Pärchen so weit das Auge reicht. Ist das schlimm? Ganz und gar nicht, denn zum Glück gibt's ja noch Online-Dating - © Pixabay CC0
Pärchen so weit das Auge reicht. Ist das schlimm? Ganz und gar nicht, denn zum Glück gibt's ja noch Online-Dating | © Pixabay CC0

Der gestiefelte Single im Pärchen-Wald

Wie ist es, als Single fast nur von Menschen in Beziehungen umgeben zu sein?

Karoline Langenkämper

Schaue ich mich bei mir im Büro um, so bin ich einer von vier Singles. Die anderen gut 20 Kollegen sind in festen Partnerschaften. In meinem engsten Freundeskreis in Bielefeld sind wir dann nur noch zwei Singles versus vier Paare, also acht Beziehungsmenschen. Weite ich den Freundes- und Bekanntenkreis noch aus, lande ich seltsamerweise trotzdem immer bei einer Quote von etwa eins zu fünf. D.h. ein Single kommt auf etwa fünf Personen, die in festen Partnerschaften sind. Ob das ein statistisch signifikanter Wert für meine Kohorte (die Anfang Dreißigjährigen) ist, weiß ich nicht genau. Mein subjektives Empfinden sagt mir aber, dass dieses Verhältnis vor zehn Jahren noch anders war. Damals gab es mehr Singles und weniger Paare. Und mein Glaskugel-Gefühl sagt mir, dass es in zehn Jahren auch wieder anders sein wird - bis dahin wird die Anzahl der Pärchen vielleicht sogar noch zunehmen. Wie ist es also als Singlewittchen im Pärchen-Wald? Düster, deprimierend und böse Wölfe und Stiefmütter, die einem das Selbstvertrauen kaputt machen, lauern hinter jeder Ecke? Glücklicherweise nicht, ich fühle mich als Single unter so vielen Beziehungen um mich herum überhaupt nicht unwohl. Wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin, ist mein Beziehungsstatus kein wirkliches Thema. Wir analysieren nicht pausenlos, warum ich denn wohl den Richtigen noch nicht gefunden habe. Und auch ich muss mich nicht ständig zu Beziehungsfragen der anderen äußern. Es geht vielmehr um Alltägliches und dafür bin ich sehr dankbar. Ich fühle mich auch nie wie das fünfte Rad am Wagen, denn anscheinend gluckt man mit über 30 nicht mehr als Paar in der Öffentlichkeit unentwegt aufeinander und ich muss keine Angst haben, dass mir mit einem mal zwei Körperflüssigkeiten-austauschende Individuen auf die Pelle rücken. Um also nochmal auf die Frage von eben zurückzukommen: nein, der Pärchen-Wald ist kein Albtraum für mich. Ich fühle mich nicht unwohl und mir wird auch keine Torschlusspanik eingeredet. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb ich nicht auf den Prinz in schimmernder Rüstung warte. Es gibt keine Misere, aus der ich gerettet werden muss. Denn das wäre meiner Meinung nach auch die falsche Voraussetzung für ein Pärchen-Märchen mit Happy-End.

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