Ratlosigkeit: Das gilt in dieser Episode des Wiener Tatorts vor allem für die Beziehung zwischen Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner.
(Harald Krassnitzer). - © ARD Degeto/ORF/Hubert Mican
Ratlosigkeit: Das gilt in dieser Episode des Wiener Tatorts vor allem für die Beziehung zwischen Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner.
(Harald Krassnitzer). | © ARD Degeto/ORF/Hubert Mican

Wien Tatort aus Wien: Weniger wäre mehr gewesen

Zu viel Handlung, zu viel Drama - doch Gottseidank noch etwas Spannung zum Schluss

Anneke Quasdorf

Wien. Die wichtigste Frage gleich vorweg: Was bitte geht denn da zwischen Bibi Fellner und Moritz Eisner? Amouröse... Irgendwas? Und die zweitwichtigste Frage: Will man das? Doch von vorn. Wobei das bei diesem Tatort nicht wirklich weiterhilft, so verworren und vielschichtig sind seine Handlungsstränge und Themen. Als Zuschauer kam man sich jedenfalls vor, wie in einer Theateraufführung mit sechs oder sieben verschiedenen Bühnen, bei denen man gar nicht wusste, für welche man sich entscheiden sollte. Da war der Mord an Peter Kralicek, dem Leiter der Wiener Polizeischule, ganz für sich genommen eine glasklare und auch eine spannende Kiste: Natürlich musste dieser Mann aus Sicht eines Vaters sterben, dessen Sohn, ein Polizeischüler, mit Kraliceks Demütigung und Missbrauch nicht länger leben konnte und sich das Leben deshalb nahm. Eifersuchtsdrama zwischen Fellner und Eisner Nun müssen sich die Drehbuchautoren aber gedacht haben: Viel hilft viel. Und so verzahnten sie diese Geschichte mit der des dilettantischen Verbrecherpärchens, das sich mehr schlecht als recht mit Diebstahl, Hehlerei und Erpressung über Wasser hielt. Sie schoben das Schicksal der unglücklichen Polizeischülerin, dem wehrlosesten Opfer ihres Ausbilders, ein. Dann gab es noch Abschied vom geschätzten Ermittlerkollegen Stefan Pohl, der den Magenkrebs, der ihn zerfraß, nicht länger verheimlichen konnte - und am Ende auch noch ein Mörder war. Das war es aber noch nicht, oh nein. Denn es wurde noch das große Fass des Sexismus und des Geschlechterkampfs nicht nur über den Szenen in der Polizeischule ausgegossen, sondern in jeder sich bietenden Szene zwischen Mann und Frau in einem unangenehmen Aggro-Ton entleert, egal, ob das nun Sinn machte oder nicht. Die Folge: Da stritten und geiferten und ätzten sich Hinz und Kunz permanent an. Schön ist anders. Die Hauptbühne besetzten allerdings Eisner und Fellner und ihr Eifersuchtsdrama, das sogar indirekt dazu führte, dass die beiden diesmal getrennt ermittelten. Wie man sich Bibis Eifersucht erklären soll, weiß man zwar nicht, und auch ein klärendes Gespräch zwischen beiden wurde unsanft unterbrochen. ("Bibi, ich kann nicht ewig Asket bleiben, nur weil...weil..." - Ja, warum, zum Donnerwetter??? Die Antwort bleibt dieser Tatort schuldig.) Das Ganze dürfte für die meisten Zuschauer aber fesselnder gewesen sein als Mord und Totschlag. Spannung und Überraschung erst am Schluss Alles in allem war das so viel Handlung, dass die 90 Minuten fast auschließlich mit ihrer Erzählung gefüllt waren und kaum noch Platz für Spannung blieb. Weil die Wiener aber nun mal die Wiener sind, schaffte es dieser Tatort tatsächlich noch, das Ruder in den letzten 15 Minuten nochmal herum zu reißen - mit dem tatsächlich spannenden, berührenden Finale und zwei überraschenden Tätern.

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