Lytton Strachey mit Virginia Woolf im Juni 1923. - © National Portrait Gallery London/Sieveking Verlag
Lytton Strachey mit Virginia Woolf im Juni 1923. | © National Portrait Gallery London/Sieveking Verlag

Literatur Virginia Woolf: Frances Spalding über Leben, Kunst und Visionen

Reich bebilderte Biografie zeigt das Leben der Schriftstellerin

Angela Wiese

Mit der Biografie "Virginia Woolf - Leben, Kunst & Visionen" gewährt Frances Spalding tiefe Einblicke in das Leben der Schriftstellerin. Das reich illustrierte Buch zeigt die Entwicklung der Britin von der Kindheit bis zu ihrem Suizid  und nimmt den Leser mit in eine wechselhafte Zeit des 20. Jahrhunderts. Der Einstieg in die 200 Seiten starke Biografie gelingt durch die Bilder leicht. Die Lebensgeschichte der Autorin wird detailreich geschildert und auch in 145 Abbildungen. Virginia Stephen, die später als Virginia Woolf zu einer der bedeutendsten Schriftstellerin und zur zentralen Figur der Bloomsbury Group wurde, wuchs im Kreis von Literaten, Intellektuellen und Künstlern auf.  Alte Fotos zeigen unter anderem den amerikanisch-britischen Schriftsteller Henry James als Gast im Haus der Familie. Aufgeführt sind außerdem ihre Reaktion auf andere Autoren und Künstler. Auf den - nach wie vor bedeutsamen - Roman Ulysses von James Joyce reagierte Woolf: "Ich habe Ulysses fertig gelesen & halte es für einen Fehlschlag. Es hat etwas Geniales, glaube ich; aber es ist eine Genialität niederer Art. Das Buch ist diffus. Es ist brackig. Es ist prätentiös. Es ist ungebildet, nicht nur im augenscheinlichen Sinn, sondern im literarischen Sinn." Was diese Biografie aber besonders gut kann, ist die Entwicklung der Autorin und des Menschen Virginia Woolf nachzuzeichnen. Spaldings Buch ist eine Einladung an die Leser, sich in diese Entwicklung nicht nur einzulesen, sondern über die Bilder zu betrachten, wie sich Virginia Woolf selbst von Phase zu Phase ihres Lebens veränderte. Frances Spalding zeigt zum Beispiel, wie sich Woolf ab Mitte der 1920er-Jahre immer häufiger elegant kleidete, auch, um ihre Identität auszuloten. Die damalige Verbindung der Autorin zur Mode-Zeitschrift Vogue stärkte dieses Interesse zusätzlich. Bilder der Autorin erschienen mehrfach in dem Magazin. Die bis heute andauernde Faszination von Virginia Woolf hängt auch zusammen mit ihrer schwankenden mentalen Gesundheit. Spaldings Buch beleuchtet auch diese Seite eindrücklich. Nach mehreren Schicksalsschlägen erlitt Woolf schon sehr früh, mit 13 Jahren, einen Zusammenbruch. Es sollte nicht ihr letzter bleiben. Die Biografie endet schließlich mit einem Bild des Abschiedsbriefs, den die Autorin schrieb, bevor sie sich 1941 das Leben nahm. "Ich weiß jetzt mit Sicherheit, dass ich wieder verrückt werden", schrieb Woolf. "Virginia Woolf - Leben, Kunst und Visionen" konzentriert sich auf das, was in in Woolfs Leben unbedingt zusammengehört und sich wechselseitig beeinflusste - Kunst und Leben.

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