Literatur Das Einschlafbuch für Große: Schmunzeln statt grübeln

Parodie auf den Boom der Kreativbücher

Angela Wiese

Schlafen wollen, aber nicht können. Sie kennen das und suchen Hilfe? Dann wird Ihnen "Das kleine Einschlafbuch für Große" wohl nicht ernsthaft helfen können. Dafür hilft das Buch des Comiczeichners und Illustrators Nicolas Mahler aber bei anderen Dingen. Das Buch mache Herumwälzen, Schäfchenzählen und Warme-Milch-Trinken überflüssig und helfe beim Ordnen unangenehmer Gedanken. So beschreibt der herausgebende Verlag Suhrkamp das Buch. Allerdings mit einem Augenzwinkern und dem Hinweis, dass es sich um eine Parodie handelt. Dieser Hinweis ist auch unbedingt notwendig. Wer einen ernst gemeinten Ratgeber für Einschlafstörungen sucht, sollte weitersuchen. Wer allerdings vor dem Schlafengehen gerne lacht, sich selbst hinterfragen oder sich mit dem Wahn um Kreativ- und Entspannungsratgeber für Erwachsene auseinandersetzen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen. 144 Seiten mit Zeichnungen Die 144, mit schwarzen Zeichnungen und wenig Text bestückten Seiten lassen im Kopf des Lesers erst einmal vor allem eine Frage auftauchen: Was tue ich hier eigentlich? Mehr im Scherz wird der Leser bereits auf der ersten Seite dazu aufgefordert, seine Sorgen zu zählen und diese in die dafür eingezeichneten Felder einzutragen. "Liege still, horche auf deinen Körper und erspüre mögliche Krankheitsherde!" lautet eine folgende Aufforderung. "Zeichne sie ein!" ist unter dem Bild eines Männchens mit großer Nase zu lesen. Die mit dickem schwarzen Stift gezeichneten Bilder und Texte schaffen es nicht, den Leser zum Stift greifen zu lassen. Dafür aber sorgen sie für lustige Momente und immer wieder zur schon oben gestellten Frage: Was tue ich hier eigentlich? So schafft es das Buch dann möglicherweise doch, das eigene, mit Sorgen voll ausgestattete Gedankenkarussell zu stoppen. Solche Sorgen nimmt das Buch auch gerne aufs Korn. Zum Beispiel auf einer Seite mit einer eingezeichneten "Weltschmerzspirale", auf deren Linie die Worte "Ach, Ach, Ach" stehen und die der Leser nun weiter ausfüllen soll. Hiebe verteilt der Autor nicht nur in Richtung von bei näherem Hinsehen vielleicht oft sinnlosen Gedanken. Sondern auch in die Richtung Ausmalbücher für Erwachsene oder der unzähligen Entspannungsliteratur, die die Regale in den Buchläden füllen. Am Ende hat das"Das kleine Einschlafbuch für Große" von Nicolas Mahler dann doch ein Stück weit für Ablenkung gesorgt. Besonders dann, wenn der Leser in der Lage ist, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen.

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