Wirklichkeit, die wie Fiktion anmutet: Trump ist sein ganz eigener Dramaturg und besetzt am liebsten alle Hauptrollen selbst. - © picture alliance / dpa
Wirklichkeit, die wie Fiktion anmutet: Trump ist sein ganz eigener Dramaturg und besetzt am liebsten alle Hauptrollen selbst. | © picture alliance / dpa

TV & Film Trump vs. "House of Cards" - Wirklichkeit und Fiktion im Vergleich

Donald Trump scheint ein Präsident zu sein, wie ihn sich nicht einmal die Drehbuchautoren der US-Serie hätten ausdenken können

Washington (dpa). „House of Cards" ist eine der beliebtesten und erfolgreichsten Polit-Serien im Fernsehen überhaupt. Inzwischen heißt es oft, dass Donald Trump so überzeichnet und seine Entscheidungen so unvorstellbar wirken, dass sie die Fiktion schon lange überholt hätten. Stimmt das? - Ein Vergleich. Die Netflix-Produktion dreht sich nun bereits in der fünften Staffel um politische Intrigen und den Aufstieg des Ehepaars Frank und Claire Underwood bis ins Weiße Haus. Mit Donald und Melania Trump und der politischen Realität in den USA gibt es zwar Ähnlichkeiten. Aber große Unterschiede überwiegen. Die Unterschiede fangen damit an, dass Frank Underwood viel besser angezogen ist als Donald Trump: Er weiß im rechten Moment sein Jackett zu schließen und seine Krawatte so zu binden, dass sie auf Höhe der Gürtelmitte endet und ihm nicht bis aufs Knie herunter hängt. Dann wäre da natürlich noch Claire Underwood (gespielt von Robin Wright): strategisch wie eine Schachmeisterin, politisch abgebrüht und vollkommen rücksichtlos. Das sind bei allem guten Willen nicht gerade Eigenschaften, die man First Lady Melania Trump zuschreiben könnte. Die Serie ist vorhersehbarer als Trumps Wirklichkeit Ein weiterer Unterschied: „House of Cards" ist inzwischen deutlich vorhersehbarer als die Wirklichkeit, die Trump jeden Tag wahr werden lässt. Die Underwood-Geschichte ist eigentlich erzählt, wird aber trotzdem immer weiter fortgeschrieben. Das tut der Dramaturgie der Serie nicht gut. „House of Cards"-Hauptdarsteller sagten vor dem Staffelstart, Trump habe der Serie alle guten Ideen gestohlen. So unvorstellbar sind also Donald Trumps politische Entscheidungen, dass sogar die Erfinder eines Charakters wie Frank Underwood sprachlos sind. Trump hat das Tempo der Ereignisse auf eine unglaubliche Geschwindigkeit hochgetrieben.  Vermutlich gibt es nicht wenige Politiker und Journalisten in Europa, die morgens mit dem unguten Gefühl aufwachen: Was hat Trump jetzt bloß wieder getwittert? - „House of Cards" wirkt dagegen geradezu wie ein zähes Kammerspiel. Vor Trump kann niemand die Augen verschließen Der wohl größte Unterschied zwischen Serie und Wirklichkeit: „House of Cards" muss man nicht schauen. An der Realität der Trump-Ära aber kommt niemand vorbei. Die Wirklichkeit dieser Tage ist stärker als eine Serie. Ein US-Präsident, der in einem Konflikt mit dem nuklearen Arsenal seines Landes droht, ist dann doch noch etwas gruseliger als ein skrupelloser Schauspieler, der über Leichen geht. Die Underwoods inszenieren Politik. Bösartig beugen sie die Realität, wie es ihnen passt. Auch Trump nimmt es mit Wahrheit und Wirklichkeit nicht immer genau. Doch der reale Trump scheint im Vergleich zum fiktiven Frank Underwood die stärkere Übertreibung zu sein - schon fast wie eine Parodie des Präsidenten aus der Serie.

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