Die "Dark Hedges" vor der großen Touristen-Flut im Winter 2016. - © Matthias Schwarzer
Die "Dark Hedges" vor der großen Touristen-Flut im Winter 2016. | © Matthias Schwarzer

TV & Film Massenansturm: Dreiste "Game of Thrones"-Fans gefährden uraltes Naturwunder

Die "Dark Hedges" sind fast 250 Jahre alt - und jetzt in ernsthafter Gefahr. Der Grund: Tausende "Game of Thrones"-Fans stürmen rücksichtslos die Straße und fahren alles kaputt.

Matthias Schwarzer

Belfast. Sie wurde 1775 gepflanzt - und ist jetzt, mehr als 200 Jahre später, in ernsthafter Gefahr: Die "Dark Hedges", eine imposante Buchenallee im nordirischen County Antrim, muss seit einigen Jahren einen Massenansturm von Touristen verkraften. Der Grund: Die markante Straße ist Drehort der Erfolgsserie "Game of Thrones" - und die Fans überrennen das uralte Naturwunder in Scharen. "Wenn das so weiter geht, wird es bald keine 'Dark Hedges' mehr geben", sagt Bob McCallion dem Belfast Telegraph. McCallion ist Teil einer Gruppe, die sich für den Erhalt der historischen Allee einsetzt. "Egal, wann man das Naturschauspiel besucht - es ist immer rammelvoll", so McCallion. Für die uralten Bäume sei das eine echte Gefahr. Das Interesse an der Allee wächst seit Jahren. In der Erfolgsserie "Game of Thrones" stellt die Straße die "Kings Road" dar. Arya Strak verlässt in einer Szene der zweiten Staffel als Junge verkleidet ihre Heimat Königsmund auf einer Pferdekutsche, die über die Straße fährt. Nur wenige Kilometer weiter befinden sich weitere Drehorte der Serie, wie zum Beispiel das Dunluce Castle - bei "Game of Thrones" als "Haus Graufreud" bekannt. Bei Fans der Serie hat sich das schnell herumgesprochen. Und nicht nur das: Ganze Reisebusse karren Touristen inzwischen zu den Drehorten der Erfolgsserie. Der Hype um die "Dark Hedges" hat inzwischen so große Ausmaße angenommen, dass die Lokalpolitik Ende Oktober ein Durchfahrtsverbot für die Straße durchsetzte. Wer sich nicht daran hält, muss mit Geldstrafen von bis zu 1.000 Pfund rechnen. Zumindest in der Theorie. Pictured: Drivers flout Dark Hedges road ban causing traffic chaoshttps://t.co/H8blISAfNfpic.twitter.com/xx9uWebyj3 — Belfast Telegraph (@BelTel) 29. Dezember 2017 Die Bilder im Tweet zeigen den Massenansturm der Touristen. Trotz Durchfahrverbot herrscht auf der Straße das absolute Verkehrschaos. In der Realität fühlt sich die Gruppe zum Erhalt der "Dark Hedges" von den Behörden ziemlich allein gelassen: Der Verkehr und der Massentourismus auf der historischen Straße haben nicht nachgelassen. Viele Autofahrer übersehen das Verbotschild einfach. Andere versuchen mitten auf der engen Straße umzudrehen - bei Gegenverkehr. Ein absolutes Verkehrschaos und kaputt gefahrene Straßenränder sind die Folge. Und dann gibt es noch Autofahrer, die versuchen, Spaziergänger aus dem Weg zu hupen, weil sie nicht schnell genug voran kommen. "So kann es nicht weitergehn", sagt Bob McCallion der Zeitung. Der Aktivist fordert ein härteres Durchsetzen der Gesetze und eine vernünftige Beschilderung, die Autofahrer zu Parkplätzen leitet. Laut Belfast Telegraph seien die Behörden inzwischen in Gesprächen. Wenn entsprechende Gesetze beschlossen würden, könnten Poller am Ende der Straße durchgesetzt werden. Closing the Dark Hedges to vehicle traffic - how soon is now? A national disgrace slowly killing a national treasure. @CausewayCouncilpic.twitter.com/2fJCs3y1UT — NI Greenways (@nigreenways) 17. April 2017 Die Bilder zeigen das Verkehrschaos vor dem Durchfahrtverbot im April 2017. Die "Dark Hedges" wurden seinerzeit von der Familie Stuart auf der Bregagh Road bis zum Eingang ihres Hauses angepflanzt. Rund 150 Bäume waren das damals - heute stehen viele davon nicht mehr. Zuletzte fegte im Januar 2016 ein heftiger Sturm über Nordirland, bei dem zwei Bäume umgestürzt wurden. Im selben Jahr stürzte ein morscher Ast auf die Straße.

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