Das Literaturbüro OWL bekommt wegen falsch abgerechnete Fördergelder Probleme. - © dpa
Das Literaturbüro OWL bekommt wegen falsch abgerechnete Fördergelder Probleme. | © dpa

Detmold Land fordert Geld vom OWL-Kulturfestival "Wege durch das Land" zurück

Das renommierte Literaturbüro soll unsauber abgerechnet haben / Nun fordert das Land Fördergelder zurück

Stefan Brams

Detmold. Nobelpreisträger Günter Grass kam persönlich, um im vergangenen Jahr dem Literaturbüro OWL mit Sitz in Detmold zum 25. Geburtstag zu gratulieren. Und das renommierte Literatur- und Musikfest „Wege durch das Land" konnte 2015 erneut 10.000 Besucher verbuchen. Doch den beiden kulturellen Leuchtturmprojekten, die weit über die Region hinausstrahlen, droht das Aus.Das NRW-Kulturministerium fordert Fördergelder in Höhe von insgesamt 217.500 Euro zurück. Das geht aus einer Vorlage des Ministeriums hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Darin werden dem Literaturbüro und dem Festival „Wege durch das Land" (WddL) für die Jahre 2009 sowie 2010 bis 2012 „erhebliche Verstöße bei der Verwendung von Landesmitteln" vorgeworfen. WddL erhielt jährlich 187.000 Euro und das Literaturbüro 116.000 Euro vom Land. Vorgeworfen wird beiden Einrichtungen, dass die Gelder nicht gemäß der Vergabeordnung eingesetzt worden sind. „Das ist aber zwingend vorgeschrieben ab 100.000 Euro Fördersumme", hieß es dazu auf Nachfrage aus dem Kulturministerium.Verschärfend kommt hinzu, dass die Verantwortlichen die Beanstandungen in drei Gesprächen mit der Bezirksregierung Detmold nicht ausräumen konnten, so dass das Land nun 25 Prozent der gesamten Fördersumme zurückfordert. NRW lehnt es ab, beide Einrichtungen im Jahr 2016 erneut zu fördern, weil „weiterhin keine erhebliche Veränderung bei der Verwendung der Landesmittel erfolgt ist" und offenbar keine Vorkehrungen für die Rückzahlungen getroffen worden sind.„Wir haben keine Gelder zweckentfremdet" Brigitte Labs-Ehlert, die beide Einrichtungen leitet und aufgebaut hat, bestätigte auf Nachfrage die Vorwürfe, betonte aber: „Wir haben keine Gelder zweckentfremdet. Es geht lediglich darum, dass wir die bürokratisch komplexen Auftragsvergaben nicht ordentlich genug dokumentiert haben." Das sei ein Fehler gewesen, den man jetzt abgestellt habe. „Wir hoffen, dass wir in Gesprächen Lösungen finden, um das Geld zurückzahlen zu können und 2016 wieder Fördergelder zu erhalten."Bleibe die Förderung durch das Land aus, drohe womöglich die Insolvenz. „Aber wir werden mit unserer bekannten Beharrlichkeit dafür kämpfen, dass das nicht passiert." Ende Februar würden die Gesellschafter von WddL tagen, um nach Lösungen zu suchen. Seitens des Ministeriums heißt es dazu, dass man derzeit keine Chance für eine Förderung 2016 sehe. Man beobachte aber die weitere Entwicklung.Kommentar: "Neu aufstellen" Literatur- und Musikfest „Wege durch das Land" droht Insolvenz An den Vorwürfen gegenüber dem renommierten Literatur- und Musikfest „Wege durch das Land" sowie dem Literaturbüro OWL gibt es wenig zu deuteln. Wer die Begründungen in der Vorlage liest, kommt schnell zu der Erkenntnis, dass es nur einen Ausweg gibt: der Rückforderung von 25 Prozent der Fördergelder nachzukommen und die beiden Institutionen so schnell wie möglich so aufzustellen, dass sie sich nie wieder im bürokratischen Gestrüpp von Vergaberegeln und der Abrechnung von Fördergeldern verheddern.Denn ob es der so begabten, beharrlichen künstlerischen Leiterin von „Wege durch das Land" passt oder nicht: Auf diesen Teil des Geschäfts gilt es genauso viel Akribie zu verwenden wie auf das Einwerben von Fördermitteln und die sorgfältige künstlerische Ausgestaltung des Festivals des Literaturbüros. Auf die beiden letzten Dinge versteht sich Brigitte Labs-Ehlert hervorragend.Sie hat vor 25 Jahren das 
Literaturbüro aufgebaut und zu einem hoch angesehenen Ort der Literaturvermittlung in OWL gemacht. Dass sechs Literaturnobelpreisträger hier aufgetreten sind, ist ihrer sehr guten Vernetzung, ihrem großen Ansehen in der literarischen Szene und ihrer intensiven Arbeit zu verdanken.Und auch, dass das Literatur- und Musikfest „Wege durch das Land", das 1999 aus dem Literaturbüro heraus gegründet wurde, bundesweite Anziehungskraft erreicht hat, wäre ohne die beharrliche Arbeit und das Geschick der künstlerischen Leiterin nicht möglich gewesen.Damit wir uns nicht falsch verstehen: Diese Leistungen sind kein Freifahrtschein für einen nachlässigen Umgang mit Fördergeldern. Es zeigt aber, dass die künstlerisch Verantwortlichen sich angesichts äußerst kleinteiliger 
bürokratischer Vergaberegeln dringend im kaufmännischen Bereich professionalisieren müssen. Die Kunst der Zahlen gehört eben auch zum Handwerk.Für die nahe Zukunft wäre es gut, wenn die Region sich trotz dieser Verfehlungen aufmacht, beide Institutionen zu stützen, um eine Insolvenz abzuwenden. Diese Leuchttürme werden gebraucht. Kontakt zum Autor

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