Bücher Neue Tipps aus Kristines Krimi-Kiste

Kristine Greßhöner

Bielefeld. Es ist ein wuchtiges Pfund, das nun in der Reihe Heyne Hardcore erschienen ist. Mein Tipp: Schmecken Sie den Sand zwischen den Zähnen und lassen Sie vor ihrem inneren Auge Tommy Lee Jones als Sheriff Hackberry Holland im heißen, staubigen Texas ermitteln. Er wäre die Idealbesetzung für diese Mischung aus Western, Krimi und Südstaaten-Drehbuch. Hinter einer Kirche werden neun Frauenleichen gefunden. Es handelt sich um junge Asiatinnen, in deren Mägen Drogen gefunden werden. Der 70-jährige Holland muss sich mit dem organisierten Verbrechen herumschlagen. Zuhälter, Mörder, FBI-Agenten, Ex-Soldaten und Dinerkellnerinnen treten auf, erleben ihre ganz eigenen Storys parallel zur eigentlichen Mörderjagd. Akribisch und wortstark beschreibt Burke Spelunken und krude Typen, in der Hitze flimmernde Highways und verbeulte Straßenkreuzer. Bei jeder Handfeuerwaffe werden Kaliber und Hersteller genannt. Der Autor, 78 Jahre alt, nimmt sich Zeit. Stellenweise wirkt das aus der Zeit gefallen. Im Vergleich zum Gros der Neuerscheinungen kein austauschbarer Text, sondern ein wuchtiges Pfund solider Handarbeit. J. L. Burke, „Regengötter“, 671 S., Heyne, 2014, 16,99 Euro. Wie Burke gilt auch Tom Drury als literarisches Schwergewicht in Amerika. Die Stile unterscheiden sich gänzlich. Drury ist sprachverliebt, weniger handfest. Die Erlebnisse des Barkeepers Pierre Hunter, der durchs Leben tänzelt und Zufälle erlebt, kommen fast mystisch daher. Kriminelle Elemente finden sich kaum – auch wenn der Covertext es andeutet. „Das stille Land“, 215 S., Klett-Cotta, 2015, 19,95 Euro. Es ist eine sehr amerikanische Geschichte, die Louis Begley erzählt, Vietnam-Krieg und 11. September überschatten das Leben des Ich-Erzählers Jack Dana. An seinem illustren Leben arbeitet sich der Leser ab: Elite-Uni, Kriegseinsatz, Rückkehr, Karriere als gefeierter Schriftsteller. Hinzu kommt die betrübliche Familiengeschichte Danas, der am Selbstmord seines Onkels zweifelt. Der Protagonist ist ein Übermensch, die Geschichte zu sorgsam erzählt, der Fall absurd. Für Krimifans eine sinnlose Lektüre. „Zeig dich, Mörder“, 302 S., Suhrkamp, 2015, 19,95 Euro.

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