Gobi (li, Jürgen Vogel) und Mimi Kalkbrenner (re, Jeanette Hain) im Tatort "Der wüste Gobi". - © MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebau
Gobi (li, Jürgen Vogel) und Mimi Kalkbrenner (re, Jeanette Hain) im Tatort "Der wüste Gobi". | © MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebau

TV & Film Tatort aus Weimar: Wieder absurd, diesmal aber witzig und spannend

"Der wüste Gobi" mit Nora Tschirner und Christian Ulmen

Angela Wiese

Mit Absurditäten hatten es die Tatort-Kommissare Kira Dorn und Lessing schon häufiger zu tun. Auch "Der wüste Gobi" ist voller Unwahrscheinlichkeiten. Diesmal ist das Ergebnis aber gelungen. Zu Weihnachten gab es für Tatort-Zuschauer eine spannende und witzige Folge mit starker Besetzung.Spannend Dass der verurteilte Frauenmörder Gobi (Jürgen Vogel) aus der forensischen Psychiatrie ausbricht und direkt weiter mordet, könnte Stoff für einen Thriller sein. Nicht so im Tatort aus Weimar. Dort geht es eher fröhlich zu. Das merken auch Tatort-Einsteiger angesichts vieler kleiner Absurditäten, in LKA-Kaffekannen rotzender Polizisten und schneller Sprüche der Kommissare Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) schnell. Der Tatort aus Weimar ist in der Vergangenheit schon mal im Klamauk versunken. Diesmal nicht. In der großartig besetzten Folge "Der wüste Gobi" kommen schon zu Beginn Zweifel an der Schuld des Verturteilten auf. Stattdessen geraten der wirre Psychiater Prof. Eisler (Ernst Stötzner) und die vor Eifersucht stets bebende Mimi Kalkbrenner (Jeanette Hain) ins den Fokus des rätselhaften Krimis. Zugegeben, die Verstrickungen in dieser Geschichte sind unmöglich. Aber sie machen auch Spaß. Abgedreht Namen spielen traditionell eine große Rolle im Tatort aus Weimar, wie uns bereits Titel wie "Der treue Roy" oder "Der scheidende Schupo" lehrten. In "Der wüste Gobi" geht der Namen-Nonsens noch ein Stück weiter. Abgesehen von der Verbindung zur Wüste Gobi wird der eigentliche Name des gesuchten Mörders in diesem Tatort zum Running Gag. Für die Suche nach Gotthilf Bigamiluschvatokovtschvili wird die Soko "Bigadingsbums" eingerichtet, niemand kann den Namen des Täters aussprechen, alle kürzen ihn auf Gobi ab. Außer Lessing, der den Namen fehlerfrei aufsagen kann. Dass Gobi seine Geliebten mit selbst gestrickter Unterwäsche markiert, ist ebenso rätselhaft wie die Tatsache, dass Gobi bei Frauen so beliebt ist, dass er überhaupt so viel Strickunterwäsche anfertigen muss. Solche Absurditäten machen diesen Tatort so unterhaltsam. Der Humor bewegt sich stets hart an der Grenze, übertritt diese aber zum Glück nur an ganz wenigen Stellen ("Ich bin eingenickt, sie muss sich auf mich draufgesetzt haben"). ICD-10 F60.2 Sogar ein paar echte Fakten kann der Zuschauer in "Der wüste Gobi" finden. Die dissoziale Persönlichkeitsstörung, die von Lessing auch sehr gerne als F60.2 ICD-10 bezeichnet wird, gibt es tatsächlich. Die Diagnose findet sich in der "Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme", kurz ICD. Diese von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene Klassifikation von Krankheiten ist international anerkannt. Im Kapitel V sind Diagnosen für Verhaltensstörungen und psychische Störungen aufgelistet. Unter Punkt F60.2 wird die die Dissoziale Persönlichkeitsstörung beschrieben. Nach der Beschreibung ist charakteristisch für diese Störung eine Missachtung sozialer Verpflichtungen und ein "herzloses Unbeteiligtsein an Gefühlen für andere".

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