Die Ausstellung "Gute Aussichten" zeigt junge deutsche Fotografie. - © FOTO: RALF BITTNER
Die Ausstellung "Gute Aussichten" zeigt junge deutsche Fotografie. | © FOTO: RALF BITTNER

Ausstellung zum Fotopreis "Gute Aussichten" im Marta

Drei Bielefelder unter den Preisträgern

Herford. Die von Eduard Zent porträtierten Menschen scheinen in ihrer traditionellen Kleidung über dem schwarzen Hintergrund zu schweben, irgendwo zwischen Vermeers "Mädchen mit dem Perlohrgehänge" und den Porträts historischer Größen Hiroshi Sugimotos. Bezüge, die dem Fotografen erst bei der Arbeit aufgefallen sind. Ihm ging es dabei um das Verhältnis von Menschen verschiedener Kulturen zu Tradition und modernem Leben.

Zent ist einer von acht Nachwuchsfotografen, die von einer Jury aus 115 Vorschlägen aus 40 akademischen Fotoausbildungsstätten für die Ausstellung "Gute Aussichten – Junge deutsche Fotografie 2014 / 2015" ausgewählt wurden. Die wird am Sonntag eröffnet und ist bis zum 11. Januar in Herford zu sehen. Danach wird die Ausstellung in Hamburg, Washington DC, Tallinn, Koblenz und Mexico City gezeigt.

Zent, dessen Arbeit von Emmanuel Raab betreut wurde, ist einer von drei Absolventen der Fachhochschule Bielefeld in der Schau. "Es gibt dort viele Dozenten mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten, die uns motivieren und helfen, eigene Schwerpunkte zu setzen", sagt er.

Dementsprechend sieht die von Katharina Bosse begleitete Arbeit Andrea Grützners "Erbgericht" ganz anders aus. Das gleichnamige Traditionsgasthaus löst sich in Farben und Flächen förmlich auf. Farbige Blitze sorgen dafür, dass selbst Schatten Farbe zu atmen scheinen. "Ich musste lange probieren, bis ich die Technik im Griff hatte", sagt sie über ihre analog auf Diafilm fotografierte Arbeit. Die dritte Preisträgerin von der FH Bielefeld ist Katharina Fricke. Für ihre von Axel Grünewald betreute Arbeit "Ein Tag im Oktober. Oder November. Oder Dezember" dokumentierte sie 13 Wege durch Sennestadt, die die Einwohner jeden Tag gehen, ohne sie selbst noch wahrzunehmen. Monochrome Einförmigkeit durchzieht die Arbeit und ein Hauch von Melancholie.

"Kein fotografischer Ansatz verschwindet ganz", sagt Josefine Raab, die den Wettbewerb vor elf Jahren ins Leben rief und zur Jury gehört: "Es kommen neue Elemente dazu, zur dokumentarischen Fotografie tritt Subjektivität, streng konzeptionelle Arbeiten stehen neben aus der Reportage entlehnten." In anderen Ländern seien Themen und Formen der Fotografie stärker der Tradition verhaftet. So gibt die Ausstellung bei aller Unterschiedlichkeit einen guten Überblick über die junge Fotografie in Deutschland.

Marvin Hüttermann (Fotoakademie-Köln) fand in seiner Arbeit "Es ist so nicht gewesen" poetisch-eindringliche Bilder um Tod und die Frage, was danach mit der Wohnung und im Krematorium passiert. Für ihren Film "Ein Bild abgeben" dokumentierte Stefanie Schroeder (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) acht Jahre ihre Nebenjobs. "Was ist eine Sekunde, wenn neben ihr die Welt steht?" heißt die Videoinstallation von Karolin Backs (Hochschule für Gestaltung Offenbach), in deren Zentrum das Matterhorn steht. Jannis Schulze (Kunsthochschule Berlin-Weißensee) suchte die Spuren seines Vaters in der Karibik. Kolja Warnecke (Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg) folgte sechs Monate lang mit der Kamera dem Leben der einsamen Bea. Es entstanden Bilder, die eigentümlich zwischen Nähe und Distanz pendeln.

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