Großer Andrang: Überwiegend jugendliche Messebesucher testen Spiele auf der Gamescom in Köln – ein Bild von 2016. - © dpa
Großer Andrang: Überwiegend jugendliche Messebesucher testen Spiele auf der Gamescom in Köln – ein Bild von 2016. | © dpa

Köln Der E-Sport wird zur Geldmaschine

Boomendes Geschäft: Elektronischer Sport ist professionelles Computerspielen und wird in Deutschland immer populärer. Globale Marken investieren

Benedikt Schülter

Köln. Es wird zum Milliardengeschäft. Das wettbewerbsmäßige Computerspielen, der sogenannten E-Sport (elektronischer Sport), soll auf der Computerspielemesse Gamescom in Köln eine tragende Rolle spielen. E-Sport wird nämlich immer populärer.

Fans fiebern weltweit mit, wenn Profis bei Spielen wie Counter Strike, Dota 2 oder FIFA in ausverkauften Hallen wie beispielsweise der Lanxess Arena in Köln gegeneinander antreten. In Teams kämpfen diese bei Turnieren wie den „ESL Intel Extreme Masters" im polnischen Katowice oder bei „The International" in Seattle. Die Preisgelder überschreiten dabei deutlich die Millionengrenze.

Beim Wettbewerb in Seattle wurden Gewinne von insgesamt 25 Millionen Dollar verteilt. Das ist mehr als beim Tennisturnier French Open an die Männer ausgeschüttet wird.

Größte Liga für elektronischen Sport in Europa

„E-Sport ist der Sport der jungen Leute", sagt Jan Pommer. Er ist Director Team & Federation Relations der Kölner Firma Turtle Entertainment, die vom E-Sport profitiert. Das Unternehmen betreibt mit der Electronic Sports League (ESL) die größte Liga für elektronischen Sport in Europa. Mittlerweile beschäftigen die Kölner weltweit etwa 600 Mitarbeiter. Es gibt Dependancen in New York, Los Angeles, Melbourne und Singapur. Dabei tritt die ESL quasi als eine Art IOC oder FIFA auf, die Turniere organisiert und vermarktet.

Information

Gamescom 2017

  • Die Spielemesse Gamescom stellt vom 22. bis 26. August in Köln wieder Neuheiten aus der Welt der interaktiven Unterhaltung vor.
  • Eröffnet wird die Veranstaltung in der Kölnmesse von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
  • In diesem Jahr erwarten die Veranstalter demnach mehr als 900 Aussteller aus rund 50 Ländern.
  • Die Ausstellungsfläche wurde auf 201.000 Quadratmeter vergrößert.
  • Themen der Gamescom sind neben den neuesten Video- und Computerspielen aktuelle Trends wie gemeinsames Spielen und die Professionalisierung des E-Sports.
  • Partnerland ist in diesem Jahr Kanada.

„Wir hatten vor kurzem einen Wettbewerb in der Lanxess Arena. Die Halle war an drei Tagen komplett ausverkauft", sagt Jan Pommer gegenüber nw.de. E-Sport sei ein boomender Markt. Das belegt eine vor kurzem veröffentlichte Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte und des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU).

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mit E-Sport 50 Millionen Euro umgesetzt. Das meiste machen dabei Gelder aus Werbung, Sponsoring und großen Turnieren aus. Doch die Zukunft scheint noch rosiger zu sein. So soll, laut der Deloitte-Studie, der Umsatz in drei Jahren auf rund 130 Millionen Euro steigen.

Marken erkennen die Zugkraft des E-Sports

Weltweit wird im kommenden Jahr die Milliarden-Dollar-Grenze überschritten. Globale Marken wie Amazon, Coca-Cola sowie Intel oder Gillette haben die Zugkraft des E-Sports erkannt und investieren kräftigt.

Dabei haben die Firmen insbesondere ein junges und vor allem männliches Publikum als Zielgruppe ausgemacht. So wissen in der Altersgruppe zwischen 14 und 34 Jahren etwa 40 Prozent, was sich hinter E-Sport verbirgt, geht aus der Studie hervor.

Diese nutzen hauptsächlich Onlineplattformen wie Twitch oder Youtube Gaming, um die Wettbewerbe live zu verfolgen. Wie bei normalen Sportübertragungen üblich gibt es dazu auch Kommentatoren und anschließende Analysen. Die Plattform Twitch, die im vergangenen Jahr von Amazon für 730 Millionen Euro gekauft wurde, hat eine Einschaltquote von zehn Millionen Besucher täglich. Eine Tatsache, der sich das Fernsehen nicht verschließen möchte.

Volle Stadien, hohe Preisgelder

Mittlerweile berichten auch Sender wie Sky oder Sport1. Das vorwiegend junge und digitalaffine Zielpublikum habe enormes Potenzial, sagt ein Sport1-Sprecher gegenüber nw.de. Volle Stadien, hohe Preisgelder und die enormen Umsätze haben den Münchner Sender aufhorchen lassen. Deshalb setze man schon seit vergangenem Jahr auf eine umfangreiche Berichterstattung auf sämtlichen Plattformen.

Selbst Fußballvereine wie der FC Schalke 04, VfL Wolfsburg und der VfB Stuttgart wollen den Trend nicht verschlafen und haben bereits eigene E-Sport-Abteilungen gegründet.

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