Kristines Krimikiste Miau, ein Kater ermittelt

Kristine Greßhöner stellt drei Krimis vor

Kristine Greßhöner

Wieder hat NW-Volontärin Kristine Greßhöner drei Krimi-Tipps parat: Don Winslow, "London Undercover", 369 S., Suhrkamp, 2015, 9,99 Euro Atemlose Suchaktion in London: Allie Chase, Tochter eines US-Senators, ist abgetaucht in England. Neal Carey soll sie pünktlich zum Wahlkampf zurückbringen. Die Jagd durch Londons Straßen verläuft alles andere als reibungslos und wird von Winslow in seinem Debütroman spannend erzählt. Parallel dazu schildert er in Rückblicken Neals Karriere - vom Sohn einer drogensüchtigen Mutter zum talentierten Literaturstudent und Detektiv. Die Guten gibt es nicht, jeder hat Dreck am Stecken. Winslows Charaktere sind allesamt schlüssig aufgebaut. Vor allem Neal und sein Ziehvater haben trotz ihrer krummen Geschäfte viele sympathische Eigenschaften. Die Guten sind aber auch sie nicht - zum Glück, da die Story dadurch angenehm kantig ist. Mit "London Undercover" legt der Verlag eine alte Reihe neu auf, die erstmals Ende der Neunziger auf Deutsch erschien. Sehr lesenswert! Heike Wolpert, "Schönheitsfehler", 246 S., Gmeiner, 2015, 9,99 Euro Miau, wer braucht schon einen Kater als Ermittler? Seit dem Schafskrimi-Erfolg "Glennkill" mutieren auf dem Buchmarkt tierische Vierbeiner zu menschelnden Schnüfflern. Noch ist der Trend nicht vorbei. Auch Kater Socke lacht, plaudert und ermittelt - und zwar "eifrig", um nur eines der unzähligen genannten Adjektive zu nennen. Konzept und Sprache sind leider zu brav! Liza Cody, "Lady Bag", 320 S., Argument, 2014, 17 Euro Dem Buchtitel nach, nur in umgekehrter Reihenfolge, ist sie bag lady, die Frau mit dem Koffer. Eine Obdachlose, die durch die Straßen Londons schlurft, heiße Wut verspürt und nach algerischem Rotwein lechzt. Dann geschieht ein Mord, Blut fließt, ihr Windhund Elektra verschwindet und ein alter Teufel taucht wieder auf. Sein Name: Gram Attwood. Der Mann, der die bag lady alias Angela May Sutherland damals ins Unglück stürzte. Dreck und Gestank, das Spiegelbild eine hässliche, alte Fratze - Liza Cody beschreibt das Leben unter freiem Himmel, auf öffentlichen Toiletten und Plätzen schonungslos. Unter Schichten von Schmutz und altem Schweiß brilliert die Protagonistin als schnodderiges, versoffenes Weib, das einem ans Herz wächst. Brillant!

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