Wie hier in Viersen-Boisheim kann ein Tornado schwere Schäden anrichten. - © picture alliance / Federico Gambarini/dpa
Wie hier in Viersen-Boisheim kann ein Tornado schwere Schäden anrichten. | © picture alliance / Federico Gambarini/dpa

Viersen Wenn der Tornado wütet: Ab in den Keller und Schäden schnell melden

Fragen und Antworten zum Thema

Viersen (dpa). Wenn ein Tornado wie zuletzt in Viersen durch bewohntes Gebiet zieht, bleiben oft Bilder der Verwüstung zurück. Wie sollten sich Hausbewohner in einer solchen Situation verhalten? Und was ist anschließend zu beachten? Tipps von Experten. Wie entsteht ein Tornado? Tiefstehende Schauer- und Gewitterwolken sind Grundvoraussetzung, sagt Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Wenn der Wind vom Boden bis zur Wolke zudem Richtung und Geschwindigkeit ändert, beginnen die Luftmassen, sich zu drehen. Damit sich der sogenannte Wolkenrüssel bildet, muss die aufsteigende Luft sehr feucht sein. „Die aus dem Wolkenrüssel freigesetzte Energie führt dazu, dass die Luft sich immer schneller dreht", sagt Friedrich. „Diese ganzen Zutaten waren in Viersen vorhanden." Ist die Wahrscheinlichkeit dafür in NRW besonders hoch? Hierzulande gibt es anders als in den USA kein typisches Tornado-Gebiet: Wirbelstürme könnten in Deutschland überall auftreten, sagt Friedrich. Dass am Dienstag ein Tornado ausgerechnet über Viersen fegte, war nach Angaben des Experten Zufall. Was sollte ich tun, wenn mich ein Tornado überrascht? Hausbewohner sollten in einer solchen Situation unbedingt die Räume unmittelbar unter dem Dachstuhl meiden, denn die Wirbelstürme decken oft die Dächer ab und schleudern Dachziegel durch die Luft. Auch von Fenstern und Türen bleiben sie besser fern, denn herumfliegende Gegenstände können diese durchschlagen. Der Deutsche Wetterdienst rät dazu, Kellerräume aufzusuchen. Grundsätzlich ist es gut, Schutz in Gebäuden zu suchen, am besten in massiven Steinhäusern. Ein Auto ist kein sicherer Ort, denn ein Tornado kann es locker in die Höhe heben. Und was ist, wenn kein Haus in der Nähe ist? Wer in freier Natur von einer Windhose überrascht wird, kann noch versuchen, auszuweichen. Ein Tornado sei meist nicht breiter als 100 Meter, und ein Kilometer Abstand reicht laut Deutschem Wetterdienst aus. Ist ein Ausweichen nicht möglich, legt man sich im Notfall flach auf den Boden. Schwächere Tornados ziehen dann vielleicht über einen hinweg. Außerdem ist in dieser Körperhaltung die Gefahr am geringsten, von umherfliegenden Gegenständen getroffen zu werden. Kann ich zu Hause irgendwie vorbeugen? Hier gilt das Gleiche wie nach Ankündigungen von anderen Stürmen und Gewittern: Lose Gegenstände am Haus und im Garten sowie das Auto sind in Sicherheit zu bringen. Für einen möglichen Stromausfall ist man mit einem aufgeladenen Mobiltelefon und Taschenlampen vorbereitet, erläutert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Wer deckt die Schäden durch einen Tornado? Sturmschäden am Haus sind in der Regel über die Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung abgesichert. Der Versicherte muss aber belegen können, dass der Sturm für den Schaden verantwortlich ist und mindestens Windstärke acht hatte. „Das kann zum Beispiel durch Berichte in der Zeitung geschehen", erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV) in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Bei einem Tornado sind die Schäden außerdem oft lokal begrenzt. „In diesem Fall kann ich auch auf Schäden in der Nachbarschaft verweisen", erklärt Boss. Für abgedeckte Dächer, zerstörte Schornsteine oder Schäden am Haus durch umgefallene Bäume kommt in der Regel die Gebäudeversicherung auf. Sie zahlt auch für Folgeschäden, zum Beispiel wenn durch das vom Sturm beschädigte Dach oder kaputte Fenster Regen eindringt. Allerdings gilt das nur für Schäden unmittelbar am Haus. Für Mobiliar und andere bewegliche Gegenstände ist dagegen die Hausratversicherung zuständig - sie übernimmt Schäden, wenn der Sturm zum Beispiel das Dach abgedeckt hat und die Möbel nass und unbrauchbar geworden sind. Wie organisiere ich die Schadensabwicklung? Betroffene melden sich am besten schnellstmöglich bei ihrer Versicherung. Grundsätzlich reicht ein Anruf, zur Sicherheit rät der BdV aber zu einem Einschreiben mit Rückschein. Zur Dokumentation der Schäden sollten Versicherte einige Fotos machen und Zeugen benennen. Ohne Rücksprache sollten Betroffene die Schäden hingegen nicht selbst beseitigen - denn die Versicherung muss immer die Möglichkeit haben, den Schaden durch eigene Gutachter bestimmen zu lassen.

realisiert durch evolver group