Literatur Neue Tipps aus Kristines Krimikiste

Forensik, Rache und ein Alpenkrimi

Kristine Greßhöner

Endlich untersucht Temperance Brennan in der Rechtsmedizin wieder Knochen. Endlich hat ihre Erschafferin Kathy Reichs zu alter Form zurückgefunden. Endlich liest sich der nun 17. Fall für die forensische Anthropologin - die jüngsten Vorgängerbände waren auffallend dröge - wieder spannend. Bei Tempe, wie sie alle nennen, geht es gewohnt medizinisch-detailliert zu, als die Leichen junger Mädchen auftauchen. Eine Gegnerin aus der Vergangenheit taucht auf. Das Buch ist wieder einmal gespickt mit Abkürzungen aller Art sowie amerikanischen und französischen Eigennamen, da die Heldin zwischen North Carolina und Québec pendelt. Am Ende? Ein dramatischer Showdown, wie ich ihn liebe. Kathy Reichs, "Knochen lügen nie", 432 S., Blessing, 2015, 19,99 Euro. Der Berufsverbrecher Parker wird von seinem Komplizen und seiner Ehefrau hintergangen und um die Beute aus einem Überfall betrogen. Nun sinnt er auf Rache und will sein Geld zurück. Dafür legt der einsame Jäger sich notfalls auch mit einem Gangstersyndikat an. Geradlinig, temporeich und knallhart - die Neuübersetzung des bereits zweimal verfilmten Klassikers. Richard Stark, "The Hunter", 192 S., Zsolnay, 2015, 17,90 Euro. Ende April am Tegernsee: Ein Bestatter stirbt in seinem Leichenwagen, eine junge Frau verschwindet. Kommissar Clemens Wallner ermittelt in seinem sechsten Fall und friert trotz Daunenjacke - ein lieber Kerl. Sein Kollege Leonhardt Kreuthner dagegen schlägt mehrfach über die Stränge - ein Kotzbrocken. Echter Polizeialltag sieht anders aus, dennoch hat dieser bayerische Krimi Charme, kommt ohne allzu viel Dialekt aus und liest sich flüssig weg. Andreas Föhr, "Wolfsschlucht", 400 S., Knaur, 2015, 14,99 Euro. Tod im Gartenhäcksler. Von Bertil Carlsson, Wahl-Bayer und ehemaliger Nobelpreisjuror aus Schweden, bleibt nicht viel übrig. Jörg Maurer liefert damit den siebten Fall für seinen Ermittler Hubertus Jennerwein. Auch dies ein Alpenkrimi, auch dies eine amüsante Lektüre für Leser nördlich des Weißwurstäquators. Maurer achtet darauf, nicht zu albern zu werden. Er erweckt liebenswert-skurrile Romanfiguren zum Leben - noch eine Spur besser als Andreas Föhr. Jörg Maurer, "Der Tod greift nicht daneben", 448 S., Fischer, 2015, 14,99 Euro. ´

realisiert durch evolver group