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Man ist, was man isst

Karoline Langenkämper

Teil 4 der Serie „Rollentausch": Manchmal wünscht sich der glückliche Single eine Beziehung und andersherum wünscht sich der glücklich Liierte seine Freiheit zurück. In der heutigen Folge geht es um das alte Sprichwort „Liebe geht durch den Magen" - es fragt sich nur durch welchen? Der Single Es gibt zwei Arten Singles: die, die sich im Supermarkt über Single-Portionsgröße freuen und deren liebstes Küchengerät die Mikrowelle ist. Und es gibt solche, die sich damit nicht abfinden wollen und deshalb drei Tage am Stück das gleiche, wenn auch selbst gekochte Gericht essen. Beide Single-Arten haben eins gemeinsam: sie sind mit der Supermarkt-Situation unzufrieden. Viel schöner wäre es, wenn sie sich mit dem Partner im besagtem Supermarkt treffen könnten, um gemeinsam die abendliche Mahlzeit zu planen. Der Einkauf wäre nur noch halb so schwer, wenn er auf vier statt nur auf zwei Schultern verteilt wäre. Und anschließend steht man gemeinsam in der Küche, schnibbelt und brutzelt mit einem Glas Wein in der Hand, während im Hintergrund rauchiger Jazz läuft. Stattdessen steht der Single allein in der Küche, schwingt den Kochlöffel oder zieht zumindest die Plastikfolie vom Mikrowellengericht ab, während er sich mit dem Gedanken tröstet zumindest den Wein nicht teilen zu müssen. Der Liierte Eine Beziehung besteht aus Kompromissen. Die ersten Kompromisse, die man hierbei eingeht, passieren in der Küche. Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten klärt man gleich zu Anfang selbstverständlich ab – vor allem auch aus eigenem Interesse. Schließlich möchte niemand bei seinem Partner einen anaphylaktischen Schock riskieren, nur weil man das selbstgemachte Pesto noch mit ein ¬¬paar Erdnüssen aufpeppen wollte. Aber dann sind da auch die Kompromisse, die mit der Zeit immer schwerlicher verdaut werden können. Z.B. kommen gewisse Mahlzeiten, wie ein schlotziges Pilzrisotto nur noch im Restaurant auf den Teller, weil der Partner partout keine Champignons und Pfifferlinge isst. Stinkekäse wird schon gar nicht mehr gekauft, weil es ein regelrechter Akt ist ihn luftdicht für den Kühlschrank zu verpacken. Und während der Liierte deshalb im Supermarkt zu geruchsneutralem Aufstrich greift, tröstet er sich mit dem Gedanken, dass in dieser Beziehung beide Seiten Abstriche machen müssen.

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