Tödlicher Virus: Fellner (Adele Neuhauser) und Eisner (Harald Krassnitzer) versuchen bei ihren Ermittlungen nicht mit Ebola infiziert zu werden. - © ARD/Hubert Mican
Tödlicher Virus: Fellner (Adele Neuhauser) und Eisner (Harald Krassnitzer) versuchen bei ihren Ermittlungen nicht mit Ebola infiziert zu werden. | © ARD/Hubert Mican

TV & Film Tatort aus Österreich: Gefährlicher als die Täter ist nur der Virus

Mit einem Tatort aus Wien beginnt die neue Krimi-Saison im Ersten

Fabian Herbst

Gewohnter Rahmen, aber ungewohnte Geschichte: Im Wiener Tatort "Virus" sind nicht die Täter das Gefährliche, sondern eine tödliche Krankheit. Der Krimi bedient sich an der Angst vor einem unheilbarem Virus, das mit bisher bekannten Medikamenten nicht bekämpft werden kann. Allerdings wirkt genau das wie ein Abklatsch von ähnlichen Filmen. Adele Neuhauser ist wieder in die Rolle der Bibi Fellner geschlüpft und verkörpert sie sehr unterhaltsam. Fellner kommt als starke und selbstbewusste Frau daher, die immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. Sie ist humorvoll und schlagfertig und beweist in der stark von Männern bestimmten Polizeiwelt Durchsetzungsvermögen. Die männliche Hauptrolle des Kommissaren-Duos nimmt  natürlich Moritz Eisner ein, der von Harald Krassnitzer gespielt wird. Eisner kommt im Gegensatz zu seiner Kollegin Fellner eher mürrisch und nüchtern rüber. Er ist mehr der sachliche Part in der Beziehung. Eisner ist der Chefkommissar der beiden Ermittler und gibt den Ton an. Als Duo wirken die beiden Kommissare sehr eingespielt. Die witzigen und teilweise auch banalen Dialoge, gepaart mit alltäglichen Nickligkeiten zwischen Eisner und Fellner, sind sehr humorvoll. Unheilschwangere Musik Der Tatort mit dem Titel "Virus" beginnt direkt geheimnisvoll. Regisseurin Barbara Eder findet mit einer unheilschwangeren Musik und kurzen, mysteriösen Filmsequenzen einen guten Einstieg in den Krimi und macht beim Zuschauer Lust auf mehr. Die beiden Ermittler Oberleutnant Moritz Eisner und Majorin Bibi Fellner erreichen den Tatort in einem Steinbruch in der Nähe des beschaulichen Pöllaus in der Steiermark. Dort finden sie die Leiche eines Mannes aus Afrika vor. Die Wiener Kommissare knöpfen sich zunächst den Betreiber des Steinbruches vor - Thomas Reuss (Martin Niedermair). Dieser weist jedoch jegliche Schuld von sich. Eisner und Fellner gehen der Sache weiter auf den Grund und statten dem nahegelegenen Flüchtlingsdorf einen Besuch ab. Das wird von Albert Reuss (Andreas Kiendl) betreut, dem Bruder von Thomas Reuss. Albert Reuss gibt sich auch unwissend und verweist auf seine guten Absichten und seine jahrelange karitative Hilfe in Westafrika. In der Zwischenzeit hat die Obduktion der Leiche ergeben, dass der Afrikaner durch einen heftigen Schlag am Kopf getötet wurde. Zudem ist der Tote mit einem tödlichen Virus infiziert - Ebola. Ebola-Virus als Racheakt Die Polizei ruft den Notstand in dem Dorf aus. In der Zwischenzeit wird die Spur nach dem Täter und seinem Motiv deutlicher. Der Tote war ein Arzt aus Westafrika, ein ehemaliger Kollege von Albert Reuss. Reuss hatte mit dem Arzt für einige Hilfsorganisationen gearbeitet. Nachdem Reuss dort seinen Job hingeschmissen und die Patienten im Stich gelassen hat, wollte sich der afrikanische Arzt bei Albert Reuss rächen und das Ebola-Virus nach Europa bringen. Als der Doktor Reuss einen überraschenden Besuch abstattet und Reuss von den Plänen seines ehemaligen Kollegen erfährt, kommt es zum Streit. Dabei fällt der Afrikaner mit seinem Kopf auf die Kante eines Möbelstücks und wird tödlich verletzt. Reuss wird dabei mit dem tödlichen Ebola-Virus angesteckt. Um das Virus nicht weiterzutragen, begeht Albert Reuss am Ende des Krimis Selbstmord und eine Verbreitung kann verhindert werden. Die Story wirkt nicht neu, aber dennoch anders Die Geschichte des Wiener Tatorts erinnert an einige Hollywood-Blockbuster, wie zum Beispiel "28 Days later" oder "I am Legend". In diesen Filmen wird die Menschheit von einem tödlichen Virus beziehungsweise durch die Nachwirkung einer Atombombe heimgesucht und muss ums Überleben kämpfen. Die Story des Krimis wirkt daher eher abgegriffen, weil bekannt. Das nimmt dem Film etwas den Reiz. Da es sich aber um Ebola handelt, wird der Zuschauer mit einer unwirklichen Realität konfrontiert. Ebola galt mal als eine ausgestorbene Krankheit. Vor einigen Jahren brach allerdings eine erneute Epidemie in Westafrika aus und forderte einige Tausend Leben. Unweigerlich fragt man sich: Kann so etwas tatsächlich passieren? Kann ich mich mit Ebola im nächsten Afrika-Urlaub anstecken? Diese durchaus realistische Bedrohung verleiht dem Krimi eine gewisse Spannung und Angst. Eder schafft es, den Spannungsbogen im Laufe des Films kontinuierlich zu steigern. Der Höhepunkt findet sich gegen Ende, als sich das Geschehen an zwei Schauorten abspielt. Einmal versucht Kommissar Eisner, den Täter ausfindig zu machen und das Motiv zu klären. Auf der anderen Seite kämpft Fellner dagegen an, sich aus der Gefangenschaft von Albert Reuss zu befreien und sich nicht mit dem Ebola-Virus anzustecken. Schwungvoller Krimi ohne Gänsehaut Das besondere an dem Österreich-Krimi ist das kongeniale Duo Eisner/Fellner. Mit ihren humorvollen Dialogen und ihrer knallharten kommissarischen Arbeit steht und fällt der Film. Auch die anderen Schauspieler wissen in ihren Rollen zu überzeugen. Thomas Reuss alias Martin Niedermair gibt sich als kühler, distanzierter und geheimnisvoller Geschäftsmann. Bei ihm vermutet der Zuschauer sofort falsche Absichten und ein erstes Motiv. Albert Reuss, gespielt von Andreas Kiendl, vermittelt das Image eines Saubermanns. Wohltätig, freundlich, weltoffen. Von ihm wird kein Verbrechen erwartet. Dort ist es den Verantwortlichen des Films gut gelungen, den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken. Des Weiteren besticht der Tatort "Virus" durch eine gute Kameraführung. Eder schafft es, die tolle Landschaft der Steiermark auf dem Bildschirm perfekt in Szene zu setzen. Im Großen und Ganzen überzeugt die Story aber nicht vollends und am Ende wirkt es doch wie schonmal da gewesen. Seinen Reiz bezieht der Wiener Tatort über die Tatsache, dass Ebola keine Fiktion, sondern Realität ist und auch wir Europäer damit in Berührung kommen können. Bereits ein einziger Infizierter kann genügen, um die Krankheit nach Europa zu bringen. Der Tatort "Virus" ist durchaus schwungvoll und weiß in einzelnen Sequenzen zu überzeugen, verleiht aber keine Gänsehaut.

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