Schwer verletzt: Nicht nur Ivo Batics Gesundheit, auch seine Integrität stehen in diesem Tatort-Fall auf der Kippe. - © BR/X Filme/Hagen Keller
Schwer verletzt: Nicht nur Ivo Batics Gesundheit, auch seine Integrität stehen in diesem Tatort-Fall auf der Kippe. | © BR/X Filme/Hagen Keller

TV & Film Tatort aus München: Lohnt sich heute das Einschalten?

Das Ermittlerduo Ivo Batic und Franz Leitmayr steht am Abgrund

Anneke Quasdorf

München. Mit Fortsetzungen beim Tatort ist das so eine Sache. Denn die einzelnen Episoden liegen meist so weit auseinander, dass man sich kaum noch daran erinnern kann, was beim letzten Mal geschah. In diesem Fall aus München versucht sich der Bayerische Rundfunk trotzdem daran und führt "Die Wahrheit" zu Ende, der bereits im Oktober 2016 ausgestrahlt wurde. Der Fall erhielt damals viel Lob - gerade wegen seines offenen Endes. Jetzt gibt es doch noch eine Aufklärung. Die Vorgeschichte Ohne Grund wurde Familienvater Benjamin Schröder auf offener Straße vor den Augen seiner japanischen Ehefrau Ayumi und seines Sohnes Taro erstochen. Schon damals gerieten die Ermittler Batic und Leitmayr bei den Untersuchungen an ihre persönlichen Grenzen, haderten mit ihrem Beruf und ihrem Privatleben. Vor allem Ivo Batic, der ein immer engeres Verhältnis zur Witwe und ihrem Sohne aufbaute, wollte sich damals nicht damit abfinden, dass er den beiden in ihrer Verzweiflung nicht mehr Antworten und Sicherheiten bieten konnte. Auch der Zuschauer blieb am Ende ratlos zurück, denn aufklären konnten die Münchner den Fall nie. Die Story Mit weiterer Spurensuche hält sich die Fortsetzung des Falls diesmal nicht weiter auf. Gleich zu Beginn dieses Tatorts ist der Täter schon gefasst, die Beweislast erdrückend, hat er doch erneut einen Unschuldigen erstochen und ist diesmal von einer Überwachungskamera dabei gefilmt worden. Gut ist deshalb aber gar nichts, wie die ersten Szenen Schlag auf Schlag zeigen: Franz Leitmayr humpelt an einer Krücke, Ivo Batic liegt schwer verletzt im Koma, zudem gibt es eine interne Ermittlung gegen die beiden Kommissare. Nach und nach wird in Rückblenden erzählt, wie es so weit kommen konnte. Und dabei muss der Zuschauer nicht über einen unbekannten Täter und seine Motive rätseln, sondern an Ivo Batics Unschuld und Integrität zweifeln. Spannend. Das Team Ist in dieser Tatort-Folge kein Team - und doch mehr Team als je zuvor. Doch, das geht. Denn Ivo Batic tut alles, um seinen Kollegen Franz Leitmayr außen vor zu halten, schottet sich zunehmend von ihm ab und weigert sich phasenweise gar, ihn überhaupt in sein Krankenhauszimmer zu lassen. Doch Franz Leitmayr hält seinem Partner zunehmend wütend und verzweifelt die Treue, und versucht bis zum Schluss unbeirrbar, dessen Unschuld zu beweisen. Die Spannung "Der Tod ist unser ganzes Leben" bleibt spannend - von Anfang bis Ende. Das liegt auch an der Erzählstruktur. Gekonnt verschachtelt werden hier nicht nur Rückblenden eingeflochten, sondern die Geschehnisse auch aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Das hätte auch ins Auge gehen und extrem unübersichtlich werden können. Stattdessen zieht diese Taktik den Zuschauer immer packender in das Geschehen hinein. Fazit Eine absolut sehenswerter Fall aus München, der nicht nur beweist, dass Fortsetzungen doch funktionieren können (Wir raten allerdings, sich die Handlung von "Die Wahrheit" nochmal kurz vor Augen zu führen). Sondern der auch zeigt, dass mit ganz einfachen Geschichten ganz viel erzählt werden kann. Unbedingt einschalten!

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