Auch Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) kann sich der Anziehungskraft von Maria Voss (Nadeshda Brennicke) nicht entziehen. - © Radio Bremen/Michael Ihle
Auch Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) kann sich der Anziehungskraft von Maria Voss (Nadeshda Brennicke) nicht entziehen. | © Radio Bremen/Michael Ihle

TV & Film Tatort "Zurück ins Licht" aus Bremen: Richtig schön wahnsinnig

Hauptkommissare Lürsen und Stedefreund ermittelten

Angela Wiese

Ohne den Wahnsinn wäre der Tatort "Zurück ins Licht" wohl nur halb so schön und halb so spannend gewesen. Die Fälle der Bremer Ermittler Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) und Inga Lürsen (Sabine Postel) überzeugen zwar regelmäßig. Für diesen Fall aber war die abgedrehte Maria Voss entscheidend. Schon in den ersten Minuten, als das Opfer angesichts seines abgeschnittenen Daumens noch um Gnade fleht, ist Maria Voss zu sehen, die immer wieder "Zurück ins Licht" sagt. Es ist eine Freude, Schauspielerin Nadeshda Brennicke bei der Darstellung der Figur zuzuschauen. Maria Voss gibt sich nach außen erfolgsorientiert und selbstsicher, weist selbst die Kommissare zurecht ("Sie wollten auch mal mehr als das hier, oder?"). Sehr schön funktionieren dazwischen die Szenen, in denen Maria Voss ein bevorstehendes Vorstellungsgespräch übt. In einem dunklen Raum, vor einem kleinen Spiegel, bricht sie dabei immer wieder kurz zusammen. Stück für Stück erschließt sich dem Zuschauer: Das ganze Leben der Frau ist eine Lüge. Realistischer Fall um gepanschte Krebsmedikamente Der starke Auftritt von Nadeshda Brennicke als Maria Voss lässt den Fall in den Hintergrund treten. Der Mord an dem ehemaligen Chef eines Pharmahandels ist lediglich der Rahmen, in dem sich der Wahn der Maria Voss entfalten kann. Dabei ist der Hintergrund zum Fall ganz realistisch. Die Ermittler decken auf, dass unter Umständen minderwertige Medikamente an Menschen mit einer Krebserkrankung verkauft wurden. Ein ähnlicher Fall um einen unter Betrugsverdacht stehenden Apotheker aus Bottrop beschäftigt derzeit die Staatsanwaltschaft Essen. In mehr als 60.000 Fällen soll der Mann Krebsmedikamente gepanscht und verdünnt haben. Spannend für den Zuschauer sind auch die Merkwürdigkeiten, die sich um Maria Voss' Narzissmus ergeben. Dass ihr Ehemann ihr bis zum Schluss jede noch so durchsichtige Lüge abnimmt und sie schützen will, gehört zu diesen Merkwürdigkeiten. Etwas überfordert sucht man dann aber doch nach dem Grund, aus dem sich ausgerechnet Hauptkommissar Nils Stedefreund mit der Verdächtigen einlässt. Und warum hat das eigentlich kaum Folgen für den Ermittler? Naja, der Spannung hat es nicht geschadet. "Zurück ins Licht" ist ein spannender Kriminalfall, der einmal mehr bewiesen hat: Die Kommissare Lürsen und Stedefreund hab es auch nach über 30 Folgen noch drauf.

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