Munter: Im Verlauf der Diskussion gingen die Kandidatin und die Kandidaten für das Bürgermeisteramt, Frank Jaksties (v. l.), Regina Schlüter-Ruff und Thomas Meyer durchaus aufeinander ein. Moderator Ekkehard Wind (r.) gab die Themen vor und hielt die Diskussion in Trab. Zum Schluss appellierte er an die Zuhörer: "Nutzen Sie Ihr Wahlrecht - gehen Sie wählen." - © Andreas Sundermeier
Munter: Im Verlauf der Diskussion gingen die Kandidatin und die Kandidaten für das Bürgermeisteramt, Frank Jaksties (v. l.), Regina Schlüter-Ruff und Thomas Meyer durchaus aufeinander ein. Moderator Ekkehard Wind (r.) gab die Themen vor und hielt die Diskussion in Trab. Zum Schluss appellierte er an die Zuhörer: "Nutzen Sie Ihr Wahlrecht - gehen Sie wählen." | © Andreas Sundermeier

Enger Bürgermeisterwahl: Großer Bahnhof für die Kandidaten

NW-Podiumsdiskussion: Bewerberin und Bewerber ums Bürgermeisteramt stellen sich im Kleinbahnhof den Fragen

Andreas Sundermeier

Enger. Launig war die Vorstellung der drei Kandidaten. Spontan erklärte Thomas Meyer im Satzergänzungsspiel, dass ein Bürgermeister zu 70 Prozent Manager sein müsse, Regina Schlüter-Ruff hätte als Dienstwagen gern "irgendwas mit Elektroantrieb" und Frank Jaksties würde dem amtierenden Bürgermeister zum Abschied nur einen "warmen Händedruck" schenken. Die Neue Westfälische hatte die Kandidatin und die beiden Kandidaten ums Bürgermeisteramt in Enger zur Podiumsdiskussion eingeladen. Und nicht nur sie, sondern auch 190 Gäste kamen ins Kleinbahnmuseum. Und die lernten die Kandidaten dort besser kennen. Denn: Der lockeren Vorstellungsrunde folgten die konkreten Fragen des NW-Lokalchefs Ekkehard Wind - darunter Fragen, die Leser zuvor der Redaktion zugeschickt hatten. Und da stellte sich tatsächlich der ein oder andere Unterschied heraus. Innenstadtentwicklung Thomas Meyer (SPD) will die Leerstände über gemeinschaftliche Arbeit und die Mithilfe eines kompetenten hauptamtlichen Koordinators beseitigen. Enger zeichne sich durch eine hervorragend funktionierende Kulturarbeit aus. Die gelte es zu vermarkten. Regina Schlüter-Ruff (Die Grünen) fragte angesichts der 30 Leerstände: "Wem gehört die Stadt?" Über Foren und Gesprächsrunden will sie die Bürger und die Hauseigentümer mit in die Beseitigung der Misere einbinden. Frank Jaksties (CDU) will die leeren Geschäfte zunächst mit Kultur füllen. Zudem weist er noch auf die Chance der Achse Spenger Straße - Innenstadt hin, die mit dem Bau des Heckewerth-Centers entstehen könne. Haushaltsmisere Wie die Kandidaten den 60 Millionen Euro Schulden, 3.000 pro Einwohner, begegnen wollen, fragt Ekkehard Wind. Die Antworten bleiben recht unkonkret. Regina Schlüter-Ruff betont, dass der Haushaltsausgleich - die Einnahmen decken die Ausgaben - bis 2019 hergestellt sein muss. Frank Jak-sties erklärt, dass es gilt, Gewerbe anzusiedeln, um Mehreinnahmen zu generieren. Zudem will er die interkommunale Zusammenarbeit intensivieren. Thomas Meyer will auf jeden Fall die Infrastruktur erhalten. Er kritisiert die unzureichende Finanzausstattung der Kommunen durch Bund und Land. Was denn auf einer möglichen Streichliste stehe, fragt Ekkehard Wind; Hallenbad, Bücherei, oder Musikschule? Alle erklären, genau daran festhalten zu wollen. Als Meyer fragt, wo und wie Jaksties denn sonst sparen will, erklärt der: "Ich werde weder die Musikschule schließen noch einen Kunstrasenplatz umpflügen." Flüchtlinge Regina Schlüter-Ruff hat sich jüngst ein Flüchtlingswohnheim angesehen. "So möchten wir alle nicht leben. Es gibt nur das Nötigste. Ich habe gelernt, dass manchmal ein Jahr vergeht, bis überhaupt der Asylantrag gestellt werden kann. Das müssen wir ändern." Sie regt an, eine Koordinierungsstelle in der Stadtverwaltung zu schaffen. Frank Jaksties pocht bei der Flüchtlingsfrage auf die "christliche und humanitäre Verpflichtung". "Wir müssen alles dafür tun, dass es diesen Menschen halbwegs gut geht." Thomas Meyer sagt, dass es nicht zuerst darum gehe, "über Geld zu sprechen", sondern neben Kleidern und Verpflegung auch perspektivisch über das Thema Unterkunft. "Vielleicht in Zusammenarbeit mit B&S." Ekkehard Wind spricht die in Enger "funktionierende Willkommenskultur" an. Alle Kandidaten sehen darin auch eine Chance. Jaksties plädiert für Toleranz und distanziert sich von rechtsradikalen Einflüssen: "Ich habe keinen Bock auf so einen Müll wie in anderen Städten." Das Bürgermeisteramt Verlässlich sei er. Könne Menschen zusammenführen. Frank Jaksties erklärt, warum er für das Amt geeignet sei. Zudem habe er Führungs- und Fachkompetenz. Und er könne motivieren. Regina Schlüter-Ruff will als Bürgermeisterin den Dienstleistungsgedanken stärken. "Denn schließlich ist die Stadt für den Bürger da." Und die Frauenquote soll ihrer Meinung nach überprüft werden. Obwohl schon zwei der vier Amtsleiterstellen mit Frauen besetzt seien. "Und an der Chefstelle arbeite ich ..." Thomas Meyer weist auf seine Verwaltungskompetenz hin. "Und das Amt besteht zu einem großen Teil aus Behördenleitung." Er habe viel Erfahrung im Finanzbereich und im politischen Amt. Ekkehard Wind interessiert: "Warum gibt es eigentlich keinen gemeinsamen rot-grünen Kandidaten wie bei der Landratswahl?" "Es haben Gespräche im Vorfeld erst sehr kurz vor der Entscheidung stattgefunden", erklärt Schlüter-Ruff. Visionen Wie Enger im Jahr 2030 aussehen könnte, will der Moderator wissen. "Wir haben als einzige Stadt im Kreis Herford eine positive Perspektive bei der Bevölkerungszahl", erkennt Meyer. Um dem gerecht zu werden, müssten die Bereiche Sport, Schule und Kultur weiter in den Vordergrund gestellt werden. Gerade das Angebot für junge Familien sei wichtig. Schlüter-Ruff pocht auf die stetige und schnellere Entwicklung der Digitalisierung im Rathaus, das E-Government. Sie fordert die Ausrichtung an einem neuen Schulentwicklungsplan und eine "verstärkte Nah- und Elektromobilität, um die Ortsteile besser einzubinden." Jaksties hofft auf eine gute Entwicklung von "Finanzen, Innenstadt, Schule und eine gute Willkommenskultur". Und auf gute Angebote für junge Familien und ältere Menschen. "Enger muss liebens- und lebenswert bleiben." Bürgerbeteiligung Am Beispiel der Umgestaltung des Barmeierplatzes erklärt Regina Schlüter-Ruff: "Wir Grünen haben den so nicht mitbeschlossen. Da müssen wir noch mal ran." Frank Jaksties bekennt: "Davon hatte ich mir etwas anderes versprochen. Wir müssen nachbessern." Auch Thomas Meyer ist "mit dem Ergebnis gar nicht glücklich". Aber etwas anders sei für 70.000 Euro nicht drin gewesen. Moderator Ekkehard Wind wollte noch wissen, wie viel Bürgerbeteiligung denn eigentlich gewünscht sei. Schlüter-Ruff: "Es darf auch gern mehr Bürgerbeteiligung sein. Auch wenn?s wehtut." Jaksties verweist auf "ein vorhandenes gut funktionierendes System. Alle Ausschusssitzungen sind öffentlich." Und: "Manchmal schadet eine zusätzliche Bürgerinformationsveranstaltung nicht." Aber: "Das alles geht nur bis zu einem gewissen Grad."Stimmen zur Diskussion Wigbert Pieper: »Schön, dass es die Diskussion hier gegeben hat. Sie hat mir geholfen, mich für einen Kandidaten zu entscheiden.« Sonja Banze: »Es war spannend, wie unterschiedlich die Kandidaten argumentiert haben. So konnte ich mir ein Bild von ihrer Politik machen. « Jens Oberhaus: »Alle drei Kandidaten sind gut aufgetreten. Wichtig fand ich es auch, dass die Zuhörer Fragen stellen konnten. Das war gut gemacht.« Andrea Lohmeier: »Es gab hier viele klare Fragen und ab und an auch klare Antworten. Ich bin der Wahlentscheidung näher gekommen.« Jens Vinke: »Es hat Spaß gemacht hinzuhören. Die Veranstaltung war sehr konstruktiv und es gab einige Anregungen.«

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