: Ja, auf jeden Fall! Ich habe oft sogar mehr von den Film-Figuren gelernt, als von real existierenden Menschen. Das lag sicher daran, dass ich mich immer mit Haut und Haar auf diese Filmcharaktere eingelassen und eine Zeit lang nicht mit, sondern in ihnen gelebt habe. Das war eine große Schule des Lebens. Erinnern Sie sich noch, warum Sie Schauspieler wurden? Hoffman: Sicher, das war Mitte der 60er Jahre. Die meisten meiner Bekannten dachten damals, ich würde Schauspielunterricht nehmen, um mich vor der Einberufung in den Vietnamkrieg zu drücken. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit habe ich es gemacht, um besser an Mädchen heranzukommen. In einem früheren Interview haben Sie mir mal gesagt, dass Sie so lange leben wollen, bis Sie sich ganz und gar selbst begreifen können. Damals waren Sie davon noch weit entfernt. Sind Sie sich inzwischen näher gekommen? Hoffman: (lacht) Ich fürchte nein. Ich lerne noch Neues über mich und die Welt dazu. Was haben Sie denn heute gelernt? Hoffman: Ich habe gelernt, dass ich keine Angst davor haben muss, zuzugeben, dass ich von etwas keine Ahnung habe. Ich habe gestern mit einem meiner Söhne zu Abend gegessen. Dabei haben wir uns über sehr persönliche Dinge unterhalten. Er hat mich in dem einen oder anderen Fall auch um Rat gefragt. Heute Morgen habe ich das Gespräch noch einmal Revue passieren lassen und meiner Frau davon erzählt. Und sie gefragt, ob es das Richtige war, was ihm geraten habe. Ich war da nämlich sehr im Zwiespalt. Und das passiert mir eigentlich oft, dass mein inneres Selbst mit meinem äußeren Selbst im Streit liegt. Wie meinen Sie das genau? Hoffman: Nichts wird so oft missinterpretiert oder falsch bewertet wie Äußerlichkeiten. Als ich mit der Schauspielerei begann, wurde man nach seiner Arbeit beurteilt. Nach dem, was man geleistet hatte. Heutzutage kommt es nur darauf an, irgendwie berühmt zu werden - ganz egal wie. Wenn man also Kinder großzuziehen hat, ist es eine große Herausforderung, ihnen die wahren und echten Werte zu vermitteln, auch wenn fast die ganze Welt um sie herum auf Oberflächlichkeiten abfährt. Bei Ihnen spürt man immer diese große Lust aufs Leben. Woher nehmen Sie die Kraft dazu? Hoffman: Auch das weiß ich nicht so genau. Was ich allerdings weiß, ist, dass ich oft sehr glücklich bin, dann wieder depressiv, dass ich mal himmelhochjauchzend, dann wieder zu Tode betrübt bin, dass ich die ganze Vielfalt des Lebens sehr intensiv und bewusst erlebe. Allerdings gibt es etwas, was ich nie war: gelangweilt. Und ich verstehe auch überhaupt nicht, wie man sich langweilen kann. Die Welt um uns herum ist doch so aufregend und anregend! Mir geht zum Beispiel das Herz auf, wenn ich erlebe, wie meine Enkel die Welt mit offenen Augen und dieser unbändigen kindlichen Neugier betrachten. Diese Lust am Leben wird bei mir im Alter sogar noch stärker. Sie sind seit über 35 Jahren verheiratet, haben Sie ein Erfolgrezept? Hoffmann: (lacht) Guten Sex! Abgesehen davon sind Lisa und ich seelenverwandt. Das hilft ungemein. Nein, ein Rezept gibt es nicht. Liebe - oder Ehe - ist eine Aufgabe, der man sich täglich stellen muss. Manchmal klappt es, sehr oft nicht. Ich weiß, wovon ich spreche. Meine erste Ehe ging ja in die Brüche. Sie sind ein weltberühmter Hollywoodstar. Gibt Ihnen das ein Gefühl von Freiheit oder fühlen Sie sich eingesperrt? Hoffman: Beides. Natürlich genieße ich als sogenannte "Berühmtheit" einige Freiheiten, aber ich kann mich dadurch auch oft nicht so ungezwungen bewegen, wie ich gerne wollte. Zurzeit habe ich einen Vollbart und finde das total toll. Denn das hat meine Anonymität schlagartig erhöht. Kaum jemand erkennt mich auf der Straße.

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