Bei der Partnersuche gab es schon immer viele Fallstricke. Heute gibt es dabei noch für jede Verhaltensweise einen knackigen Anglizismus. - © Pexels, CC0
Bei der Partnersuche gab es schon immer viele Fallstricke. Heute gibt es dabei noch für jede Verhaltensweise einen knackigen Anglizismus. | © Pexels, CC0

Ghosting, Benching und Co.

Jedes Dating-Phänomen und jeder Dating-Trend braucht heute seinen eigenen Anglizismus

Karoline Langenkämper

Es gibt schon immer bestimmte Verhaltensweisen, wenn es darum geht, dass zwei Menschen sich auf eine amouröse Art und Weise kennenlernen. Seit ein paar Jahren ist es in Mode gekommen, dass diese Verhaltensweisen durch Anglizismen ausgedrückt werden. Angefangen beim Kennenlernen, dass nun gemeinhin als Dating bekannt ist. Oder der Kontaktaufnahme, die wir nun Flirten nennen. Doch seit einiger Zeit hat die Anglifizierung der zwischenmenschlichen Beziehungen eine neuen Ebene erreicht. Dabei sind nur die wenigsten Phänomene tatsächlich neu. Es ist also an der Zeit die Begrifflichkeiten mal genau unter die Lupe zu nehmen: Ghosting, Benching und Breadcrumbing Beim Ghosting, Benching und Breadcrumbing geht es darum, dass zwei Menschen sich näher kommen und einer von ihnen ganz unvermittelt und ohne jegliche Begründung den Kontakt abbricht, oder einschlafen lässt. "Breadcrumb” bedeutet soviel wie "Brotkrümel”. Man bekommt beim Beadcrumbing von einer Person entsprechende Nachrichten, oder Likes in den Sozialen Netzwerken, die quasi als Spur aus Brotkrümeln fungieren. Sobald es aber etwas Ernster wird, macht der andere einen Rückzieher. Denn diese Spur aus Brotkrümeln soll einzig und allein dazu dienen den anderen anzulocken und das eigene Ego zu stärken. In den meisten Fällen kommt es nie zu einem physischen Treffen zwischen beiden. Benching leitet sich aus dem englischen Wort "Bench” für "Bank” ab. Gemeint ist jemanden auf die lange Bank zu schieben, nachdem das Date eigentlich positiv verlaufen ist. Nach dem besagten eigentlich erfreulichem Date, erhält man nur noch sporadische Nachrichten und wenn überhaupt Ausreden, warum das so ist und warum man sich nicht nochmal wiedersieht. Aber in den meisten Fällen bleiben jegliche Begründungen unausgesprochen und zumindest einer mit einem Haufen Fragen im Kopf zurück. Die radikalste Form jemanden sitzen zu lassen ist wohl das Ghosting. Beim Ghosting verwandelt sich der eine in einen Geist und bricht jeglichen Kontakt ganz unvermittelt ab. Profile und Handynummern werden gelöscht oder geblockt. Es gibt keine Antwort auf ein Warum, obwohl das Kennenlernen davor schon sehr intensiv geworden ist. Ghosting ist also das neue "Ich bin mal eben Zigaretten holen”. Hyping und Gatsbying Das Dating-Phänomen Hyping ist vergleichbar mit mit dem Ausdruck "Lückenbüßer”. D.h. der eine benutzt den anderen, um emotional fit zu werden für die nächste richtige Beziehung. Man wird also dahingehend benutzt, das Selbstvertrauen des anderen zu stärken. Das Dating-Phänomen ist deshalb so fies, weil der "Hyper” die aktuelle Beziehung so sehr hochjubelt, dass man glaubt Mr. oder Mrs. Right gefunden zu haben. Nur um dann kurz darauf festzustellen, dass man wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wird. Beim Gatsbying versucht man mit allen Mitteln die Aufmerksamkeit seines Schwarms zu erregen. Man muss dafür allerdings nicht wie im Roman "Der große Gatsby”, von F. Scott Fitzgerald, fulminante Partys schmeißen. Es genügt schon in den Sozialen Netzwerken Bilder, Videos und Sprüche abzusetzen, von denen man glaubt, sie könnten der/dem Angebeteten gefallen. Eine gesunde Kontaktaufnahme sieht anders aus. Power-Dating und Silent-Dating Power-Dating und Silent-Dating sind Artverwandte des Speed-Datings. Beim Power-Dating ist die Anzahl der Teilnehmer wesentlich größer, als bei einem herkömmlichen Speed-Dating. Darüber hinaus hat man nur etwa 1 Minute Zeit, den Gegenüber von sich zu überzeugen. Im Anschluss heißt es 1 Minute zuhören und abschätzen, ob man den anderen möglicherweise näher kennenlernen möchte. Silent-Dating läuft ähnlich ab, wie das herkömmliche Speed-Dating. Die Besonderheit: reden ist absolut tabu. Man muss also allein mit Gestik und Mimik einen guten Eindruck hinterlassen. Es dürfen maximal kleine Zettelchen ausgetauscht werden, die seine Sympathie ausdrücken.

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