Im Bauhaus Campus in Berlin steht das Tiny Haus "Holy Foods House". - © picture alliance / Monika Skolimowska/dpa
Im Bauhaus Campus in Berlin steht das Tiny Haus "Holy Foods House". | © picture alliance / Monika Skolimowska/dpa

Bielefeld/Berlin Was man über die Lebensform "Tiny Houses" wissen muss

Initiative bietet Workshop an, in dem man sich in zehn Tagen sein eigenes Häuschen baut

Annika Falk-Claußen

Bielefeld/Berlin (faa/dpa). Angesichts steigender Immobilienpreise und Raumnot in den Städten träumen immer mehr Menschen von alternativen Lebensformen. Eine Möglichkeit, kostengünstig, flexibel und umweltverträglich zu leben, sind "Tiny Houses", wie sie etwa ein Salzkottener baut. Doch was muss man dabei beachten? Vorweg: Die kleinen Hütten sind nichts für Menschen mit Platzangst. Denn auf kleinster Fläche (meist zwischen 6 und 50 Quadratmetern) sind Wohn- und Schlafbereich sowie Küche und Bad unterbracht. In den USA sind diese Mini-Häuser besonders beliebt, es gibt ein richtiges "Tiny House Movement". Doch dort gibt es kaum Vorgaben zu Standort und Baugenehmigungen. In Deutschland darf man allerdings maximal zwei Wochen auf öffentlichen Plätzen und Straßen parken. Auch dauerhaft wohnen darf man in einem "Tiny House" nicht so ohne Weiteres. Architekt hält Vortrag in Herford Es gibt in Deutschland einige Initiativen, die sich mit "Tiny Houses" beschäftigen, unter anderem das Berliner Kollektiv "Tinyhouse University" oder die Initiative "Co-Being House", die mit dem Konzept der 100-Euro-Wohnung wirbt. Am Bauhaus-Campus in Berlin beschäftigen sich Forscher mit der Frage, wie viele Quadratmeter ein Menschen heute und morgen braucht. Gründer Van-Bo Le-Mentzel hält übrigens am heutigen Mittwoch, 14. März, um 20 Uhr einen Impulsvortrag bei den Architekturgesprächen im Herforder Marta. Die Kosten für ein Minihaus sind sehr unterschiedlich. Wer selbst Hand anlegen will: Das Berliner Kollektiv "Tinyhouse University" bietet Workshops an, in denen man sich in zehn Tagen sein eigenes kleines Häuschen bauen kann. Das Ziel der Gruppe aus Gestaltern, Bildungsaktivisten und Geflüchteten ist, soziale Nachbarschaft auf kreative Weise zu erforschen. Auch in OWL ist der Trend angekommen: Die Löhner Firma Smart House hat sich auf den Bau der kleinen Fertighäuschen spezialisiert. Und in Detmold findet im April ein Workshop über das Leben im "Tiny House" statt.  Aber nicht nur die Baubranche interessiert sich für diese Möglichkeiten der Stadtentwicklung. Auch die Möbelindustrie hat den Trend längst erkannt und beschäftigt sich mit der Idee vom Wohnen auf immer kleineren Grundflächen. Die weltgrößte Messe der Zulieferer der Möbelindustrie und des Innenausbaus, die Interzum, widmete dem kleinen und beweglichen Wohnraum 2017 eine Sonderausstellungsfläche. Beim zuständigen Bauamt nachfragen Doch was muss man beachten, wenn man sich mit dieser Wohnform anfreunden kann? Auf dem Portal tiny-houses.de beantwortet Isabella Bosler von der "Tiny Houses Consulting" wichtige Fragen dazu. Sie stellt klar, dass es sich immer um ein offizielles Bauvorhaben handelt, wenn man ein "Tiny House" als Hauptwohnsitz nutzen möchte. Auch kleine Gebäude sind in Deutschland genehmigungspflichtig, sofern sie zu Wohnzwecken genutzt werden sollen. Dafür gelten die Bestimmungen des deutschen Baugesetzbuches, die Landesbauordnung des jeweiligen Bundeslandes, der Flächennutzungsplan, ggf. ein Bebauungsplan und eine Ortsgestaltungssatzung. Am besten wenden sich Interessierte also direkt an das Bauamt der zuständigen Kommune. Übrigens: Auch wer sein Häuschen auf einen Anhänger stellt, kommt nicht an den Vorschriften vorbei. Einfacher ist es, wenn man sein "Tiny House" als Gäste- oder Ferienhaus nutzen will. Wer es auf seinem privaten Grundstück aufstellen möchte, braucht allerdings trotzdem eine Baugenehmigung, eine Parzelle auf einem Campingplatz oder in einem Ferienhausgebiet kann einfach gepachtet werden. Workshop in Detmold Wer mal in einem "Tiny House" probewohnen möchte, kann sich zum Beispiel bei "Tiny House Diekmann" in Hamm melden. Die Schreinerei vermietet auch ein Minihaus als mobiles Büro, Seminar- und Schulungsraum. Auch in Deutschlands erster offizieller "Tiny House"-Siedling im Fichtelgebirge kann man probewohnen und seit Sommer 2017 Urlaub in einem der Häuschen machen. Weitere Tipps gibt Youtuberin "Nessa goes Wild", die auf ihrem Kanal von ihrem Weg zum eigenen "Tiny House" berichtet und viele Fragen beantwortet, die man sich als zukünftiger Minihaus-Besitzer stellt:

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