Auf dem Weg nach Memphis: Jürgen Schildmann alias Greyhound George und Andy Grünert. - © Helga Schoening
Auf dem Weg nach Memphis: Jürgen Schildmann alias Greyhound George und Andy Grünert. | © Helga Schoening

Kultur Zwei Bielefelder spielen in Memphis um die Blues-Krone

Das ostwestfälische Duo Greyhound George und Andy Grünert vertritt Deutschland beim größten Blues-Wettbewerb der Welt

Thomas Klingebiel

Bielefeld. 120 Blues-Formationen aus der ganzen Welt reisen zum Finale nach Memphis, Tennessee. Mit ihrem Sieg bei vorausgegangenen nationalen Ausscheidungen erspielten sie sich die Fahrkarte zur Endrunde der 32. „International Blues Challenge" am Mississippi. Für Deutschland treten in der nächsten Woche in den USA zwei Bluesboys aus Bielefeld an: Greyhound George und Andy Grünert. „Der Puls steigt langsam", sagt Greyhound George alias Jürgen Schildmann. Der 54-jährige Sänger und Gitarrist erlebte in seiner Jugend Blues-legenden wie Big Joe Wiliams und Louisiana Red im Bunker Ulmenwall in Bielefeld. Seit vielen Jahren ist Schildmann selbst als musikalischer Blues-Botschafter unterwegs. Nur im Ursprungsland dieser Musik war er noch nie. „Diese Reise ist für jeden Blueser ein Traum. Memphis, Clarksdale, Greenwood – jede Stadt ein Song", sagt Schildmann, im Brotberuf Musikschullehrer. Schon die Teilnahme kommt einem Ritterschlag gleich Sein Duo-Partner ist Mundharmonika-Spieler Andy Grünert (52), seit vielen Jahren in der Region auch als Frontmann der „Alligator Blues Band" bekannt. Grünert war vor Jahren schon mal in den Staaten. „Westküste und New Orleans", sagt er. Auf die Beale Street und die vielen Musikerkollegen ist der Tischlermeister genauso gespannt wie Schildmann. Schon die Qualifikation für die Endrunde der International Blues Challenge war ein großer Gewinn. „Wir bekommen seitdem Konzertanfragen von überall her." Außer dem Bielefelder Duo erhielt beim Bluesfest in Eutin noch die Hamburger Band „Wellbad" die Lizenz für Memphis. Schildmann und Grünert nehmen den Wettbewerb sportlich. „Wir wollen mindestens ins Halbfinale, also unter die letzten 32 der Duo-Kategorie kommen", lautet das selbstgesetzte Ziel. Zu gewinnen gibt es Renommee, weltweite Bekanntheit und unbezahlbare Verbindungen. Hier ein Auftritt des Duos aus der Herforder Marienkirche: Die Endrunden-Teilnahme kommt einem Ritterschlag gleich. „Die Challenge ist wie eine riesige Messe, bei der die maßgeblichen Leute der Blueswelt zusammenkommen, Veranstalter, Plattenbosse, Journalisten. Wenn du gut bist, spricht sich das im Nu rum", sagt Schildmann. Wie weit das Bielefelder Duo nächste Woche in Tennessee kommen wird, hängt auch stark von der Gruppenauslosung ab. „Einige Teilnehmer sind sensationell gut, andere weniger. Mit wem man letztlich im direkten Vergleich steht, ist Glückssache", weiß Schildmann. Bis ins Finale der Endrunde in Memphis stießen vor ihnen erst zwei deutsche Teilnehmer vor. Georg Schroeter und Marc Breitenfelder sicherten sich 2011 gleich den Sieg in der „Solo/Duo"-Kategorie. Sie waren auch die ersten Europäer, die jemals die International Blues Challenge gewannen. Zwei Jahre später schaffte es der Rheda-Wiedenbrücker Musiker Michael van Merwyk mit seiner Kombo „Bluesoul" ins Finale. Sie landeten in der Band-Kategorie auf Platz zwei. Seitdem wirbt van Merwyck mit dem Titel „Blues-Vizeweltmeister" auf seiner Website. Am Montag fliegen Schildmann und Grünert nach Memphis. Am Mittwoch- und Donnerstagabend werden sie mit den anderen Acts ihrer Gruppe in einem der Musikclubs an der Beale Street vor einer fünfköpfigen Jury spielen, jeweils zweimal 25 Minuten. Diese Auftritte entscheiden über ihr Weiterkommen ins Halbfinale. Das Finale geht am Samstag im Orpheum Theatre, bekannt aus dem Johnny-Cash-Film „Walk the Line", über die Bühne. Das Duo geht gut vorbereitet ins Rennen. Ihr mehrstündiges Bühnenprogramm haben die Musiker auf fünf Songs reduziert. „Wir denken, dass wir jetzt ein Set haben, bei dem wir unser ganzes Spektrum zeigen können", sagt Grünert. Schildmann hat einige Songs umarrangiert. „Um nicht zu viel Zeit mit Umstimmen zu verlieren", erläutert er. Beim Bühnen-Outfit verließen sie sich auf den Rat der erfolgreichen Vorgänger. „Man sollte nicht so aussehen, als wenn man so jeden Tag rumläuft, hat man uns gesagt." Also wurde eine Shopping-Tour eingelegt. „Die Hüte sind noch gewöhnungsbedürftig", sagt Grünert. Von der Apfelstraße an den Mississippi „Little Red Rooster" von den Rolling Stones war einst für den Schüler Jürgen Schildmann der erste Blues-Impuls. Längst schreibt er eigene Songs, die er mit rauchiger Bassstimme vorträgt. Dazu begleitet er sich bevorzugt auf der Slide-Gitarre. Moderne Harmoniefolgen und rhythmische Anleihen bei Rock und Jazz machen Schildmanns Spielart „21st Century Blues" aus, wie er ihn nennt. Mit „Greyhound’s Blues", einer Art Erkennungslied, will das Duo in Memphis beginnen. Natürlich wird auch Schildmanns „Apple Street Boogie" erklingen, benannt nach der Apfelstraße im Bielefelder Stadtteil Schildesche, aus dem Schildmann stammt und wo er heute wieder wohnt. Ein Song mit hohem Bluesgehalt, findet der Sänger. „Lieder darüber, wo sie wegkommen, hatten doch alle großen Blueskünstler im Repertoire."

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