Oliver Welke moderiert die "heute-show" im ZDF. - © ZDF und Sascha Baumann
Oliver Welke moderiert die "heute-show" im ZDF. | © ZDF und Sascha Baumann

Fernsehen "Heute-show" zeigt Osterhasen am Kreuz: Ein Grund zur Entschuldigung?

In der "heute-show" war ein ans Kreuz genagelter Plüsch-Osterhase zu sehen

Angela Wiese

Die Osterhasen-Satire in der "heute-show" beschäftigt das ZDF weiterhin. Hintergrund ist eine Programmbeschwerde des Christlichen Medienverbundes KEP. Sein Argument: In dem Beitrag werde ein zentraler Glaubensinhalt zur Lachnummer gemacht. ZDF-Intendant Thomas Bellut reagierte nun. Das reicht dem Medienverbund aber nicht. Der Beitrag in der am 6. April ausgestrahlten Sendung war eine Reaktion auf die zu Ostern geführte Debatte um sogenannte Traditionshasen. Weil Schoko-Osterhasen auf den Kassenzetteln einiger Supermärkte als Traditionshasen statt Osterhasen bezeichnet werden, witterten Rechtspopulisten damals einen Angriff auf christliche Werte. Die Bezeichnung ist allerdings seit Anfang der 90er-Jahre üblich, teilten Supermärkte daraufhin mit. In der "heute-show" sagte Moderator Oliver Welke augenzwinkernd: "In Teilen kann ich die Aufregung sogar verstehen. Schließlich ist der Osterhase die zentrale Figur der christlichen Mythologie." Dann waren unter anderem Bilder zu sehen, die einen an ein Kreuz genagelten Plüsch-Osterhasen und einen Plüsch-Osterhasen beim letzten Abendmahl zeigten. Der Christliche Medienverbund reagierte im April mit einer Programmbeschwerde. Darin heißt es unter anderem: "Der erniedrigende und entwürdigende Tod Jesu am Kreuz und die Auferstehung des Sohnes Gottes zur Erlösung der Menschen bilden den Kern des christlichen Glaubens aller Konfessionen. Der Beitrag der 'heute-show' macht somit den zentralen Glaubensinhalt des Christentums buchstäblich zur Lachnummer." Der Beitrag verstoße eklatant gegen den Programmgrundsatz, die religiösen Überzeugungen in der Bevölkerung zu achten und sie nicht herabzuwürdigen, heißt es in der Beschwerde weiter. ZDF-Intendant Thomas Bellut teilte nun mit, dass nach Auffassung des ZDF kein Verstoß gegen Programmrichtlinien vorlag. "Es war eine für mich nachvollziehbare Reaktion der 'heute-show' auf eine politische Äußerung der AfD. Ich habe mein Bedauern darüber ausgedrückt, dass bei einem kleinen Teil der Zuschauer religiöse Gefühle verletzt wurden", so Bellut. Der Beitrag sei von der Satire-Freiheit gedeckt. Osterhasen-Sketch aus der @heuteshow: Statement des #ZDF Intendanten Thomas Bellut zur Pressemitteilung des Christlichen Medienverbundes KEP. pic.twitter.com/m6bpJ9VhSH — ZDFpresse (@ZDFpresse) 8. Juni 2018 In der Reaktion gegenüber dem Medienverbund habe sich Bellut entschuldigt, teilte der Verbund KEP mit. Nach Angaben des Evangelischen Pressedienstes epd erklärte Bellut in dem Schreiben, die "heute-show" habe mit der Satire die „Instrumentalisierung christlich-abendländischer Werte durch die AfD zur Rechtfertigung islamfeindlicher Ressentiments" anprangern wollen. „Ich kann - jenseits dieser Einordnung, die mir wichtig ist - sehr gut nachvollziehen, wenn Sie sich über diese Art der Darstellung beschweren", heiße es in dem Brief weiter. Eine Herabwürdigung des christlichen Glaubens und seiner Symbole sei nicht beabsichtigt gewesen, schrieb Bellut an den Medienverbund: „Sollten Ihre religiösen Gefühle dennoch verletzt worden sein, bitte ich dies zu entschuldigen." Fernsehrat soll sich mit dem Thema befassen Dem Medienverbund reicht das nicht. Geschäftsführer Christoph Irion bedankt sich in einer Pressemitteilung des Medienverbundes zwar für die Entschuldigung, kritisiert aber zugleich, dass der "Intendant die Programmbeschwerde des Christlichen Medienverbundes KEP argumentativ nicht entkräftet habe." Der Medienverbund habe deshalb beantragt, dass der ZDF-Fernsehrat sich mit dem Thema befasst. Auf Twitter teilte der ZDF-Fernsehrat mit, dass zwei Beschwerden zu der Sendung der "heute-show" nach Beratung in einem Ausschuss dem Plenum des Fernsehrates am 5. Oktober vorgelegt werden. Der Plüschhasen-Beitrag der "heute-show" hatte zuvor bereits die Justiz beschäftigt - aber nur kurz. Nach der Ausstrahlung waren Anzeigen gegen den Moderator Oliver Welke bei der Staatsanwaltschaft Mainz eingegangen. Ein Ermittlungsverfahren wurde nicht eingeleitet. Der Beitrag verfolge nicht die Absicht, die Inhalte eines religiösen Bekenntnisses zu beschimpfen oder verächtlich zu machen, teilte die Staatsanwaltschaft damals mit.

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