Sandra Steinbach (Staatsanwältin Debois, v.l.), Sandra Maren Schneider (Mia Emmerich) und Devid Striesow (Hauptkommissar Jens Stellbrink) im Tatort "Mord Ex Machina". - © SR/Manuela Meyer
Sandra Steinbach (Staatsanwältin Debois, v.l.), Sandra Maren Schneider (Mia Emmerich) und Devid Striesow (Hauptkommissar Jens Stellbrink) im Tatort "Mord Ex Machina". | © SR/Manuela Meyer

TV & Film "Mord Ex Machina": Ein sehenswerter Tatort, aber das Ende ist Unsinn

Vorletzte Folge mit Kommissar Jens Stellbrink

Angela Wiese

Wer sammelt unsere Daten, wer verkauft sie wem, wie viel Fremdbestimmung lassen wir zu? Der Tatort "Mord Ex Machina" stellt Fragen, die sich ohnehin jeder stellen sollte. Die Folge aus Saarbrücken verzichtet dabei weitgehend auf digitale Weltuntergangsfantasien. Zum Glück. Doch es fehlt auch an Wumms. Und das Ende ist furchtbar. Sicher fahren bis der Hacker kommt Der Tatort spielt automobile Zukunftsmusik. Jemand setzt sich in ein Auto, die Technik sammelt umgehend Daten desjenigen ein, der auf dem Fahrersitz Platz genommen hat. Sensoren messen Blutzucker, Blutalkohol, Blutdruck und so weiter. Welche Musik der Fahrer gerne hört, weiß die Karre auch schon, das spart die lästige Sendersuche. Selbstverständlich übernimmt der Wagen auch das Fahren. Registrieren Sensoren des Autos ein Hindernis, bremst es natürlich ab. Alles sicher. Aber Achtung: Nur wenn die Technik des Wagens nicht kurz zuvor gehackt wurde. Der Tatort aus Saarbrücken stellt die richtigen Fragen. Wenn so ein Wagen, der auch in der Realität in einer nicht so fernen Zukunft auf den Markt kommen könnte, all die Informationen über den Fahrer auf einem Server speichert, was passiert mit diesen Daten? Werden sie verkauft, zum Beispiel an Versicherungen? Wie viel Macht hat der Kunde über die ihn anzapfende digitale Technik. Oder liegt die Macht allein bei denen, die diese Technik bedienen und steuern können? Kein dumm wirkender Kommissar Schon heute sammeln Fitnessarmbänder hochsensible Daten. Wissen wir, was mit ihnen passiert? Schon heute geben wir beim Onlineshopping oder in sozialen Netzwerken unzählige Informationen über uns preis, und ahnen zumindest bei der nächsten eingeblendeten Werbung im Browser, was mit diesen Daten passiert sein könnte. "Mord ex Machina" schafft es, diese Fragen zu stellen, ohne oberlehrerhaft düstere Prognosen über die digitale Zukunft zu stellen. Das ist schon früheren Tatorten misslungen. Die Folge aus Saarbrücken spart sich außerdem einen albern dumm wirkenden Kommissar, der mit jeder digitalen Neuerung direkt überfordert ist. Die Geschichte ist spannend, weil sie sich eben nicht nur um Zukunftstechnologie dreht, sondern auch um zwischenmenschliche Beziehungen. Damit schiebt die Folge den Mord dahin, wo er auch hingehört: zum Menschen und nicht zur Technik. Das furchtbare Ende "Mord Ex Machina" ist sehenswert, aber es fehlt der Wumms. Vielleicht weil der Tatort sich mit digitalen Themen regelmäßig verhebt. Die lassen sich in 90 Minuten auch schwer darstellen. Vielleicht auch, weil eigentlich nichts Außergewöhnliches passiert. Am Ende steht eine Beziehung zwischen vier Menschen, die an einer Stelle eskaliert ist. Für einen Krimi ist das nichts Ungewöhnliches. Erzählerisch ist die Geschichte einfach an den Stand der Technik angepasst. Man könnte es dabei belassen und sagen: Das war ein sehenswerter Tatort. Aber ach, das Ende gab es ja auch noch. Das Ende, als Kommissar Stellbrink (Devid Striesow), zu sehen in seinem vorletzten Tatort, ernsthaft sein Dating-Profil löscht und zum Stadtplan greift. Als ob er seine zukünftige Partnerin beim Wandern durch Straßen findet, die ihm natürlich nur ein ausgedruckter Stadtplan weisen kann. Er schmeißt auch sein Smartphone vom Balkon und greift zum alten Handy. Doch noch kurz oberlehrerhaft Das Ende des Tatorts ist deshalb so enttäuschend, weil der Schutz vor Sammelwut sicher nicht ist, auf digitale Technik zu verzichten. So wird digitale Entwicklung verteufelt, statt sie kritisch zu begleiten, wie es richtig wäre. An dieser Stelle wird der Tatort aus Saarbrücken also doch noch oberlehrerhaft. Zum Glück ist das Ende von "Mord Ex Machina" zu kurz, um den ganzen Film mit in den Abgrund zu reißen.

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