Erwin Grosche bei einer Lesung in Paderborn. Sein neues Buchprojekt heißt "Der alte Mann und sein Hund". - © Marc Köppelmann
Erwin Grosche bei einer Lesung in Paderborn. Sein neues Buchprojekt heißt "Der alte Mann und sein Hund". | © Marc Köppelmann

Paderborn Kabarettist Erwin Grosche im OWL-Profil

Porträt: Der Autor isst die vergessenen Pausenbrote seiner Tochter auf und spaziert gern mit Gästen durch die Paderborner Innenstadt

Ulf Hanke

Der alte Mann und sein Hund: So heißt das aktuelle Buchprojekt von Erwin Grosche nach seinem letzten Buch „Wie ich mit Gott eine Matratze kaufte". Grosche ist in Berge bei Anröchte aufgewachsen und in Paderborn zu Hause. Dort spaziert der Kleinkünstler mit 44 Jahren Bühnenerfahrung sommers mit Gästen durch die Stadt (im Juni und Juli wieder) oder mit Hund Malik durch die Landschaft. Manchmal nimmt er ein Diktiergerät mit, um Geistesblitze festzuhalten. Das führt jedoch dazu, erzählt Grosche am Telefon, dass er nachher meist einen alten Mann schwer atmen hört. In diesem Moment muss man sich Grosches Gesicht in Großaufnahme vorstellen, wie er kulleräugig die Stirn runzelt und in die Kamera blickt. So funktioniert seine unnachahmliche Komik. Grosche ist am 19. Februar solo in Werdohl und am 25. Februar mit Tochter Lisa („Strumpf ist futsch") in der Paderborner Paderhalle zu sehen. Grosches Antworten auf die Fragen in unserem OWL-Profil: Zuhause Stippgrütze, Pickert oder Pumpernickel? Wir wachsen in meiner Heimatstadt auch mit anderen Köstlichkeiten auf. Entgegen vielen Vorurteilen schaut der Ostwestfale gerne über den Tellerrand. Ich könnte also schwärmen von Weyhers Bratkartoffeln, Giovannis Salmone Pizza oder Plückebaums Tortenauswahl, aber begnüge mich gerne auch mal mit einem Pumpernickelspieß, auf dem Käsewürfel und Weintraube thronen. Hermann, Wilhelm oder Libori? Wer sich für Krieg oder Frieden entscheiden darf, wird den Frieden nehmen. Wir genießen hier den Frieden vom Liborifest und nach einer Woche ist sowieso alles vorbei. Handball, Fußball oder Reiten? Gilt Reiten als Sport? Sitzt da nicht jemand auf einem Pferd und lässt sich tragen? Ich war ein sehr zarter Abwehrspieler und mein Hund heißt nach einem polnischen Fußballer. Wer gut verlieren will, sollte mich in seine Mannschaft wählen. Hund oder Katze? „Katze" ist was für Mädchen. Wo kommen Sie weg? Meine Mutter hatte mir mal gebeichtet, dass sie mich gefunden hat. So komme ich wahrscheinlich von IKEA aus dem Kinderparadies. Was sollte Gästen in OWL unbedingt gezeigt werden? Meine Stadtspaziergänge durch Paderborn sind sehr beliebt. Ich gebe dabei meinen Gästen einen kleinen Eindruck von der Liebenswürdigkeit der Paderstädter. Pömpel, Pölter oder Pillepoppen – in den OWL-Wortschatz gehört auch: Was wäre die Welt ohne ein Hasenbütterken? Ich freue mich immer, wenn meine Tochter aus der Schule kommt und wieder ihr Pausenbrot auspackt. Nichts schmeckt so gut wie ein Hasenbütterken, das tagsüber in der Schule war und nun Englisch sprechen kann. Der prominenteste Mensch in OWL heißt ... Herr Linnemann von der Buchhandlung Linnemann. Er ist einer der beliebtesten und ungewöhnlichsten Menschen der Welt. Da kann ihm nur noch seine Frau das Wasser reichen. Dieser OWLer sollte unbedingt bekannter werden: Der Liedermacher Matthias Lüke macht mit seinen Liedern wieder jung und zerbrechlich. Er singt eigentlich nur von der Liebe, aber auf eine sehr moderne, glaubwürdige Weise. Natürlich muss man an dieser Stelle auch auf Willi Hagemeier hinweisen, der zu den wandlungsfähigsten Menschendarstellern gehört, die wir haben (und wer den Kabarettisten und Erfinder Stani noch immer nicht kennt, ist selbst schuld). Persönlich Wann haben Sie sich zuletzt riesig gefreut? Ich habe mich gefreut, als meine Tochter im Badezimmer gesungen hat und nachher die Dusche sauber war. Wann haben Sie zuletzt geweint? Dicke Schneeflocken tanzten vom Himmel und mir kam der „Schneeflockentanz" von Christof Stählin in den Sinn. Ich legte die LP auf und lauschte dem Lied. Da war mir fast so, als hätte ich weinen müssen, aber irgendwie war ich dann doch zu glücklich. Unerbittlich sind Sie, wenn ... wenn ich den Bürgersteig von Schnee und Eis befreien muss. Ich spüre dann in mir eine Kälte, die mich selbst erzittern lässt. Was verzeihen Sie anderen sofort? Gutmütigkeit, Schüchternheit und Sanftmut. Mit wem müssen Sie noch einen Sack Salz essen? Kann man nicht einfach nach einer Abkühlzeit mit Kuchen vor der Tür stehen? Ihr bisher unentdecktes Talent? Ich kann auf Grund von Wolkenformen eine Geschichte entdecken. Ihr heimlicher Fehler? Gutmütigkeit, Schüchternheit und Sanftmut. Ihre Lieblingsfarbe? Meine Lieblingsfarbe ist im Augenblick braun, kann aber auch sein, dass sie bald schwarz aussehen wird. Gilt „schwarz" inzwischen wieder als Farbe? Was mögen Sie an OWL am liebsten? Der Verliebte liebt alles an seinem Gegenüber. Er mag die Schwächen und Stärken, die Tugenden und die Fehler. Was lieben Sie an Ihrem Beruf besonders? Man verliert sich beim Bücherschreiben und taumelt durch die Sätze. Wenn man zurück findet, hat man mehr erlebt, als wäre man in Urlaub gefahren. Was nervt Sie an Ihrem Beruf manchmal? Das man damit Geld verdienen muss. Vertraulich Unter der Dusche ... ... denke ich oft daran, dass ich die Dusche nach dem Duschen wieder sauber machen muss. Trotzdem gehe ich sehr gründlich zur Sache. Auf Ihrem Nachttisch liegt? ... wieder ein Buch von Fasil Iskander „Sandro von Tschegem", danach werde ich etwas von John Fante lesen. Bücher von Robert Walser sollten überall in der Wohnung verteilt sein. Wenn Sie noch einmal 16 wären ... würde ich Hugo Kükelhaus in Soest besuchen. Wofür sonst noch außer Geld ist in Ihrer Geldbörse Platz?
... (Da ich Geldbörsen immer verliere, horte ich lieber mein Geld locker in der Hosentasche.) Sinn des Lebens Haus bauen, Apfelbäumchen pflanzen oder Kind zeugen? Wenn das alles getan ist, kann man sich endlich wieder dem Unsinn widmen. Wenn morgen die Welt untergehen würde, ... ... wäre ich nicht erstaunt und eher erleichtert. Was ist auf Ihrer To-do-Liste noch nicht abgehakt? Ich muss noch meine aktuellen Unterlagen zu meinem Steuerberater bringen, sonst geht da nichts weiter: Alle Räder bleiben stehen und wichtige Kapazitäten werden blockiert. Später kümmere ich mich wieder um die Rettung der Brotkultur. Was nehmen Sie überall mit hin? Immer sollte mein Kumpel, der Hund Milik, bei mir sein. Ihr letzter Wille? Schaut Euch gemeinsam den Film „Cartouche, der Bandit" (1962) mit Jean Paul Belmondo an und lebt danach. Die Rettung der Welt beginnt ... mit einem Lachen.

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