Das Ermittlerteam Frauke Schäfer (Susanne Bormann, links) und Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler, rechts). - © NDR/Marion von der Mehden
Das Ermittlerteam Frauke Schäfer (Susanne Bormann, links) und Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler, rechts). | © NDR/Marion von der Mehden

TV & Film Tatort "Der Fall Holdt": Charlotte Lindholm in der Krise

Angela Wiese

Zum 25. Mal hat Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) am Sonntag als Tatort-Kommissarin ermittelt. Zum Jubiläum gab es eine Krise für die LKA-Ermittlerin in Niedersachsen. "Der Fall Holdt" brachte Lindholm an ihre persönlichen Grenzen. Für den Zuschauer blieb dies trotzdem ein durchschnittlicher Tatort. Ausgangspunkt der gescheiterten Ermittlungen in der Folge aus Niedersachsen ist ein Übergriff auf die Kommissarin selbst. Charlotte Lindholm feiert ausgelassen mit ihrem Freund in einem Club, als sie mal eben auf die Toilette will. Die Schlange vor der WC-Tür ist der Kommissarin allerdings zu lang. Also erleichtert sie sich draußen auf einem Parkplatz zwischen zwei Autos. Der Zuschauer bekommt an dieser Stelle bereits ein Kontrastprogramm geboten: Die auf dem Parkplatz hockende Lindholm entspricht nicht dem Bild der sonst so kühl auftretenden Ermittlerin. Die Szene ist merkwürdig. Als Lindholm bemerkt, dass sie von drei Männern gesehen wird und einer von ihnen sie fotografiert, wird die TV-Kommissarin wieder so, wie Tatort-Fans sie kennen. Selbstbewusst und ohne Angst geht sie zu den Männern und fordert die Löschung des Fotos. Schließlich wird sie brutal zusammengeschlagen und bespuckt. Von da an geht es nun bergab für die Ermittlerin. Privates und berufliches Scheitern Charlotte Lindholm zeigt den Vorfall nicht an, spricht mit niemandem darüber und will sich sogar krankschreiben lassen. Der Satz "Was, krank? Sie sind doch nie krank!" ihres Chefs reicht aus, um sie dann doch zum Arbeiten zu bewegen. Die LKA-Ermittlerin kümmert sich um die Entführung einer Bankiersfrau. Während des gesamten Films sieht der Zuschauer eine Charlotte Lindholm, die er so nicht kennt. Sie hat starke Schmerzen, sie wirkt fahrig, durcheinander und macht Fehler. "Der Fall Holdt" zeigt das Scheitern in zwei Bereichen. Lindholm scheitert persönlich, weil es ihr nicht gelingt, mit dem Gewaltakt gegen sie umzugehen und rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Sie scheitert aber auch beruflich: Sie macht Fehler und fährt die Ermittlungen gegen die Wand. Der Fall, eine fiktive Geschichte, basierend auf mehreren realen Entführungsfällen, bleibt ungelöst. Für Krimi-Zuschauer ist dies stets das unbefriedigendste Ende eines Krimis. Trotz des großen Unglücks, das die beim Tatort-Zuschauer beliebte Kommissarin erlebt, und eines vielversprechenden, wenn auch nicht besonders originellen Falls, ist "Der Fall Holdt" nicht mitreißend. Der Tatort entwickelt keine echte Spannung und löst weniger Emotionen aus, als sich die Macher das im Hinblick auf Lindholms Geschichte wohl erhofft hatten. Charlotte Lindholm wirkt trotz ihrer Tränen, Schmerzen und Müdigkeit merkwürdig kühl. Für den 25. Fall der Kommissarin reicht es gerade einmal für einen durchschnittlichen Krimi.

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