Vor zehn Jahren hatte ein US-Amerikaner die Idee, mit dem Doppelkreuz den Kurznachrichtendienst Twitter besserzu sortieren. - © picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa
Vor zehn Jahren hatte ein US-Amerikaner die Idee, mit dem Doppelkreuz den Kurznachrichtendienst Twitter besserzu sortieren. | © picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa

Netzwelt Zum 10. Geburtstag: Ein Rückblick auf bedeutende Hashtags

Das Raute-Zeichen bringt weltweit Internetnutzer zusammen und prägt inzwischen ebenso öffentliche Diskussionen

Lena Henning

Zwei Striche quer, zwei Striche senkrecht - so sieht das Raute-Zeichen aus, Internetnutzern auch bekannt als Hashtag. Auf Computer-Tastaturen und den Zahlen-Blöcken von Telefonen gibt es den Hastag schon ewig. Bei Twitter bekam die Raute vor zehn Jahren eine neue Aufgabe: Als Hashtag wird sie verwendet, um Beiträge zu verschlagworten. Der Hashtag hilft, in der Fülle an Beiträgen, die in Echtzeit gepostet werden, den Überblick zu behalten. Vom Brexit bis zur Fußball-WM: So ziemlich alles, was auf der Welt passiert, bekommt einen Hashtag. Wir stellen bedeutende Hashtags der vergangenen zehn Jahre vor: #Blumenkübel Eine Praktikantin der Münsterschen Zeitung hat 2010 einen der ersten größeren Hypes um die Verbreitung eines Themas via Twitter ausgelöst. Ihren Artikel mit der Überschrift „Großer Blumenkübel zerstört" über Vandalismus in einer kleinen Ortschaft teilt ein Redakteur der Lokalzeitung auf Twitter. In den nächsten Tagen steigt der Hashtag #blumenkübel zum Trendthema auf. Die ironische Netzgemeinde nimmt die Meldung ohne erkennbaren Nachrichtenwert auf und verbreitet sie rasend schnell. Apple hat bereits eine Schutzhülle für #Blumenkübel angeboten: Der iMer ist für 4,99 Euro im Blumenhandel erhältlich. — Martin Kleiner 🇪🇺 (@kleinergag) 5. August 2010 #aufschrei Unter dem Hashtag #aufschrei berichten 2013 Betroffene von sexistischen Erfahrungen. Auslöser ist ein Artikel der Journalistin Laura Himmelreich über eine Begegnung mit Rainer Brüderle (FDP), der eine öffentliche Diskussion über Sexismus auslöst. Zusammen mit anderen Frauen etabliert die Feministin Anne Wizorek daraufhin den Hashtag #aufschrei. Konferenzteilnehmer, die auf die Twitterwall schrieben, endlich säße mal etwas fürs Auge auf dem Podium. #aufschrei — teresa bücker (@fraeulein_tessa) 25. Januar 2013 #Varoufake Jan Böhmermann hat in besonderer Weise zur Popularität des Hashtags in Deutschland beigetragen. Für jede Folge seiner Sendung „Neomagazin Royal" verwendet er einen eigenen – mehr oder weniger – kreativen Hashtag. Besondere Aufmerksamkeit bekommt der Hashtag „#Varoufake". Jan Böhmermann behauptet, das Stinkefinger-Video des ehemaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis gefälscht zu haben. Später bekommt er dafür sogar den Grimmepreis – und die Netzgemeinde feiert den Coup. Ich lege mich fest: Ich halte das #varoufake-Bekennervideo und das Vorher-Video für falsch - was die Aktion nicht weniger großartig macht. — Mario Sixtus 馬六 (@sixtus) 19. März 2015 #covfefe Der amerikanische Präsident Donald Trump ist bekannt dafür, mithilfe seiner Tweets die Welt zu regieren. Für Verwirrung sorgt allerdings folgender Tweet: „Despite the constant negative press covfefe". Die Welt rätselt - „covfefe"?! Was will uns der Präsident damit sagen? Unter dem Hashtag #covfefe suchen Internetnutzer nach einer Antwort. was #covfefe auf Deutsch bedeutet pic.twitter.com/WGktTxGQJK — Mario Rabl (@mrabl) 31. Mai 2017 #refugeeswelcome Der Hashtag #refugeeswelcome wird insbesondere 2015 auf dem Höhepunkt des Flüchtlingszustroms genutzt, um Flüchtlinge in Deutschland willkommen zu heißen. Kritiker nutzen den Hashtag #refugeesnotwelcome. Der allerdings wurde insgesamt weitaus weniger verwendet. Der Hashtag #refugeeswelcome schaffte sogar den Sprung in die reale Welt: zum Beispiel auf die Armbinden der Fußballprofis der Bundesliga. Es ist wichtig Zeichen zu setzen‼️ http://t.co/nTZeo5M1nr#RefugeesWelcome#MundAufmachen#RechtAufMenschenrechtpic.twitter.com/ja6jhGwj5e — Tatort Münster (@boerneundthiel) 30. September 2015 #neuland Beim Besuch von Barack Obama in Berlin 2013 sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel diesen denkwürdigen Satz, der sie dem Gespött im Web aussetzt: „Das Internet ist für uns alle Neuland." Hat denn die eigentlich technisch versierte Kanzlerin die Entwicklung der letzten Jahre komplett verpasst? Der Regierungssprecher betont später: Die Kanzlerin meint, das Internet sei rechtspolitisches Neuland. DingDong "Die kleine Angela möchte bitte aus dem #neuland abgeholt werden." — Ralf Appelt (@ralfa) 19. Juni 2013 #jesuischarlie Nicht nur Wahlen oder freudige Ereignisse wie Olympische Spiele bekommen einen Hashtag. Auch bei Terroranschlägen werden Hashtags genutzt – in erster Linie um Informationen in Echtzeit auszudrücken, was manchmal auch zu den wildesten Spekulationen führen kann. Nach dem Terroranschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo drücken viele ihre Trauer und ihr Mitgefühl unter dem Hashtag #jesuischarlie (Ich bin Charlie) aus. Mehrere Millionen mal wurde der Hashtag weltweit verwendet. Wow. Das hat Albert Uderzo heute veröffentlicht. #NotAfraid#JeSuisCharliepic.twitter.com/PBK2iK68HT — Wolfgang Luef (@wluef) 8. Januar 2015 #tatort Gesellschaftliche Relevanz hat zweifelsohne inzwischen auch dieser Hashtag erzielt. Seit einigen Jahren twittert eine große Fangemeinde jeden Sonntag pünktlich ab 20.15 Uhr unter #tatort über den ARD-Krimi. Der Tatort, der früher Familien auf dem Sofa zusammenführte, verbindet so deutschlandweit die Fernsehzuschauer. Wie um ein virtuelles Lagerfeuer versammelt, teilen sie in Echtzeit ihre Gedanken zum Film. Teilweise sind die Tweets und Kommentare sogar unterhaltsamer als der Tatort selbst. Früher waren im #Tatort die argen Sachen in den ersten paar Minuten und dann wurde ermittelt. Ich mochte diese Berechenbarkeit. — evelyn_mono 🐠 (@feuerfisch) 13. August 2017 #ff Der weltweit meist genutzte Hashtag ist einer der kürzesten: #ff steht für Follow Friday (Folger-Freitag). Eingeführt wurde er 2009 von dem Amerikaner Micah Baldwin. Es stellt eine Empfehlung von Twitter-Nutzern für andere Nutzer dar, die ihnen besonders gut gefallen. Die Empfehlung twittern sie immer freitags. Ähnlich funktioniert der #throwbackthursday: Immer donnerstags werden besondere (Kindheits-) Erinnerung mit der Netzwelt geteilt, häufig als Foto. I am starting Follow Fridays. Every Friday, suggest a person to follow, and everyone follow him/her. Today its @fancyjeffrey & @w1redone. — Micah Baldwin (@micah) 16. Januar 2009

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