Schülerinnen aus Hamburg haben gemeinsam mit Pinkstinks das Video "Not Heidis Girl" produziert. - © Pinkstinks / Markus Abele
Schülerinnen aus Hamburg haben gemeinsam mit Pinkstinks das Video "Not Heidis Girl" produziert. | © Pinkstinks / Markus Abele

Netzwelt Pinkstinks vs. RTL: Wie ein Bot den Erfolg von "Not Heidis Girl" dämpfte

Angela Wiese

Die Protest-Plattform Pinkstinks ist sauer auf den Fernsehsender RTL. Wegen eines digitalen Fingerabdrucks ist das Video zum GNTM-Protest-Song "Not Heidis Girl" für mehrere Stunden bei YouTube gesperrt worden. Mitten in der Hochphase der Zugriffe. Der Fall zeigt, warum es schwierig ist, ein Computerprogramm über Urheberrechtsverletzungen urteilen zu lassen. Mit dem Protestsong "Not Heidis Girl" machen Hamburger Schülerinnen ihrem Ärger über die in Heidi Klums TV-Sendung "Germany's Next Topmodel" propagierten Schönheitsideale Luft. Das dazugehörige Video haben die Schülerinnen gemeinsam mit Pinkstinks gedreht und veröffentlicht. Der Ohrwurm sorgte für große Aufmerksamkeit. Nach Angaben der Pinkstinks-Geschäftsführerin Stevie Schmiedel sammelte das Video bis jetzt über 1 Million Zugriffe in den sozialen Netzwerken. Doch die Aufmerksamkeit könnte viel größer sein, sagt Schmiedel. In der Hochphase ist dann nämlich RTL dazwischen gekommen. Schauspielerin und YouTuberin Lara-Maria Wichels war am 15. Februar zu Gast in der RTL-Sendung "Guten Morgen Deutschland" und stellte dort "Not Heidis Girl" vor. Das Video wurde in Ausschnitten gezeigt. Der Ausschnitt der Sendung wurde aus Urheberrechtsgründen von RTL mit einem digitalen Fingerabdruck versehen und automatisch auch die darin eingebetteten Video-Sequenzen von "Not Heidis Girl", erklärt der Sender RTL auf Anfrage. Digitaler Fingerabdruck von RTL auf dem Pinkstink-Video Die Auszeichnung mit dem digitalen Fingerabdruck führte zu wahrlich kuriosen Situation: YouTube stufte die RTL-Sendung aber auch das Video, das ja eigentlich Pinkstinks gehört, als widerrechtliche Kopie ein und sperrte es. Die Sperrung erfolgte über das sogenannte Content-ID-Verfahren, mit dem Urheberrechtsinhaber ihre Inhalte auf YouTube identifizieren und verwalten können. Hochgeladene Videos werden mit einer Datenbank abgeglichen, um festzustellen, ob Urheberrechtsverletzungen vorliegen. Im Fall von "Not Heidis Girl" geschahen Einstufung und Sperrung automatisch, erklärt RTL. Etwa acht Stunden lang, zwischen 1:47 Uhr und 8:32 Uhr am Morgen des 16. Februar war das Video also nicht verfügbar. Nachdem Pinkstinks-Mitglieder am Morgen schließlich Youtube per Mail auf den Fehler hingewiesen hätten, sei das Video wieder freigegeben worden, so Schmiedel. Ihrer Beobachtung nach hat die Sperrung zu einem massiven Einbruch in den Zugriffen geführt. Hätten am Vortag noch rund 100.000 Nutzer auf das Video zugegriffen, seien es am Tag danach nur noch 30.000 gewesen. "Das macht mich wütend" Von RTL habe es nie eine Entschuldigung gegeben, sagt Schmiedel. Nur Sätze wie "Das passiert ständig" und "RTL ist Opfer von Piraterie" seien gefallen. RTL dagegen teilt in einem Statement mit, sich bereits am 16. Februar entschuldigt zu haben. Die Sendung"Guten Morgen Deutschland" habe im Schnitt 330.000 Zuschauer, die so auf das Thema aufmerksam gemacht worden seien, betont RTL außerdem. "Das macht mich wütend", sagt Schmiedel. Zwar habe das Video trotzdem eine große Aufmerksamkeit bekommen. "Wir haben viel erreicht", so Schmiedel. Doch das eigentliche Problem sei, dass aufgrund der Einstufung eines Computerprogramms Inhalte gesperrt würden. Das könne besonders bei kleinen Initiativen und Kampagnen, denen es schwerer fällt große Aufmerksamkeit für ihre Arbeit zu bekommen, großen Schaden anrichten. "Meiner Meinung nach darf ein Bot keine Urheberrechtsverletzung melden", sagt die Pinkstinks-Chefin. Pinkstinks könne es sich derzeit nicht leisten, rechtliche Schritte einzuleiten. Doch ein Medienrechtsanwalt habe Anfrage bei RTL gestellt, wie genau es zu der Sperrung kommen konnte. Vom Sender selbst hätte Schmiedel gern eine öffentliche Entschuldigung gesehen. Wichtiger findet sie aber, dass RTL das Problem anerkennt. So etwas dürfe nicht wieder passieren.

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