Coverstar ist in diesem Jahr der unvermeidliche Cristiano Ronaldo - EA setzt auch in diesem Jahr wieder auf eine atmosphärisch dichte Präsentation. - © EA Sports
Coverstar ist in diesem Jahr der unvermeidliche Cristiano Ronaldo - EA setzt auch in diesem Jahr wieder auf eine atmosphärisch dichte Präsentation. | © EA Sports

Games & Netzwelt Fifa 18 im Schnell-Test: Ein sinnvoller Schritt in Richtung Realismus

Der neueste Serienteil setzt auf ein glaubwürdigeres Spielgefühl - und generelle Langsamkeit

Björn Vahle

Jahr für Jahr stehen Fifa und Pro Evolution Soccer (PES) nebeneinander in den Regalen. Und in jedem Jahr fällt die Bewertung gleich aus: PES die bessere Simulation, Fifa das bessere Arcade-Fußballspiel. Fifa 18 könnte nun das erste Spiel seit langem sein, dass diesen Reigen durchbricht - und das ist gut so. EA hat die Stellschrauben am Gameplay in diesem Jahr deutlich spürbarer nachgezogen. Insgesamt ist das Spieltempo im Vergleich zu Fifa 17 langsamer. Das bedeutet unter anderem: Alle Bewegungen benötigen mehr Zeit. Ein Beispiel: Richtungswechsel dauern länger, und das nicht nur, wenn sie im Sprint vollführt werden. Ein ums andere Mal liefen unsere Spieler ins Leere, weil wir noch den alten Spielfluss in den Controller-Händen hatten. Doch damit hört es nicht auf. Wer im Vollsprint die eingesprungene Grätsche ansetzt, rutscht auch entsprechend weiter, ist also länger handlungsunfähig. Das Schöne: Die Charakterwerte der Spieler sind insgesamt deutlicher spürbar, wir müssen unsere Spielweise erstmals wirklich an unsere Mannschaft anpassen. Oder wir gehen unter. Spürbare Änderungen, die Eingewöhungszeit brauchen Auch hier ein Beispiel: Mit Mats Hummels werden wir in Fifa 18 kein Sprintduell mit Messi gewinnen. Aber im Zweikampf sieht der geniale Fußball-Zwerg kein Land. Wir sind als Spieler also mehr gefordert, die Vorteile unserer Mannschaft klug zu nutzen. Der eine oder andere Fifa-Veteran wird da so seine Eingewöhnungszeit brauchen. All das soll sagen: Fifa macht einen spürbaren Schritt in Richtung Realismus. Wir haben durch die Drosselung des Tempos stärker das Gefühl, wirklich unter Kontrolle zu haben, was wir auf dem Platz tun. PES bleibt natürlich die feiner abgestimmte Simulation. Doch bei EA Sports hat man offensichtlich verstanden, wie man das eigene Spiel attraktiv hält. Denn: Wenn man mit Fifa nun das volle Lizenzpaket mit den stärksten Ligen und Spielern sowie Spielerinnen der Welt (erstmals auch die 3. Liga und der DFB-Pokal) UND ein realistisches Spielgefühl bekommt, dann könnten PES auf Dauer die Alleinstellungsmerkmale abhanden kommen. The Journey, Ultimate Team - und Atmosphäre Auch abseits davon punktet Fifa mit viel Atmosphäre. Nicht nur die Spielergesichter und Animationen sind wieder ein gutes Stück glaubwürdiger geworden. Ein Beispiel für den Detailwahn: 80 Lichtfilter sollen die Lichtverhältnisse aus den echten Stadien so exakt wie möglich nachzeichnen. Ein Gimmick, aber ein beeindruckendes. Ebenfalls wieder mit an Bord: Der Storymodus "The Journey" in dem wir die Geschichte des in Fifa 17 eingeführten No-Name Senkrechtstarters Alex Hunter weiterspielen dürfen. Unterhaltsam, spielerisch mal was anderes, aus der Ego-Perspektive zu kicken und die eigene Karriere zu steuern, aber kein alleiniger Kaufgrund. Cool allerdings: Man trifft hier immer mal wieder Stars wie Ronaldo, Griezmann oder Müller in Zwischensequenzen. Auch der Kartenspielmodus "Ultimate Team" hat sanfte Änderungen erfahren. Leider haben Spieler, die hier Echtgeld investieren, immer noch deutliche Vorteile gegenüber denen, die Spielwährung mühsam freispielen. Ein Problem, das EA aber aus verständlichem Interesse an zusätzlichen Einnahmen so schnell nicht "lösen" wird. Fazit: Wir haben in der kurzen Testzeit beileibe nicht alle Veränderungen am Gameplay gesehen. Aber das geringere Tempo gibt uns als Spielern ein stärkeres Gefühl von Kontrolle über unsere Mannschaft und kommt dem Realismus zugute. Und das ist ein Riesenargument für Fifa, das ansonsten auf ein spaßiges, aber oft unrealistisches Spielgefühl setzte. So kam es während unseres Tests mehrfach vor, dass unsere Schüsse auf völlig unrealistischen Flugbahnen den Weg ins Tor fanden. Wir dachten erst, das liege daran, dass wir mit Cristiano Ronaldo spielten - und Fifa den Mann, immerhin Coverstar, einfach übermächtig designt hätte. In Wirklichkeit waren die Bälle abgefälscht - denn auch das kommt deutlich häufiger vor. So wie beim echten Fußball auch. Hut ab, EA Sports. So verbessert man ein Spiel. Fifa 18 erscheint am 29. September für PC, Playstation, Xbox und Nintendo Switch.

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