Was wissen Google und Facebook wirklich über uns? - © picture alliance / PIXSELL
Was wissen Google und Facebook wirklich über uns? | © picture alliance / PIXSELL

Datenschutz Was wissen Google und Facebook wirklich über mich?

Leandra Kubiak

Warum Unternehmen ein Interesse daran haben, möglichst viele und möglichst genaue Informationen ihrer Nutzer zu sammeln, liegt auf der Hand: Mit Hilfe von Daten lassen sich Profile von Menschen erstellen, die passgenaue Werbung ermöglichen; das wiederum ist ein riesiges Geschäftsmodell. Dass es inzwischen jedoch um mehr geht, als allein um Werbung, dürfte der breiten Öffentlichkeit spätestens mit Bekanntwerden des Daten-Skandals rund um Facebook und das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica bewusst geworden sein (auch wenn hier noch viele Aspekte ungeklärt sind). Nutzerdaten können mithilfe von Algorithmen ausgewertet und dazu genutzt werden, politische Entscheidungen zu beeinflussen, indem Nutzern gezielt bestimmte Informationen ausgespielt werden. Viele Daten werden ohne unser Wissen abgegriffen Wer das Internet, ein Smartphone oder soziale Medien nutzt, kommt nicht umhin, Informationen über sich preiszugeben. Ein wichtiger Unterschied ist allerdings: von vielen Daten wissen wir, dass wir sie preisgeben, da wir sie den Unternehmen sozusagen freiwillig mitteilen. Andere Daten werden abgegriffen und ausgewertet, ohne dass wir davon Kenntnis nehmen (können). "Harmloser ist es, solange die Daten an der Oberfläche abgegriffen werden", meint Jörg Müller-Lietzkow, Professor für Medienökonomie an der Universität Paderborn. Dazu zählen zum Beispiel die Angaben, die wir bei den verschiedenen Online-Diensten selbst in unseren Profilen hinterlegt haben, die Fotos, die wir dort hochgeladen haben und die Klicks, die wir auf einer Plattform machen, während wir dort eingeloggt sind. Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, politische Gesinnung Dass Facebook anhand dessen, was wir liken, kommentieren und hochladen ein Profil darüber erstellt, welche Interessen wir haben und wer wir sind, überrascht nicht. Aufschluss gibt dem Unternehmen auch unsere Kontaktliste und das, was unsere Freunde im Netz tun. Wenn wir die Informationen nicht ohnehin in unserem Profil hinterlegt haben, fällt es Facebook nicht schwer, etwa einzuordnen, wie alt wir sind, welches Geschlecht wir haben oder welche unsere sexuelle Orientierung ist. Auch darüber, welche politische Gesinnung wir haben, macht sich Facebook ein Bild. Beispielsweise anhand der Seiten, die wir abonniert haben. Wer ein Facebook-Profil hat, sollte sich außerdem darüber bewusst sein, dass das Netzwerk jeden einzelnen Login und die IP-Adresse speichert, mit der wir uns jeweils angemeldet haben. So kann das Unternehmen den ungefähren Standort bestimmen, an dem wir uns befinden. Auch Angaben darüber, mit welcher Kamera oder mit welchem Smartphone die Fotos gemacht wurden, die wir veröffentlichen, werden gespeichert. Sowohl Google als auch Facebook stellen Daten zum Download bereit Wer sich Klarheit verschaffen möchte, kann sich in seinem Profil über "Einstellungen" und den Bereich "Deine Facebook-Informationen" alle Daten herunterladen, die Facebook über einen gespeichert hat. Die Dateien sind aber letztlich nichts anderes als eine Sammlung aller Aktivitäten, die wir je auf dem Portal getätigt haben. Gleiches gilt übrigens für Google: Auch hier hat jeder Inhaber eines Google-Kontos die Möglichkeit, einzusehen, welche Daten das Unternehmen über ihn gesammelt hat. Tracking über den Facebook-Like-Button Undurchsichtig wird es überall da, wo wir ohne unser Wissen und unser direktes Einverständnis getrackt werden. Facebook beispielsweise verschafft sich über den Like-Button, der unzählige Seiten im Netz mit der Plattform verbindet, Informationen darüber, auf welchen Seiten wir surfen, wie lange wir dort verweilen und welche Suchbegriffe wir eingeben. Nicht zuletzt aufgrund dieser Praktik steht das Netzwerk unter Beobachtung des Bundeskartellamts, das sich wegen der wachsenden Marktmacht bereits besorgt äußerte. Früher sei die Praktik des Trackens längst nicht jedem Webseiten-Betreiber bewusst gewesen, sagt Matthias Spielkamp, Gründer und Geschäftsführer der Organisation Algorithmwatch. Da die Methode heute geläufig sei, würde er inzwischen aber durchaus von einer Mitverantwortung der Webseiten-Betreiber sprechen. Auch über Menschen, die gar kein Profil haben, werden Daten gesammelt Ein Problem sieht Müller-Lietzkow auch in der Verknüpfung der Daten, die bei Facebook, Instagram und WhatsApp gesammelt werden, da alle zum selben Konzern gehören. Wer mehr als einen der Dienste nutzt, stimmt automatisch der Verknüpfung aller Daten zu, die wir auf den Plattformen preisgeben. Kritisch sieht Müller-Lietzkow außerdem, dass selbst Daten über Menschen gesammelt werden, die die Dienste gar nicht aktiv nutzen. So erhält das Unternehmen beispielsweise Zugriff auf die Kontaktdaten von Personen, die in den Kontaktlisten der aktiven WhatsApp-Nutzer auftauchen. Hintergrund ist, dass jeder, der den Messenger nutzt, der App Zugriff auf das eigene Telefonbuch gewähren muss. Auch über den Facebook-Like-Button auf den Seiten verschiedener Anbieter werden Profile von Menschen erstellt, die selbst (noch) gar nicht bei Facebook registriert sind. Google sei vor allem durch sein Android-Betriebssystem in der Lage, viele Daten über Nutzer zu sammeln, sagt Spielkamp. Das Betriebssystem laufe auf den Smartphones und Tablets unterschiedlicher Hersteller und sei damit insgesamt Marktführer. Im Vergleich zum Rechner zuhause biete das Smartphone viel mehr Möglichkeiten, Daten zu sammeln. Da die meisten Menschen während der Nutzung Ihrer Android-Geräte ständig mit ihrem Google-Konto verbunden seien, könnten hier zahlreiche sensible Informationen gesammelt werden, wie etwa Bewegungsdaten. Eigenverantwortung spielt beim Datenschutz eine wichtige Rolle Die eine Frage ist, welche Daten gebündelt und gespeichert werden, die andere Frage ist, was langfristig mit diesen Daten geschieht und in wessen Hände sie geraten (könnten). Google lege größten Wert darauf, seine Informationen zu schützen, so Spielkamp. Die Daten lägen auf sicheren Servern und bisher sei nicht bekannt, dass sie - abgesehen vom amerikanischen Geheimdienst - je unerlaubt in fremde Hände gelangt seien. Was jedoch genau mit den Daten geschieht, wisse niemand, ist Müller-Lietzkow überzeugt. Er rät deshalb dazu, die Einstellungen der Anwendungen bewusst zu steuern und sich genau zu überlegen, welche Dienste man tatsächlich brauche, und auf welche man vielleicht auch verzichten könne. Beim Thema Datenschutz spiele schließlich immer auch Eigenverantwortung eine wichtige Rolle.

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