Das Westwerk der Abteikirche des Klosters Corvey ist ein UNESCO-Weltkulturerbe. - © Foto: Jonas Güttler/dpa
Das Westwerk der Abteikirche des Klosters Corvey ist ein UNESCO-Weltkulturerbe. | © Foto: Jonas Güttler/dpa

Kultur Rückblick: So war das Kulturjahr 2015 in Ostwestfalen-Lippe

Weltkulturerbe Corvey ist die größte Enttäuschung

Im Rückblick auf das Kulturjahr 2014 in OWL wurde an dieser Stelle angemerkt, dass das Oberzentrum Bielefeld in Sachen Kultur noch Luft nach oben habe – für das Jahr 2015. Leider müssen wir zum Ende dieses Jahres feststellen, dass sich weiterhin nicht viel getan hat.

Bielefeld hat zwar nach wie vor kulturell einiges zu bieten – wie die Kunsthalle, das 
Theater, eine breit aufgestellte freie Szene und 2017 kommt ein Stenner-Museum dank Mäzenatentum hinzu – macht aber als Kulturstadt, die es ja so gerne sein möchte, insgesamt zu wenig von sich reden in OWL, denn Bielefeld ist nicht innovativ genug, stattet die Kultur mit viel zu geringen Mitteln aus – gerade soll das Theater mal wieder skandalöse 600.000 Euro einsparen –, um ein kultureller Motor und Innovator in der Region zu sein.

Die Region selber ist zwar mit einigen überregionalen Projekten wie der OWL-Biennale, dem Literatur- und Musikfest des Literaturbüros sowie dem vom Gütersloher Kulturdezernenten Andreas Kimpel angetriebenen „Symphonic Project OWL" in den vergangenen Jahren Schritte nach vorne gegangen, hat aber auch noch deutlich Spielraum in Sachen gemeinsamer Kulturarbeit und -projekte in Zeiten immer enger werdender öffentlicher Förderung. Es wäre schön, gebe es einen Antreiber, einen Inspirator, der Vorhandenes und Neues in der Region voranbringen würde, so dass die Kultur in OWL viel mehr Ausstrahlung und Innovationskraft gewänne.

Die größte Enttäuschung des Jahres ist allerdings das Weltkulturerbe Corvey. Viel hatte sich nicht nur der Süden der Region von diesem Titel versprochen. Und was ist von dieser Hoffnung geblieben ein Jahr nach dessen Zuerkennung? Egoistisches Denken, unfruchtbarer Streit, kleinliches Gezerre von Kreis, Stadt, katholischer Kirche und Herzog statt konzentrierter gemeinsamer Arbeit zum Vorteil des Ganzen. All das wurde so weit getrieben, dass der Welterbestatus jetzt unter Sonderbeobachtung seitens der UNESCO steht und das Land schlichten soll. Ein verheerendes Bild, das die Verantwortlichen in Höxter abgeben. Die kulturelle Enttäuschung des Jahres.

Ein Vorgang, der einmal mehr zeigt, dass die Gartenzäune des Egoismus immer noch viel zu hoch sind – nicht nur im Kulturbetrieb. Es ist an der Zeit, mehr zu tun für die kulturelle Strahlkraft dieser Region, die nicht nur über eine starke Wirtschaftskraft verfügt, sondern auch kulturell viel zu bieten hat. Allein wir machen zu wenig draus, igeln uns zu sehr in unseren Dörfern, Gemeinden und Städten ein, statt Austausch und Kooperation zu suchen.

Für 2016 wäre eine kulturelle OWL-Offensive wünschenswert.

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