Der Tag der Handschrift wirbt für mehr Schreiben mit Papier und Stift. - © picture alliance / ZB
Der Tag der Handschrift wirbt für mehr Schreiben mit Papier und Stift. | © picture alliance / ZB

Literatur Die Handschrift ist vom Aussterben bedroht

Tag der Handschrift am 23. Januar wirbt für Schreiben mit Papier und Stift

Andrea Sahlmen

Bielefeld. Wer früher in der Schule nicht „schön" schrieb, der bekam schnell Ärger mit der Lehrperson. "Kann ich nicht lesen, wird nicht bewertet", so war der allgemeine Tenor. Jede Schrift, die nicht der Norm entsprach, wurde geächtet. Dabei ist die Handschrift des Menschen unverwechselbar und so individuell wie die Persönlichkeit. Groß, klein, schnörkelig, eckig, leserlich und unleserlich. Die Einzigartigkeit der Handschrift ist eine Sache, die viele Menschen besonders begeistert. Autogramme von Prominenten zum Beispiel. Auch, wenn die Schrift unleserlich ist, sammeln viele die gekritzelten Haken der Stars. Wertvoll sind sie allemal, ob nun ideell oder finanziell. Genau wie viele alte Schriften. Museen reißen sich um alte handgeschriebenen Dokumente, Schenkungen werden begeistert empfangen und ausgestellt. Dabei können die meisten Menschen alte Schriften schon gar nicht mehr lesen. Oder können Sie noch Sütterlin lesen? Die langsame Verbannung der Handschrift in unserer Gesellschaft ist gefährlich. Es ist immerhin wissenschaftlich bewiesen, dass alles was mit der Hand geschrieben wurde, besser und einfacher zu merken ist und länger im Gedächtnis bleibt. Forscher erklären, dass beim Schreiben das motorische Gedächtnis aktiv wird. Sobald wir mit dem Stift über das Papier gleiten, „sieht" das Gehirn nicht nur, was es tut, es fühlt die Buchstaben auch. Die Bewegungen von Hand und Fingern prägen sich in das Gehirn ein. Darüber hinaus entstehen mit der individuellen Handschrift doch die schönsten Geschichten: In den 1960er Jahren schrieb ein amerikanischer Motelbesitzer aus New Hampshire eine Nachricht und schickte sie in einer Flaschenpost auf die Reise. Darin versprach er dem Finder, der die Nachricht zurück in sein Motel bringen würde, 150 US-Dollar. 2.500 Kilometer entfernt wurde die Flaschenpost über 50 Jahre später gefunden, der Collegeprofessor Clint Buffington brachte sie 2016 ins Motel. Der damalige Schreiber und seine Frau waren längst gestorben, das Motel verkauft und doch erkannte die Tochter des Verfassers die Handschrift seines Vaters. Mit getippten Zeilen wäre so etwas nicht möglich gewesen. Mittlerweile aber tippen immer mehr Menschen ihre Nachrichten nur noch ins Smartphone, in ihr Tablet oder ihren PC. Mark Zuckerberg hat angeblich den ersten Businessplan von Facebook komplett auf dem Handy getippt. Die Handschrift ist vom Aussterben bedroht, weshalb heute vor 40 Jahren der „Tag der Handschrift" ins Leben gerufen wurde. Die klare Botschaft: „Lasst die Handschrift nicht aussterben. Schreibt mit Stift und Papier!" Falls Ihnen die Ideen fehlen, was Sie mal wieder mit Stift und Papier schreiben könnten, haben wir einige Möglichkeiten zusammengefasst: einen Liebesbrief schreiben Tagebuch schreiben Postkarten an die beste Freundin schreiben Einkaufszettel schreiben Telefonnummern notieren Merkzettel aufschreiben

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