Virtuelle Möglichkeiten: Im Editor des Spiels können die Nutzer unterschiedliche Szenarien erstellen. - © Promotion Software GmbH
Virtuelle Möglichkeiten: Im Editor des Spiels können die Nutzer unterschiedliche Szenarien erstellen. | © Promotion Software GmbH

Paderborn PC-Spiel wird an der Uni Paderborn für den Katastrophenschutz weiterentwickelt

Forschung wird mit Bundesmitteln in Höhe von 2,1 Millionen Euro vom Ministerium für Bildung und Forschung gefördert

Dirk-Ulrich Brüggemann

Paderborn. Leben retten am Computer: Was 1998 als Echtzeit-Strategiespiel für den heimischen Computer geplant war, wird heute für den Katastrophenfall genutzt. Die Rettungssimulation „Emergency" stand Pate für ein Ausbildungsprojekt für Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks. Projektpartner ist unter anderem die Universität Paderborn. Die Forschung für die zivile Sicherheit wird mit Bundesmitteln in Höhe von 2,1 Millionen Euro vom Ministerium für Bildung und Forschung gefördert. Das Trainingssystem trägt den Namen "Teamwork" und befindet sich in der Erprobungsphase. 2019 soll das Trainingssystem für die Öffentlichkeit zugänglich sein und in der Ausbildung von Einsatzleitern und Rettungskräften erprobt werden. Ob Hochwasser oder Waldbrände, mit der Krisensimulation Teamwork wird spielerisch das Miteinander zwischen Einsatzkräften und Bevölkerung im Ernstfall erprobt. Ziel des Projekts ist die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Gruppen. Forscher der Universität Paderborn unter der Leitung von Rainer Koch arbeiten mit der Promotion Software GmbH, der PRO DV AG, dem Kreis Paderborn, der Feuerwehr Dortmund, der Universität der Bundeswehr München und fünf assoziierten Partnern zusammen. Das Computerspiel „Emergency" liegt mittlerweile in der fünften Version vor und zählt zum sogenannten „Serious Gaming". Zu diesem Bereich werden Spiele gezählt, die einen ernsten Hintergrund haben und Wissen vermitteln. Bei „Emergency 5" kann der Spieler Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste virtuell auf dem Computerbildschirm einsetzen. Das macht das Spiel sowohl bei Laien als auch bei professionellen Einsatzkräften so beliebt. Daher haben die Forscher der Universität Paderborn aus „Emergency 5" ein softwarebasierendes Trainingsystem für den Katastrophenschutz und für freiwillige Helfer entwickelt. Die Idee: Profis und Laien arbeiten bei der Spielentwicklung zusammen. Je nach Interesse finden sich die Nutzer in einer der drei Gruppen – dabei sind die Grenzen fließend – wieder: als Entwickler von Szenarien, als Spieler, die Lösungen hervorbringen, oder als diejenigen, die die durchspielten Szenarien anschließend in einer Community bewerten. „Hier geht es nicht nur um Naturkatastrophen, beispielsweise Brände oder Hochwasser. Auch die daraus resultierenden Problematiken wie mangelnde Trinkwasserversorgung oder ähnliche Notlagen sind besonders wichtig", sagt der Projektleiter von Teamwork an der Universität Paderborn, Robin Marterer. Das Computerprogramm modelliert den Ort der Katastrophe, deren Umgebung und das Verhalten der Menschen realistisch. Das jeweilige Ereignis, zum Beispiel Hochwasser an der Weser, wird zwar vorgegeben, der Schadensverlauf vom System aber dynamisch errechnet. Für die Praxispartner im Projekt ist es wichtig, entsprechend ihres Wirkungskreises Einsätze im Ruhrgebiet und im Kreis Paderborn zu simulieren. 3-D-Kartenmaterial für Paderborn und Dortmund gibt es bereits. Die Geodaten liefern Katasterämter. Derzeit wird erarbeitet, wie Kartenmaterial für beliebige Szenario-Gebiete importiert werden kann. Zusätzlich sollen auch Wetterdaten übernommen werden, um die Bedingungen möglichst realitätsnah abzubilden. Ziel von Teamwork ist es, Handlungsempfehlungen für die Einsatzkräfte zu formulieren. „Wie setze ich Einsatzkräfte möglichst effektiv ein, um Schäden zu minimieren? Wie verhalte ich mich in bestimmten Gefahrenlagen? Welche Ereignisse haben welche Folgen? Durch das Entwickeln und Simulieren der Szenarien in Teamwork können wichtige Inhalte an die Nutzer transportiert werden", erklärt Marterer. Da Katastrophenschutzübungen in der Realität sehr kostenintensiv sind, bietet das neue Programm die Möglichkeit, die Übungseinsätze ohne viel Aufwand virtuell zu simulieren. Die aus der Simulation gewonnen Erkenntnisse tragen dazu bei, die zivile Bevölkerung zu befähigen, Not- und Katastrophenlagen künftig besser zu bewältigen. „Das Projekt soll die Resilienz der Bürger – also die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisenereignissen – stärken", sagt Marterer abschließend.

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