"Wege durch das Land" soll auch 2016 stattfinden. - © Literaturbüro
"Wege durch das Land" soll auch 2016 stattfinden. | © Literaturbüro

Kultur „Wege durch das Land“ macht 2016 weiter

Finanzdebakel: Manfred Böker, Vorsitzender des Literaturbüros, ist zurückgetreten

Stefan Brams

Detmold. Die Gesellschafter von „Wege durch das Land" (WddL) haben am Montag in Bielefeld erneut über die Zukunft des Literatur- und Musikfest beraten. Die gute Nachricht lautet, dass das von der Insolvenz bedrohte Festival nun doch in diesem Jahr über die Bühne gehen kann. In einer abgespeckten Form mit 19 Veranstaltungen an 17 Orten, wie es in einer Mitteilung der Gesellschafter heißt. Zahlreiche Künstler werden ganz oder teilweise auf ihre Gage verzichten. Die Sponsoren aus der Region halten zur Stange. Wie zu vernehmen ist, soll zudem alles ohne die für 2016 vom Land gesperrten Fördermittel in Höhe von 187.000 Euro gestemmt werden. „Gegebenenfalls wird das Programm bei einer Veränderung von Förderzusagen noch einmal angepasst", heißt es in der Mitteilung zudem. Organisieren sollen das Festival die verbliebenen Mitarbeiter. Eine neue künstlerische Leitung scheint demnach vorerst nicht vorgesehen zu sein. Nach der künstlerischen Leiterin, Brigitte Labs-Ehlert, die die nicht ordnungsgemäße Verwendung und Abrechnung von Landesmitteln zu verantworten hat, ist nun auch der Vorsitzende des Literaturbüros und der Gesellschafterversammlung von WddL, Manfred Böcker, zurückgetreten. Er habe Fehler bei der Aufsicht gemacht, erklärte der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete aus Augustdorf am Montag. Mit seinem Rückzug wolle er den Weg für einen Neuanfang frei machen, sagte der 75-Jährige, der das Literaturbüro mit aufgebaut und sich auch sehr für WddL engagiert hat. Böcker stand zuletzt stark in der Kritik, weil er in der Krise seinen Urlaub nicht unterbrochen und offenkundig das falsche Vorgehen der künstlerischen Leiterin gedeckt hatte. Die Gesellschafter wollen weiterhin
klagen Um solche Vorgänge künftig zu vermeiden, hat die Gesellschafterversammlung beschlossen, einen interimistischen kaufmännischen Geschäftsführer zu bestellen. Wie die WddL-Gesellschafter die Rückzahlung der 134.000 Euro bis zum 21. März an das Land bewältigen wollen, scheint hingegen noch offen. In der Pressemitteilung heißt es dazu lediglich: „Die Gesellschafterversammlung bekräftigt ihren Beschluss, Klage gegen den Rückforderungsbescheid des Landes einzureichen. Zugleich wird die ,Wege durch das Land gGmbH’ weiter das Gespräch mit dem Land suchen, um eine Perspektive für das Festival zu sichern." Es scheint, dass die Gesellschafter mit der fristwahrenden Klage versuchen, Zeit zu gewinnen, um Geld für die Rückzahlung bereitstellen zu können.

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